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Marktkommentar: David Brett (Schroders): Welche Länder wären bei einem Handelskrieg die Hauptleidtragenden?
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Marktkommentar David Brett (Schroders): Welche Länder wären bei einem Handelskrieg die Hauptleidtragenden?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
04.07.2018, 10:35  |  945   |   |   

Was würde ein Handelskrieg für die Aktienmärkte bedeuten, und wie könnte es die Verbraucherpreise beeinflussen?

Zunehmende Spannungen zwischen den USA und China könnten einen ausgewachsenen Handelskrieg entfachen. Der Ökonom Craig Botham von Schroders steht Rede und Antwort zu fünf zentralen Fragen zum Thema Handelskriege.

Zwischen den USA und China hat es in den vergangenen drei Monaten heftige Wortwechsel gegeben. Beide Seiten haben damit gedroht, Zölle in Milliardenhöhe auf die Waren und Dienstleistungen der Gegenseite zu erheben. Wenn aus diesen Auseinandersetzungen ein ausgewachsener Handelskrieg entsteht, würde dadurch der globale Konjunkturaufschwung gefährdet?

Auch wenn der gegenwärtige Streit der beiden Länder nicht offiziell als Handelskrieg betitelt wird, so ist die Bedrohung doch real.

Ein Handelskrieg herrscht, wenn Länder die Einfuhren anderen Nationen, d. h. Waren und Dienstleistungen, mit Zöllen belegen. Mit diesen Maßnahmen wollen die Länder ihre eigenen Exporte für ausländische Abnehmer attraktiver machen und ihre Handelsbilanz verbessern. Viele Länder, darunter auch die USA, leiden unter einem Handelsdefizit: Die im Ausland gekauften und ins Land eingeführten Güter (Importe) übersteigen die verkauften, aus dem Land ausgeführten Güter (Exporte).

Hintergrund

Im Falle der USA und Chinas haben sich die Wortgefechte seit Anfang März 2018 verschärft, als Präsident Donald Trump allgemeine Zölle in Höhe von 25 % auf Stahl- und 10 % auf Aluminiumimporte ankündigte. Sein erklärter Beweggrund war die Senkung des US-amerikanischen Handelsdefizits: Die USA importieren aus Ländern wie China und Mexiko mehr als sie exportieren.

Im April 2018 gingen die USA noch einen Schritt weiter und nahmen gezielt China ins Visier. Sie kündigten geplante Zölle in Höhe von 25 % auf chinesische Importe im Wert von 50 Mrd. US-Dollar an. Diese gelten unter anderem für die Bereiche Luft- und Raumfahrt, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Maschinen, wobei die endgültige Liste am 15. Juni 2018 vorgelegt wurde. China erklärte daraufhin, dass, sollten die Zölle verhängt werden, das Land seinerseits 25 % Zölle auf US-Exporte im Wert von 50 Mrd. US-Dollar erheben würde – angefangen bei Aluminiumschrott bis hin zu Äpfeln. Als Antwort darauf erkundigte sich Präsident Trump beim US-Handelsbeauftragten nach der Möglichkeit, weitere chinesische Produkte im Gesamtwert von 100 Mrd. US-Dollar mit Zöllen zu belegen.

Dies ist nicht das erste Mal, dass die USA sogenannte protektionistische Maßnahmen ergreifen. Am bekanntesten ist wohl der vom Kongress, dem gesetzgebenden Organ der US-Regierung, in den 1930er-Jahren verabschiedete Smoot-Hawley Tariff Act, mit dem die Zölle auf über 20.000 Güter erhöht wurden und der für die Verschärfung der Großen Depression verantwortlich gemacht wurde. Zehn Jahre zuvor wurden jedoch mit dem Fordney-McCumber Tariff von 1922 zum Schutz von Fabriken und Farmen US-Zölle auf viele importierte Güter angehoben. Dies verhinderte nicht den Boom der 20er-Jahre, der letztendlich in der schweren Wirtschaftskrise in den USA endete.

Die Produktlieferkette ist heute wesentlich komplexer als noch im frühen 20. Jahrhundert. Bei vielen Waren und Dienstleistungen ist man auf Outsourcing und ausländische Importe angewiesen, um einen Teil des Herstellungsprozesses zu realisieren. Die Gefahr ist, dass Zölle unbeabsichtigte Folgen nach sich ziehen könnten, indem sie die Preise nach oben treiben und so die Nachfrage nach allen – nicht nur nach importierten – Waren reduzieren.

Viele Länder und Unternehmen außerhalb der USA und Chinas könnten diesem Phänomen aufgrund ihrer untereinander vernetzten Liefer- und Ertragsketten ausgesetzt sein. Somit besteht eine potenzielle Gefahr für das Weltwirtschaftswachstum insgesamt. Nachfolgend steht der Ökonom Craig Botham von Schroders Rede und Antwort zu fünf zentralen Fragen zum Thema Handelskriege.

Handelskriege: Antworten auf fünf Fragen

1.) Welche Länder könnten sich bei einem Handelskrieg zwischen den USA und China als am stärksten gefährdet erweisen?

„Die Schlagzeilen konzentrieren sich für den Fall eines Handelskrieges hauptsächlich auf den Schaden für China, doch auch andere Schwellenländer könnten in fast gleichem Maße leiden. Die Regierungen dieser anderen Volkswirtschaften verfügen unter Umständen nicht über die in Peking vorhandenen Mittel, daher wird der nationale politische Handlungsdruck hier stärker sein.

Manche Volkswirtschaften könnten von den Effekten der ersten Zollrunde zunächst verschont bleiben; die unmittelbaren Auswirkungen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die asiatischen Schwellenländer, während sich relativ geschlossene Volkswirtschaften wie Brasilien und Indien als immuner gegen einen breiteren globalen Handelskrieg erweisen dürften.

Es zeigt sich außerdem, dass die Zölle auf chinesische Exporte wesentlich größere Folgen für die Schwellenländer nach sich ziehen werden als diejenigen, die auf Exporte aus den USA erhoben werden, und dass die asiatischen Schwellenländer diese voraussichtlich am stärksten zu spüren bekommen.“

Die von den chinesischen Zöllen auf US-Waren lieferkettenbedingt am stärksten betroffenen zehn Länder

Betroffener Anteil des BIP in Prozent


Quelle: OECD, The Economist Group, Schroders Economics Group, 9. März 2018.

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