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Liegt Warren Buffett bei Bitcoin daneben?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
03.07.2018, 10:00  |  1583   |   |   

Warren Buffett hatte für Krypto-Währungen wie Bitcoin eigentlich bislang kein nettes Wort übrig, und da stand er unter Milliardären keinesfalls alleine da.

Im Januar 2018 sagte der CEO von Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2): „Ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Krypto-Währungen kein gutes Ende nehmen werden“, und dass er, wenn er denn könnte, gerne eine fünfjährige Put-Option auf jede einzelne Krypto-Währung im Markt kaufen würde. Und bei Berkshires Jahresversammlung im Mai holte Buffett noch einmal zum Schlag aus und nannte Bitcoin „Rattengift zum Quadrat“.

Fans von Krypto haben Buffetts Kritik nicht gerne wahrgenommen, aber ich würde ihnen raten, vielleicht doch einmal hinzuhören. Denn Buffett hat einige der größten Investitionsblasen und Zusammenbrüche der letzten Jahrzehnte mehr als genau vorausgesagt.

Die Dotcom-Blase

Im April 2000 gab es Anzeichen für eine Abkühlung des Dotcom-Booms. Tech-Aktien waren nach einigen Jahren unglaublicher Kursgewinne um etwa 20 % vom Höchststand gesunken. Viele Leute dachten allerdings, dass es sich dabei bloß um eine Korrektur handelt und kauften weiter Dotcom-Aktien.

Buffett hingegen nicht. Bei Berkshires Jahresversammlung in jenem Jahr wurden er und seine rechte Hand Charlie Munger zu Internet-Unternehmen befragt. Buffett sagte, dass der Hype in Ende finden würde.

„Am Ende entsteht der einzige Reichtum aus dem, was ein Unternehmen erschafft“, sagte Buffett. „Investoren können als Gruppe nicht reicher werden, wenn das Unternehmen sie nicht reicher macht.“

Er hatte kein Problem mit der Internet-Technologie, denn da waren sich Munger und er einig, dass das Internet alles verändern würde. Vielmehr fand Buffett die Bewertungen, für die viele Dotcom-Aktien aufgerufen wurden, einfach lächerlich. „Am Ende zählt die Bewertung“, sagte Buffett. „Wenn immer mehr Leute mit immer höheren Summen spielen, wird dabei eine Art eigene Wahrheit erschaffen. Es kann noch ein bisschen dauern, aber es wird nicht ewig so weitergehen.“

Er sollte recht haben. Anfang 2002 war der Nasdaq Composite dann auf weniger als die Hälfte zusammengeschrumpft.

Die Derivate-Gefahr

Derivative gibt es schon seit geraumer Zeit, aber ihre Popularität stieg Anfang bis Mitte der 2000er Jahre besonders stark an.

2003 ließ Buffett tatsächlich einen Teil seines jährlichen Briefes im Fortune Magazine veröffentlichen, um die Branche vor den Gefahren von Derivaten zu warnen, die er als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnete.

Auf der Jahrestagung von Berkshire im selben Jahr gab Buffett eine Vorhersage ab, die sich nur wenige Jahre später als äußerst zutreffend erweisen sollte:

Charlie und ich denken, dass es eine niedrige, aber nicht unbedeutende Wahrscheinlichkeit gibt, dass Derivate einige Probleme verschärfen könnten, die sich sogar aus einem anderen Phänomen ergeben könnten. Und wir finden, dass das nicht ausreichend erkannt wird. Wir denken, dass das Problem mit zunehmender Komplexität der Derivate und deren Verwendung zunimmt.

Das ist fast genau das, was während der Finanzkrise passiert ist. Ein weiteres Phänomen (in diesem Fall einfache Hypothekenkredite) wurde durch komplexe derivative Wertpapiere noch verschlimmert und führte fast zum Zusammenbruch des gesamten US-Finanzsystems.

Die Immobilienkrise

Da wir nun schon einmal beim Thema sind: Buffett war ein ehrlicher Kritiker der Hypothekengeschäfte und der Blase in den Jahren vor der Finanzkrise. Er versuchte mehrmals, die Leute zu warnen, dass das alles schief gehen würde.

Auf der Jahrestagung 2005 von Berkshire sagte Buffett: „Wenn Sie immer weiter die Preise verteuern, und dabei kommt die Zahlung für den Preisaufschlag von jemand anderem, der das Gefühl hat, dass er kein Risiko trägt, weil ja die Regierung als Sicherheit dazwischen steht, dann fließt das Geld, und jeder darf sich eine Zeitlang glücklich fühlen.“

Nun, ein paar Jahre daruaf gab es Anzeichen dafür, dass der ganze Markt auf Talfahrt geht. Hauspreise stagnierten, und Enteignen häuften sich, aber das war erst der Anfang. Bei Berkshires Treffen im Mai 2007 sagte Buffett über den Häusermarkt: „Man wird bald viel Elend auf diesem Gebiet sehen.“

Buffett setzte sich mit allen Hypothekenprodukten auseinander, die es damals gab, wie z.B. Kredite mit negativer Amortisation, bei denen die Kreditnehmer nicht einmal die Zinsen für ihre Kredite decken mussten, was zu noch größeren Verpflichtungen führte:

Ich denke, dass die Kreditvergabe dumm ist, und ich denke, dass die Kreditaufnahme ebenfalls dumm ist. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand, der im ersten Jahr nur 20 % bis 30 % seiner normalen Hypothekenzahlungen leisten kann, einige Jahre später 110 % seiner normalen Hypothekenzahlungen leisten können soll. Jene Leute und jene Unternehmen wetteten groß, dass Wohnungspreise immer weiter steigen werden, und es war völlig egal, ob Menschen die Zahlungen leisten konnten. Und das funktionierte eine Weile, bis es dann eben nicht mehr funktionierte.

Buffett hatte wohl unterschätzt, welches Ausmaß der Wohnungsmarkt auf die gesamte US-Wirtschaft haben würde. „Ich denke, es ist unwahrscheinlich, dass ein Faktor allein massive Auswirkungen auf die allgemeinen Wirtschaft auslöst“, sagte er.

Er hatte Recht in dem Sinne, dass Wohnen allein nicht die Finanzkrise auslösen würde. Es war eine Kombination aus schlechten Kreditvergabepraktiken und kreativen derivativen Wertpapieren, vor denen er nur wenige Jahre zuvor gewarnt hatte.

Wahrsager Buffett

Um es klar zu machen: Ich sage nicht mit 100 %iger Sicherheit, dass Buffett beim Thema Bitcoin und anderen Krypto-Währungen recht hat. Er hat auch manchmal Unrecht – er hat kürzlich zugegeben, dass er zum Beispiel Amazon.com komplett verschlafen hat.

Allerdings kann es gefährlich sein, Buffetts Warnung als „Gerede eines alten Mannes“ abzutun. Buffett mag Bitcoin oder die Technologie hinter Krypto-Währungen nicht verstehen, aber er versteht Konzepte wie Blasen und irrationales Anlegerverhalten – und er hat eine Menge Geld verdient, weil er sie so gut versteht.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Berkshire Hathaway.

Dieser Artikel von Matthew Frankel erschien am 28.6.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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