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Tesla & Co. Konzerne an der Electric Avenue treiben Bürger in die Verzweiflung?

04.07.2018, 14:33  |  3261   |   |   

Die Electric Avenue ist keine hippe Straße in New York oder Los Angeles, sondern eine geschwungene Route durch die Wüste Nevadas. Hier hat Tesla seine Gigafactory errichtet und Google, Switch, Panasonic und andere Großkonzerne sich im Tahoe Reno Industrial Center (TRI) niedergelassen. TRI soll der größte Industriepark der Welt sein, doch was bedeutet diese Entwicklung für die Menschen?

Das Tahoe Reno Industrial Center (TRI) liegt circa 32 Kilometer östlich von der Stadt Reno/Sparks entfernt. Es besitzt drei Autobahnkreuze und der Induistriepark ist vom Interstate 80 aus zu erreichen. Auf dem Areal befinden sich neben Fabriken von Großkonzernen auch Wohngebäude und Flächen für die Gewinnung erneuerbarer Energien.

Die Freude war anfänglich sehr groß, denn aus der staubigen Wüste sollte eine blühende Landschaft werden. Teslas Pläne beflügelten die Region, denn immerhin konnte Nevada 2014 die Konkurrenz, bestehend aus Kalifornien und New Mexico, besiegen, um die Gigafactory anzusiedeln. Im Gegenzug erhielt Tesla erhebliche Steuerbefreiungen für die nächsten 10 und teilweise 20 Jahre. In der Summe ging es um circa 1,4 Mrd. US-Dollar - damit wurde der Apple-Rekord von 88 Millionen US-Dollar für eine Serverfarm übertroffen. 

Gesamtes TRIC-Areal.

Der aktuelle Stand sieht so aus, dass Teslas Gigafabrik nicht fertig ist. Sie produziert aber bereits rund 3.000 Akkus pro Woche für Teslas Model 3 Limousine. Tausende von Arbeitern und Auftragnehmern sind nach Sparks und in die umliegenden Gemeinden gezogen.

Überflutet von neuen Jobs, frischem Geld und beruflichen Newcomern gibt es eine weitgehend verborgene Unterschicht, die den Preis für den Boom zahlt. Einige haben einen Begriff dafür: "Tesla'd.". Darüber hinaus sind die öffentlichen Dienstleistungen erschöpfen, was zu verstopften Straßen, überfüllten Schulen und zu wenigen noch bezahlbaren Wohnungen führt. Der Zustrom von hochqualifizierten Ingenieuren hat die Mieten in die Höhe getrieben und die Bewohner mit festem Einkommen, vor allem Senioren, in die Armut getrieben. Viele halten aber Wachstumsprobleme für besser, als Schrumpfungsprobleme.

Tesla wollte das größte Gebäude der Welt errichten und versprach Zehntausende von Arbeitsplätzen sowie Investitionen im Wert von 100 Mrd. US-Dollar. Heute träumen viele Bewohner von Sparks - einer 100.000-Einwohner-Stadt - von bescheideneren Dingen: Essen, Unterkunft, Gesundheitsfürsorge.

Bei Tesla sieht man das ganz anders. Ein Sprecher von Tesla sagte, dass das Unternehmen in die lokale Bildung investiere, einschließlich in die Planung zur Errichtung von High Schools und eines 37,5 Millionen Dollar umfassenden Plans zur Förderung von Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik. Tesla sagte, es habe Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen und diese zu 90 Prozent an die Einwohner von Nevada vergeben - Tesla erhält Gutschriften, die auf den geschaffenen Arbeitsplätzen basieren. Der Staat entschädigt die Kommunen für Steuerausfällen in Bezug auf die neuen Schwergewichte - im Fall von Tesla waren es im vergangenen Jahr 68,7 Millionen Dollar. 

In Sparks ist das Ergebnis eine starke Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern. Eine beunruhigende Frage schwebt nun über Sparks. Ist Tesla selbst ein Gewinner oder Verlierer? Das Schicksal der Stadt hängt auch von Teslas Gigafactory ab. Für Besorgnis sorgten in den vergangenen Wochen Nachrichten über Entlassungen, einen Wechsel von Führungskräften, Beschwerden zur Arbeitssicherheit, "Autopilot"-Unfälle und eine Klage gegen einen Whistleblower. "Es war riskant, Tesla so viel zu geben", sagte Eloy Jara, denn "wenn sie versagen, könnte es wirklich wehtun".

Quelle:

The Guardian

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