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Sind die Europäer Schuld an der Zuwanderung? Juncker mal wieder voll daneben

Gastautor: Rainer Zitelmann
29.06.2018, 09:43  |  9633   |   |   

In der Debatte um Flüchtlingszentren in Nordafrika hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor "neokolonialen Tönen" der Europäer gewarnt, die die Afrikaner verletzen könnten.

Die in Frage kommenden Länder "mögen es nicht, fremdbestimmt zu werden", sagte Juncker am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel. Es dürfte nicht der Eindruck erweckt werde, "dass es hier Neokolonialismus geben würde". Wenn die Botschaft der EU sei, "dass die Afrikaner zu tun haben, was wir wollen, dann wird das schiefgehen".

Juncker liegt mal wieder voll daneben. Warum haben wir denn überhaupt die Probleme mit massenhafter Zuwanderung nach Europa? Weil die afrikanischen Länder versagt haben, weil sie seit Jahrzehnten unfähig sind, politische und wirtschaftliche Verhältnisse herzustellen, die ihren Bürgern eine positive Perspektive vermitteln.

Korruption und wirtschaftliche Unfreiheit sind in Afrika so verbreitet wie nirgendwo auf der Welt - und das ist nicht die Schuld der Europäer, wie uns Linke, Grüne und andere Prediger des schlechten Gewissens einreden wollen. Die Europäer trifft allerdings insofern eine Mitschuld, weil sie durch Milliarden an Entwicklungshilfe die Korruption in Afrika befördert haben. Aber genau diese Entwicklungshilfe soll ja nach Vorstellung vieler Europäer noch verstärkt werden, um "Fluchtursachen zu beseitigen". Ein absurdes Konzept.

Hier nur zwei Indizes, die zeigen, wo die Probleme Afrikas liegen. Der erste Index ist der Korruptionsindex von Transparency International - hier mit den Ländern, wo die höchste Korruption herrscht. Zwei Drittel der Schlusslichter in diesem Index sind afrikanische Länder.

165 Tschad
165. Eritrea
167. Angola
167. Turkmenistan
169. Venezuela
169. Irak
171. Guinea-Bissau
171. Äquatorialguinea
171. Korea, Demokratische Volksrepublik
171. Libyen
175. Jemen
175. Sudan
177. Afghanistan
178. Syrien
179. Südsudan
180. Somalia

Der zweite Index ist der Index der wirtschaftlichen Freiheit der Heritage Foundation. Er zeigt, wie wirtschaftlich frei oder unfrei (anders ausgedrückt: wie kapitalistisch) die Länder sind. Für Flucht gibt es viele Ursachen: Politische Unterdrückung, wirtschaftliche Not, Kriege und Bürgerkriege. Wenn wir den Index der wirtschaftlichen Freiheit anschauen und die ersten 20 mit den letzten 20 Ländern vergleichen, dann wird jedoch eines auf den ersten Blick deutlich: Niemand flieht aus wirtschaftlich freien Ländern wie Neuseeland, Großbritannien, Holland oder Schweden. Im Gegenteil: Die meisten Länder, die als "überwiegend frei" gelten, waren die Zielländer der Fluchtbewegungen, so etwa Deutschland, Österreich oder Schweden. Dagegen sind die Schlusslichter im Index der wirtschaftlichen Freiheit überwiegend afrikanische Länder. Ist es ein Zufall, dass niemand aus wirtschaftlich freien Ländern flieht, aber dass andererseits die meisten Flüchtlinge gerade aus wirtschaftlich unfreien Ländern kommen?

161. Sudan
162. Chad
163. Central African Republic
164. Angola
165. Ecuador
166. Suriname
167. Timor-Leste
168. Togo
169. Turkmenistan
170. Mozambique
171. Djibouti
172. Algeria
173. Bolivia
174. Zimbabwe
175. Equatorial Guinea
176. Eritrea
177. Congo, Rep.
178. Cuba
179. Venezuela
180. North Korea

"Fluchtursachen beseitigen" durch mehr Entwicklungshilfe ist ein Irrweg. Entwicklungshilfe klingt moralisch gut und für manche Befürworter ist sie - fast im religiösen Sinne - eine Art Wiedergutmachung für die Sünden des Kolonialismus und der "Ausbeutung der Dritten Welt" durch die kapitalistischen Länder. Aber bewirkt sie das, was sich die Befürworter davon erhoffen? Abdoulaye Wade, 2000 bis 2012 Präsident von Senegal, äußerte in einem Interview: "Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Land durch Entwicklungshilfe oder Kredite entwickelt hat. Länder, die sich entwickelt haben - in Europa, in Amerika; oder auch in Japan oder asiatische Länder wie Taiwan, Korea und Singapur -, haben alle an den freien Markt geglaubt. Das ist kein Geheimnis. Afrika hat nach der Unabhängigkeit den falschen Weg gewählt."

