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Egbert Prior Fielmann: Absturz der Brillendynastie

Gastautor: Egbert Prior
04.07.2018, 10:58  |  6582   |   |   

Nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen knickte der Kurs der Optikerkette ein. Die Aktie rutschte auf das tiefste Niveau seit Sommer 2015. Aktuell 56,45 Euro. Das ist ein dramatischer Ausverkauf. Analysten kürzten ihre Kursziele. Höhere Kosten fürs Personal schlagen ins Kontor. So gibt der Familienbetrieb jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge für Aus- und Weiterbildung aus. Bei den Gehältern sind die Hamburger ebenso großzügig. Sie stiegen in den ersten sechs Monaten hierzulande um 10 Millionen Euro. 430 neue Mitarbeiter kamen hinzu. Es gibt nun 18.300 Beschäftigte. 2 Millionen Euro flossen in die Digitalisierung. Die beschleunigte Expansion in Italien belastete das Ergebnis mit zusätzlichen 2 Millionen. 12 italienische Niederlassungen sind eröffnet, weitere sechs sollen bis Silvester folgen. Ebenfalls belastet haben die Wechselkurse. Der Schweizer Franken drückte das Ergebnis vor Steuern mit über 2 Millionen Euro. Insgesamt wird der Gewinn vor Steuern zum 30. Juni nach vorläufiger Hochrechnung auf 116 Millionen Euro sinken (nach vormals 123 Millionen Euro). So viel zu den schlechten Nachrichten. Kommen wir zu den guten: Für das Gesamtjahr hält die Führungsspitze an der Prognose fest. Das Ergebnis vor Steuern soll auf dem Vorjahresniveau liegen. Absatz und Umsatz sollen wie im Jahr 2017 zulegen. In den ersten sechs Monaten stieg der Absatz um 1% auf 4,05 Millionen Brillen. Der Umsatz stieg um etwa 2% auf 711 Millionen Euro. Damit baute das Imperium seine Marktanteile bei Brillen, Kontaktlinsen und Hörgeräten aus. Wir machen uns keine Sorgen. Gründer Günther Fielmann expandiert mit ruhiger Hand. Schweiz, Österreich, Italien, Schweden, Dänemark, Norwegen hat er im Visier: „Wir sind im Ausland so erfolgreich, weil wir die Grundsätze, die uns in Deutschland groß gemacht haben, auf die Nachbarländer übertragen.“ Mittelfristig wird der Gewinn in Fahrt kommen. Der 78-jährige Patriarch, dessen Vermögen das „Forbes“-Magazin mit 6,3 Milliarden Dollar beziffert, übertrug das Ruder teilweise an seinen Sohn. Der Konzern hat jetzt eine Doppelspitze. Aufsichtsratschef Professor Mark Binz begründete den Schritt so: „Die Doppelspitze ist für Fielmann ein zukunftsweisender Schritt. Günther und Marc Fielmann kennen die Bedürfnisse von Generationen, verbinden Erfahrung mit Innovation.“ Der Seniorchef bereitet seinen Nachfolger vor: „Als Familienunternehmen denken wir in Generationen. Ich freue mich, daß mein Sohn mehr Verantwortung übernimmt. Das Unternehmen ist am besten in Familienhand aufgehoben.“ Der Kursrutsch ist reizvoll. In wenigen Jahren halten wir ein Ergebnis je Aktie von 3,50 bis 4,00 Euro für möglich. KGV 14. Dividende über 3%. Fazit: Billig abstauben. 90% der Bundesbürger kennen Fielmann. 23 Millionen Menschen tragen eine Brille vom Marktführer.

Wertpapier
Fielmann


5 Kommentare

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Kommentare

Und um beim Thema zu bleiben...

Meines Erachtens völlig übertriebener Kursrückgang, gute Kaufgelegenheit.

Allerdings immer mit einem Auge auf den Gesamtmarkt gerichtet, was evtl. auch als Erklärung für den starken Kursabschlag herhalten kann.
Hierzu 2 Anmerkungen:

1) Wer bei 20% Buchverlust finanziell bereits am Ende ist, sollte sein Engagement an der Börse grundlegend überdenken.

2.) Der Bedarf an Store-Testern, die ihre Aufgabe nicht in Sinne ihres Auftraggebers erfüllen, tendiert stark gegen 0.

Und nein, daran haben weder die Mutti, die Grünen, die Flüchtlinge noch die Mainstream-Medien Schuld.

Verzeihen Sie meine Ehrlichkeit.
Ich hatte vor Jahren eine Nebentätigkeit als "Store Tester". Dazu mußte ich in Fielmann Filialen gehen und mit der Stopp-Uhr testen, wann ich begrüßt wurde und wann die erste Beratung geschah, wie sauber die Toiletten sind, etc. Am Ende mußte ich noch eine Kleinigkeit kaufen, damit es dem Personal nicht auffiel.
Ich wartete oft über eine halbe Stunde, ohne das ich bedient wurde. In meinem Fragebogen schrieb ich trotzdem, dass die Beratung zügig erfolgte, weil ich nicht wollte, dass wegen mir der Filialleiter entlassen wurde.
Als kürzlich die Geschäftsleitung Insiderkäufe bei etwa 66,- Euro je Aktie tätigte, habe ich auch zugegriffen. Finanziell bin ich jetzt am Boden, denn die Aktie ist keine 55,- Euro Wert. Braucht jemand hier vielleicht einen Store Tester ?

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