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Marktkommentar: Dr. Wolfgang Bauer (M&G): Wird es Zeit, Bundesanleihen zu verkaufen?
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Marktkommentar Dr. Wolfgang Bauer (M&G): Wird es Zeit, Bundesanleihen zu verkaufen?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
28.06.2018, 13:05  |  456   |   |   

Deutsche Staatsanleihen sind in letzter Zeit immer stärker geworden. Aber ist die jüngste Rallye auch nachhaltig?

Ist die jüngste Rallye auch nachhaltig? Wohl eher nicht. Bei all den politischen Turbulenzen in der europäischen Peripherie steht Deutschland wie ein Leuchtturm der Stabilität da – doch was ist mit den politischen Risiken hierzulande? Merkels viertes Kabinett steht vor der bisher größten Krise. Aber selbst wenn die Bundeskanzlerin verdrängt würde, könnten deutsche Staatsanleihen sogar davon profitieren.


Bunds boomen noch

Normalerweise führt die politische Unsicherheit in einem Mitgliedsstaat des Euroraums zu einer deutlichen Underperformance seiner Staatsanleihen. Sind Bundesanleihen jedoch die Ausnahme, da sie den Status eines "sicheren Hafens" haben? Weitere Spannungen in Europa dürften die Bewertungen aufgrund des "flight to quality"-Reflexes der Anleger verstärken. Darüber hinaus könnten Bundesanleihen im Falle einer Auflösung des Euroraums in eine neue Version der D-Mark umgewandelt werden, die gegenüber den meisten anderen Währungen mit ziemlicher Sicherheit an Wert gewinnen würde. Das würde den Gesamtertrag für die Anleger erhöhen. Je höher also die politischen Risiken sind, desto höher ist also die Wahrscheinlichkeit, dass die Rendite der Bundesanleihen weiter sinkt.

Doch wie weit können sie das noch tun? Die Renditen sind zuletzt bereits deutlich gesunken. So liegt die aktuelle Fünfjahresrendite (-0,3%) näher an ihrem Anfang Juli 2016 erreichten Allzeittief (-0,6%) als an ihrem bisherigen Jahreshoch im Februar dieses Jahres ( 0,1%). Ein ordentliches Maß an anhaltender politischer Unsicherheit und Risikoaversion ist also bereits voll eingepreist.


Ausnahmejahr 2016 für Bunds

Natürlich könnten die Renditen theoretisch unter die Tiefststände von 2016 fallen. Unmittelbar nach dem Brexit-Referendum stiegen die Zweifel an der Integrität der Eurozone und folglich profitierten Bundesanleihen. Zudem überschwemmten die Zentralbanken den Markt mit Liquidität. Bundesanleihen standen ganz oben auf der Einkaufsliste der EZB. Nach dem dramatischen Einbruch des Ölpreises Anfang 2016 gab es keine Inflation in Europa. Die Bedingungen für Bunds hätten also kaum besser sein können.

Ich bin skeptisch, dass Bundesanleihen in absehbarer Zeit, wenn überhaupt, das Niveau von Mitte 2016 erreichen werden. Die europäische Inflation hat sich mit 1,9 % im Jahresvergleich nach oben entwickelt und entspricht damit der Definition der EZB für Preisstabilität. Die monetären Anreize werden langsam abgebaut. Bundesanleihen waren der Hauptnutznießer des öffentlichen Kaufprogramms der EZB – mit mehr als 485 Mrd. Euro bis Ende Mai, also fast einem Viertel aller Nettokäufe.


Gewinne mitnehmen

Der Markt scheint sich trotzdem über die Ankündigung, dass die EZB Zinserhöhungen zumindest bis zum Sommer nächsten Jahres praktisch ausgeschlossen hat, sehr zu freuen. Aber sobald die allgemeine Stimmung an den Märkten weniger nervös sein wird, werden die Renditen darauf reagieren. Jetzt könnte also ein guter Zeitpunkt sein, um Gewinne aus den Staatsanleihen mitzunehmen und das Bund-Exposure zu verringern.“




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