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Die traurige Wahrheit über Privatanleger im DAX

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.07.2018, 09:00  |  495   |   |   

Die Realität kann manchmal grausam sein. Vor allem für den durchschnittlicher Privatanleger, der mit Hebelprodukten auf Kursbewegungen beim DAX spekuliert. Die Binsenweisheit, dass die Herde gerne blind dem Trend hinterherläuft, lässt sich nirgendwo so deutlich verifizieren, wie beim EUWAX Sentiment Privatanleger-Index.

Dieser Index bildet die Positionierung von Privatanlegern ab, die mit Hebelprodukten auf die Entwicklung von DAX bzw. XDAX spekulieren. Ein Index-Wert größer Null bedeutet, dass die Mehrheit der Anleger auf steigende Kurse setzt. Ein Index-Wert kleiner Null bedeutet, dass die Mehrheit der Anleger auf sinkende Kurse setzt.

Auf Jahressicht ist das Drama leicht zu erkennen (Stand: 05.07.2018). Während der DAX zwischen Juli und September 2017 seitwärts lief, erhöhten die Privatanleger fleißig ihre Wetten gegen den DAX. Doch auf dem Höhepunkt der negativen Stimmung kam alles ganz anders. Der DAX kam wieder in Fahrt und legte zwischen September und November um etwa 14 % zu. Erst kurz vor dem Novemberhoch bei 13.535 Punkten war die Mehrheit der Anleger wieder neutral positioniert. Da war die Party leider schon vorbei.

Ein ähnliches Schauspiel ereignete sich im Frühjahr diesen Jahres. Kaum war die Stimmung der Privatanleger im Keller, holte der DAX tief Luft und sprang um beinahe 13 % in die Höhe. Erst Ende Mai, zum Höhepunkt der DAX-Zwischenrallye, drehte die Stimmung der Privatanleger. Wieder viel zu spät.

Wie man es dreht und wendet, der durchschnittliche Privatanleger scheint kein guter Hellseher zu sein. Ich denke, viele Privatanleger würden weitaus mehr Erfolg haben, wenn sie weniger spekulieren und mehr investieren würden.

Der beste Zeitpunkt ist immer Jetzt

Geht der Markt demnächst nach oben oder nach unten? Ich stelle mir die Frage gar nicht mehr. Da die Zukunft stets im Dunkeln liegt, würde ich ohnehin niemals eine Antwort finden. Ich könnte Karten legen oder das Horoskop befragen. Aber ist das die Lösung?

Wieso nicht stattdessen langfristig in fundamental starke Unternehmen investieren? Am besten zu einem fairen oder sogar günstigen Preis?

Wieso nicht mal die Achterbahn ignorieren und trotzdem regelmäßige Dividenden genießen? Auch wenn der Markt kurzfristig keine großen Sprünge macht oder sogar etwas nachgibt – ist es nicht trotzdem besser, produktives Kapital zu besitzen, das sogar Dividenden auszahlt, anstatt faules Kapital zu besitzen, das untätig auf dem Girokonto bei Zinsen nahe Null herumliegt?

Für Anleger, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und langfristig denken, ist meiner Erfahrung nach der richtige Zeitpunkt zum Investieren immer Jetzt.

Sei gierig und sei ängstlich

Anleger, die sich einen ironischen Spaß erlauben wollen, können den EUWAX Sentiment Index sogar als Kontraindikator benutzen – immer wenn sich die Mehrheit der Privatanleger auf den Crash vorbereitet, darf gekauft werden. Auf Jahressicht hätte man damit auf jeden Fall oft ins Schwarze getroffen.

Auch wenn ich dieses Handelssystem nicht empfehlen würde, ist die Lektion klar. Warren Buffett sagte einst: „Sei gierig, wenn die anderen ängstlich sind. Sei ängstlich, wenn die anderen gierig sind.“ Dieser Ratschlag fasst perfekt zusammen, wie sich Privatanleger am Markt verhalten sollten. Dass die Mehrheit offenbar lieber genau das Gegenteil macht, ist tragisch.

Der Preis ist nicht alles

„Der Preis ist, was du bezahlst; Wert ist, was du bekommst.“ Dieses Zitat von Benjamin Graham, dem Lehrmeister von Warren Buffett, geht mir oft durch den Kopf, wenn ich mir den Aktienmarkt anschaue.

Die wild zuckenden Linien, die Kerzendiagramme in Rot und Grün. Ich finde, der Aktienkurs beziehungsweise der Preis ist nur eine Komponente beim Aktienkauf. Genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als der Preis ist der Wert.

Nur auf den Preis zu schauen ist meiner Ansicht nach selbst im Alltag nicht intuitiv. Ich liebe Nudeln mit Tomatensauce. Aber Nudeln ohne Tomatensauce würde ich niemals als gleichwertig empfinden, selbst wenn das so günstiger ist. Das Beispiel wirkt trivial. Trotzdem finde ich, dass einer Kaufentscheidung am Aktienmarkt genau dieselben Mechanismen zu Grunde liegen wie dem Erwerb von Nudeln mit Tomatensauce.

„Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt.“ Über das Zusammenspiel von Preis und Wert hat sich offenbar auch Oscar Wilde seine Gedanken gemacht.

Ich bin lieber Investor als Spekulant

Der DAX ist dieses Jahr 30 Jahre alt geworden. Seit Beginn konnte der DAX um rund 867 % zulegen (Stand: 06.07.2018). Anleger, die 1988 den DAX gekauft und sich dann 30 Jahre schlafen gelegt hätten, würden sich heute über beachtliche Gewinne freuen können. Bei solchen Zahlen frage ich mich, ob es für Privatanleger überhaupt jemals Sinn macht, gegen den DAX zu wetten.

Zum Teil kann ich nachvollziehen, welche Magie der Spekulation auf Kursbewegungen zu Grunde liegt. Gewinne zu machen, auch wenn der Markt schwächelt, klingt sehr verlockend. Das ändert nichts daran, dass sich die Mehrheit der Privatanleger damit offenbar die Finger verbrennt.

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