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Aktien Frankfurt: Streit zwischen USA und China lässt Dax weiter kalt
Foto: Boris Roessler - dpa

Aktien Frankfurt Streit zwischen USA und China lässt Dax weiter kalt

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
06.07.2018, 12:02  |  727   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat sich am Freitag von den nun geltenden US-Strafzöllen auf chinesische Importe und Pekings Vergeltungsmaßnahmen kaum beeindrucken lassen. Nach dem starken Vortag kam der deutsche Leitindex allerdings nur noch wenig voran: Gegen Mittag notierte er 0,15 Prozent im Plus bei 12 483,55 Punkten. Dank der deutlichen Gewinne der vergangenen Tage steuert der Dax auf ein Wochenplus von fast anderthalb Prozent zu.

Nachdem am Dienstag die Einigung zwischen CDU und CSU im Asylstreit für Freude gesorgt hatte, gab am Donnerstag die Hoffnung Auftrieb, dass die USA auf Importzölle für europäische Autos verzichten könnte. Zur gegenseitigen Abschaffung dieser Zölle seien die Vereinigten Staaten aber nur im Rahmen eines breiteren Zollabkommens mit der EU bereit, stellte ein Sprecher der US-Botschaft nach einem Treffen von Botschafter Richard Grenell mit Vorstandschefs großer deutscher Autohersteller klar.

Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets warnte vor zu viel Euphorie: "Die Rally in den vergangenen 24 Stunden hat nicht sehr viel mit fundamentalen Gründen zu tun, sondern wurde in erster Linie durch technische Faktoren im volumenarmen Sommerhandel ausgelöst." Der übergeordnete Trend für den Dax zeigt dem Experten zufolge weiter nach unten.

Von diesen Unsicherheiten ließen sich am Freitag aber auch die deutschen Nebenwerte-Indizes nicht bremsen: Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,49 Prozent auf 25 937,47 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,65 Prozent auf 2760,84 Zähler. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ein Plus von 0,16 Prozent auf 3446,30 Punkte zu Buche.

Auch an den Übersee-Börsen hielt sich sich der Schaden in Grenzen: In New York deuten sich nach dem freundlichen Handelsverlauf am Vortag nur minimale Verluste an, und an den asiatischen Handelsplätzen nutzten Anleger den jüngsten Kursrückgang für Schnäppchenkäufe.

Am Nachmittag steht dann der US-Arbeitsmarktbericht für den Juni im Fokus. Er dürfte laut den Devisenexperten der Commerzbank den Zwiespalt bestätigen, den bereits das am Donnerstagabend veröffentlichte Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung gezeigt habe: Die einen machten sich nach langer Niedriginflation Sorgen um den Preistrend und die anderen fürchteten eine Überhitzung der US-Wirtschaft. Die US-Handelspolitik könne die Waage demnächst zum Kippen bringen, zeige aber bislang noch keine Auswirkungen.

Am deutschen Aktienmarkt richteten sich die Blicke vor allem auf die Deutsche Bank und Thyssenkrupp . Beim größten heimischen Geldhaus sorgte ein Bericht der "Wirtschaftswoche" über "Gedankenspiele" für einen Einstieg bei der US-Investmentbank JPMorgan für Kursfantasie: Die zuletzt schon etwas von einem Rekordtief erholten Aktien gewannen weitere 5,19 Prozent. Auch die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) soll entsprechendes Interesse gezeigt haben.

Dahinter verteuerten sich die Papiere des Industrie- und Stahlkonzerns um 2,61 Prozent, nachdem Chef Heinrich Hiesinger überraschend vor dem Abgang steht. Er war auch nach der positiv aufgenommenen Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata zuletzt weiter unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie etwa Cevian Capital mehr Tempo beim seit langem angekündigten Konzernumbau gefordert hatten. Börsianer hoffen auf die Abspaltung von Geschäftsbereichen und eine Neubewertung des wegen seiner komplexen Struktur aus ihrer Sicht zu gering geschätzten Konzerns.

Dagegen drehten die anfangs freundlichen Vorzugsaktien von Volkswagen mit 1,21 Prozent ins Minus. Das Bundesverfassungsgericht wies mehrere Verfassungsbeschwerden des Autobauers gegen die Beschlagnahme von Unterlagen im Zuge des Diesel-Skandals ab. Die Ermittler dürfen die aus einer im Auftrag der Wolfsburger arbeitenden Kanzlei stammenden Papiere nun nach einjähriger Verzögerung auswerten. VW erklärte, dass man weiter mit den Behörden kooperiere.

Im MDax freuten sich die Anleger über die Trennung des Autozulieferers Hella von seinen Großhandelsgesellschaften in Dänemark und Polen: Die vortags mit der Branche starken Papiere gewannen weitere 1,03 Prozent. "Dieser Schritt macht strategisch viel Sinn und wirkt sich künftig positiv auf die operative Marge aus", schrieb Analyst Jose Asumendi von JPMorgan.

Für Carl Zeiss Meditech ging es im TecDax um 1,79 Prozent hoch, nachdem die Aktien anfangs sogar ein Rekordhoch markiert hatten. Hauck & Aufhäuser-Analyst Aliaksandr Halitsa zeigte sich in einer aktuellen Reaktion auf die jüngsten Eckdaten des vor allem auf Augenheilkunde spezialisierten Medizintechnikunternehmens überrascht von der Wachstumsbeschleunigung im dritten Quartal. Damit seien seine Jahresschätzungen und auch die Markterwartungen nun zu konservativ./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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