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6 Kommentare

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Kommentare

Es wird zwar immer wieder gerne gebracht, dadurch aber auch nicht richtiger: Die Waffen sind nicht Ursache der Kriege in Afrika, sondern sie sind die FOLGE. Herr Zittelmann hat völlig Recht mit seinen Ausführungen! Ich halte die Kommentatoren, die in Waffenlieferugen die Ursachen des afrikanischen Chaos sehen für naiv. Mal eine Frage an WAlexandro und pegasusorion: Welche Leistung (technisch oder intellektuell) hat der afrikanische Kontinent der Menscheit beschert? Kennen Sie irgendeine Erfindung/Errungenschaft, die die Menschheit Afrika verdankt? Ich kenne keine! Man kann locker darüber schwadronieren, dass Amerikaner/Europäer/Asiaten die Bodenschätze in Afrika ausbeuten. Kein afrikanisches Land wäre jemals dazu in der Lage gewesen. Und jetzt fragen Sie sich mal, warum das so ist, dann kommen wir dem Problem näher.
Lieber Herr Zittelmann,


leider bin ich mal wieder nicht auf Ihrer Seite.

Die Afrikaner haben nicht versagt, sondern dieser eigentlich bodenschatzreiche Kontinent ist über Jahrhunderte (USA Sklaverei) und Europa (Kolonialismus) ausgebeutet und restlos ausgespresst worden und wird es leider noch immer.
Anstatt den Völkern auf die Beine zu helfen, wurden sie zwangschristianisiert, verschleppt und über alle Maßen vom Kapitalismus aufgefressen.
Das Elend sind wir also zu einem großen Teil selber Schuld, weil wir es verursacht haben.

Hinzu kommt, dass die Amis mit ihren unnötigen Kriegen zusätzlich die Welt auf den Kopf gestellt haben, weil sie (angeblich) allen Völkern ihre Auffassung von Demokratie aufdrücken wollen. Ob die es nun wollen oder nicht, ob sie dazu reif sind oder nicht. Dabei geht es vordergründig jedoch nur um Öl und seltene Erden. Diese fatale US-Politik hat den ganzen Orient und Teile Afrikas total durcheinander gebracht und auf den Kopf gestellt. Ganze Menschenströme sind auf der Flucht und suchen ihr Heil in Europa.
Wir Europäer haben aus dieser US-Politik jedoch allein die Konsequenzen zu tragen, weil der Seeweg über den Atlantik selbst für die gewieftesten Schlepperbanden einfach zu weit ist. Die Amis können in aller Ruhe und davon völlig unbelastet zuschauen und rüsten fleissig auf.

Ich war tatsächlich mal über viele Jahre ein dankbarer und USA-freundlicher Deutscher. Aber diese Verbundenheit ist seit Bush gestört und seit Trump völlig dahin.

Es wird wohl höchste Zeit, dass die seit Jahrzehnten in aller Welt Krieg führenden Yankees mal wieder einen Krieg auf eigenem Territorium erleben müssen, um zu verstehen welches Elend und Leid damit verbunden ist.

Nee, Herr Zittelmann, Sie scheinen mir in Ihrer Betrachtung vielfach zu voreingenommen.
Tja Herr Zittelmann Kapitalismus ist nämlich doch das Problem.

Trotz Hilfe in der 3. Welt durch die 1 rennen dort immer mehr Menschen Richtung Europa oder USA damit es ihnen noch besser geht.
Wir verkaufen ja auch zusätzlich noch Waffen in solche instabilen Gebiete und die Wirtschaft macht da 2 x Gewinn und das ist Absicht.

1. Der Gewinn für den Waffenverkauf

2. Langfristig durch die Migration der Menschen aus diesen Gebieten die in die herstellerländer der Waffen einwandern soll und wird langfristig das Lohngefüge gedrückt.

Fazit:

Doppelt gewonnen und die Bevölkerung verarscht oder???

Kapitalismus ist also doch das Problem!!!
Eine der wichtigsten Fluchtursachen hat der gute Zitelmann leider vergessen.
Nämlich die systematische Ausplünderung der Dritten Welt durch Großkonzerne.

So Kinkerlitzchen wie Demokratie, Umweltschutz, Recht, Ordnung, Frieden und Freiheit stehen der ungehemmten wie ungestraften Ausbeutung eines Landes eher kontraproduktiv entgegen, wie man aus Erfahrung weiß. Aber das Kapital weiß sich da durchaus zu helfen. Und eine Marionette, die, aus dem Hintergrund gesteuert, das eigene Land mit Krieg und Elend überzieht, findet sich zum Glück immer verlässlich.

Zitelmann weiß das natürlich auch, das muss in seinem 'Heile-Welt-Kapitalismus' aber logischerweise unerwähnt bleiben.

Also schließt er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Toller Spruch. Habe ich den neulich nicht schon mal wo gehört? ;)

Disclaimer

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