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Marktkommentar: Bassel Khatoun, Salah Shamma (Franklin Templeton): „Saudi Arabien“
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Marktkommentar Bassel Khatoun, Salah Shamma (Franklin Templeton): „Saudi Arabien“

Nachrichtenquelle: Asset Standard
29.06.2018, 11:05  |  612   |   |   

Die Heraufstufung durch den Indexanbieter MSCI dürfte eine neue Entwicklung in der Reform-Story Saudi-Arabiens anstoßen.

Die Entscheidung des Indexanbieters MSCI, Saudi-Arabien in seinen Schwellenmarktindex aufzunehmen, dürfte den Aktienmarkt des Königreichs – und möglicherweise auch der übrigen Länder der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) – nach Meinung von Bassel Khatoun und Salah Shamma von Franklin Templeton Emerging Markets Equity grundlegend verändern.

Die Entscheidung MSCIs, Saudi-Arabien in seinen Schwellenmarktindex aufzunehmen, stellt eine Anerkennung der positiven Veränderungen dar, die der Kapitalmarkt des Landes während der letzten fünf Jahre durchlaufen hat.

Unserer Meinung nach stellt Saudi-Arabien eine höchst interessante Wachstumsstory dar, und wir sehen die Aufnahme in den MSCI Emerging Market (EM) Index[1] als angemessene Belohnung für die Verbesserungen, die an der Infrastruktur des Aktienmarkts vorgenommen wurden, so dass dieser inzwischen eher den internationalen Standards entspricht.

Die Aufnahme Saudi-Arabiens in den Schwellenmarktindex, die in zwei Phasen im Mai und August 2019 stattfinden wird, dürfte den Kapitalmarkt des Königreichs grundlegend verändern und positive Auswirkungen auf die MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) insgesamt haben. Aus unserer Sicht ist dies die bedeutendste Reform-Story eines Schwellenlandes seit China.

Die Geschwindigkeit, in der Kapitalmarktreformen in Saudi-Arabien umgesetzt wurden, ist beeindruckend. Die Kapitalmarktaufsicht (Capital Market Authority, CMA) und die Wertpapierbörse (Tadawul) des Landes haben die Initiative zur Modernisierung der Aktienmarktinfrastruktur des Königreichs und zur Verbesserung des Zugangs für Anleger angeführt, indem sie flexible Beteiligungsgrenzen erlaubt und einen zweitägigen Abwicklungszyklus für Transaktionen eingeführt haben.

Der Schritt von MSCI folgt auf die zu Beginn dieses Jahres von FTSE Russell getroffene Entscheidung, den saudischen Aktienmarkt innerhalb der FTSE Russell Global Equity Index Series mit Wirkung zum März 2019 als „sekundären Schwellenmarkt“ einzustufen.


Die Reformerfolge Saudi-Arabiens

Die Börse des Königreichs umfasst bereits heute Auslandsanlagen in Höhe von ca. 9 Mrd. USD. Der neue Schwellenmarktstatus dürfte Saudi-Arabien erhebliche weitere Kapitalzuflüsse aus dem Ausland bescheren, die sich langfristig auch in den umliegenden Ländern positiv bemerkbar machen könnten.

Die besser werdenden Fundamentaldaten dürften Anleger ebenfalls anlocken. Eine Kombination aus höheren Ölpreisen und niedrigeren Defiziten haben einen Anstieg der Staatsausgaben nach sich gezogen, was wiederum dem nicht ölbezogenen Bruttoinlandsprodukt (BIP) Auftrieb verliehen[2] und das Wachstum der Unternehmensgewinne beschleunigt hat.

Die Aufnahme Saudi-Arabiens in den MSCI EM Index sollte dazu beitragen, die von uns seit jeher als wesentliche Abkopplung betrachtete Diskrepanz zu beseitigen, die zwischen dem BIP-Beitrag dieser Region und ihrer Vertretung in internationalen Aktienindizes besteht. Unseren Analysen zufolge macht die MENA-Region derzeit über die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar und Ägypten lediglich 1,56 % des MSCI EM Index aus.[3] Durch die Aufnahme Saudi-Arabiens könnte dieser Anteil am Index deutlich steigen. Anfänglich werden auf Saudi-Arabien alleine 2,6 % des Index entfallen. Mit dem anstehenden Börsengang des staatlichen Ölunternehmens Saudi Aramco könnte sich die Gewichtung des Landes unseren Schätzungen zufolge auf mehr als 4 % nahezu verdoppeln. Darüber hinaus halten wir es für wahrscheinlich, dass Kuwait schon bald in die Fußstapfen Saudi-Arabiens treten und von MSCI ebenfalls auf Schwellenlandstatus heraufgestuft werden könnte.

Was wir derzeit erleben, ist der Übergang dieser Region von der Peripherie in den Kern des Schwellenmarktuniversums. Unserer Einschätzung nach bietet dies geeigneten Anlegern zusätzliche Anreize, in die MENA-Region insgesamt zu investieren.


Grafik: Aufnahme von Saudi-Arabien in den MSCI Emerging Markets Index


Zunehmende Auslandsinvestitionen und Liquidität

Selbst nach den jüngsten Kapitalzuflüssen halten Ausländer lediglich 1,8 % der Tadawul.[4] Im Vergleich dazu sind Ausländer zu 14,0 % am Markt der VAE (13,8 % in Abu Dhabi und 14,3 % in Dubai) und unseren Berechnungen zufolge zu 9,2 % am Markt von Katar beteiligt. In dieser Hinsicht hinkt Saudi-Arabien also noch hinterher. Wir gehen davon aus, dass die Beteiligungen ausländischer Anleger im Vorfeld der offiziellen Aufnahme Saudi-Arabiens in den MSCI EM Index deutlich zunehmen dürften.

Indizes haben inzwischen einen sehr starken Einfluss auf die Kapitalströme an den Aktienmärkten.  Angesichts des massiven Kapitals in Höhe von 1,9 Bio. USD[5], das den MSCI EM Index nachbildet[6] (davon 80 % aktiv und 20 % passiv), könnte eine Ländergewichtung von 2,6 % für Saudi-Arabien[7] einen zusätzlichen Zufluss ausländischen Kapitals in Höhe von 40 Mrd. USD bedeuten, wenn sich diese Benchmark-Gewichtung als richtig erweist[8]. Dies ist vor dem Hintergrund der bisherigen Kapitalströme in die Tadawul beispiellos. Unseren Analysen zufolge könnte sich der Markt, dessen Kapitalisierung derzeit bei ca. 536 Mrd. USD liegt, durch den Börsengang von Saudi Aramco möglicherweise um weitere 50 Mrd. USD vergrößern.[9] Dies ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor, wenn man berücksichtigt, dass die Nettokapitalzuflüsse zum saudischen Markt während der letzten zehn Jahre[10] mit insgesamt ca. 1,9 Mrd. USD[11] lediglich einem Bruchteil dieses Betrags entsprechen.

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