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PROSIEBENSAT.1 UND RTL IM FOKUS Netflix & Amazon saugen Kunden ab

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
03.07.2018, 11:20  |  522   |   |   

UNTERFÖHRING/LUXEMBURG (dpa-AFX) - Den deutschen Privat-Fernsehsendern gehen Zuschauer flöten. Wer seine Serien bei Netflix oder Amazon Prime schaut, schaltet weniger ProSieben, Sat.1 oder RTL ein. Weil dadurch die Werbeerlöse zu schmelzen drohen, geraten die TV-Riesen unter Druck. Was bei den Unternehmen los ist, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI RTL UND PROSIEBENSAT.1:

Erst haben Online-Medien mit ihren ständig aktualisierten Inhalten die Zeitungsverlage das Fürchten gelehrt. Jetzt muss sich das Fernsehen mit Online-Diensten auseinandersetzen. Dort müssen die Zuschauer nicht anschauen, was gerade läuft - sondern können Filme und Serien nach Lust und Laune abrufen, wenn ihnen gerade danach ist. Die Revolution ist voll im Gange. Auch in Deutschland kommt sie schneller voran als vor ein paar Jahren gedacht.

Zwar hat ProSiebenSat.1 Internet-Dienste zu seinem zweiten Standbein aufgebaut. Mit dem Vergleichsportal Verivox und der Single-Börse Parship mischt der Konzern online kräftig mit. Er hat die Bereiche unter dem Dach von NuCom gebündelt und mit dem Investmenthaus General Atlantic einen Partner hereingeholt. NuCom soll eine "führende europäische Plattform für Lifestyle-Angebote" werden. Zusammen mit dem US-Konzern Discovery will der Konzern das Mediathek-Angebot 7TV mit Maxdome und Eurosport in einer gemeinsamen Video-Plattform bündeln.

Der RTL-Konzern, zu dem wie die TV- und Radioprogramme mit diesem Kürzel insgesamt rund 60 Fernsehsender in mehreren europäischen Ländern gehören, hat sich im Online-Geschäft vergleichsweise zurückgehalten - aber in Netzwerke wie BroadbandTV und UnitedScreens investiert. Außerdem bieten seine Sender wie ProSiebenSat.1 den Nutzern den Zugriff auf ihre Sendungen per Internet und App an - auf Abruf nach Bedarf.

Der Trend zu Video-On-Demand (Video auf Nachfrage) scheint unaufhaltsam. Noch im Jahr 2014 hatte ProSiebenSat.1 vorausgesagt, dass VOD im Jahr 2018 etwa 10 Prozent der Deutschen erreichen dürfte. Tatsächlich waren es Ende 2017 schon 44 Prozent. Und der TV-Konsum der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen geht zurück. Damit wird das Fernsehen auch für Werbekunden weniger interessant.

DAS MACHEN DIE AKTIEN:

Für die Aktionäre der beiden Medienkonzerne gab es in jüngster Zeit wenig Grund zur Freude. Der Aktienkurs von ProSiebenSat.1 rutschte nach einer Abstufung durch Morgan Stanley am Freitag kräftig ab und fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Am Montag ging es noch etwas weiter abwärts. Seit Jahresbeginn hat das Papier ein Viertel an Wert verloren.

Nicht ganz so bitter sieht es für RTL aus. Seit Jahresbeginn ging es für die Aktien - die größtenteils dem Medienkonzern Bertelsmann gehören - um rund 13 Prozent nach unten. Am Freitag sackte sie auf den tiefsten Stand seit August 2017. Auf Sicht von fünf Jahren hat die RTL-Aktie fast 40 Prozent verloren. Damit erging es ihr kaum besser als den Titeln von Konkurrent ProSiebenSat.1. Zum Vergleich: Der Subindex der europäischen Medienunternehmen, der Stoxx Europe 600 Media, hat sein Niveau auf Fünf-Jahres-Sicht praktisch gehalten.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Besonders deutlich wird Analyst Omar Sheikh von der US-Investmentbank Morgan Stanley. Der Trend zu VOD und OTT greife auch in Europa um sich, und das gehe zulasten des herkömmlichen Fernsehens. Der Experte senkte daher am Freitag den Daumen für die Aktien aller europäischen Fernsehkonzerne - abgesehen von der britischen ITV und der schwedischen Modern Times Group.

Für die Aktien von RTL bedeutete das eine Abstufung von "Equal-weight" auf "Underweight" und eine Senkung des Kursziels von 75,60 auf 56 Euro. Die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 setzte der Analyst um gleich um zwei Stufen von "Overweight" auf "Underweight" ab und strich das Kursziel von 35 auf 21 Euro zusammen. Zuletzt lagen beide Aktien nur noch knapp über diesen Zielen.

Mit seiner Prognose für den Markt steht der Analyst nicht allein da. Seine Kollegin Lisa Yang von Goldman Sachs hatte schon Ende Mai bezweifelt, dass ProSiebenSat.1 die Bedrohung durch Netflix richtig einschätzt. So überlappten sich die Inhalte des Video-Diensts und des TV-Konzerns nicht zu 9 Prozent, sondern eher zu 19 Prozent, schätzt sie - wenn man nur Medieninhalte aus den USA betrachtet. Und die Zahl der 14- bis 49-jährigen Zuschauer nehme seit Jahren stärker ab als vom Management zuletzt prognostiziert. Es gibt allerdings auch andere Stimmen: Analyst Daniel Kerven von JPMorgan betrachtete die Sorgen um strukturelle Probleme von ProSiebenSat.1 zuletzt als übertrieben.

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