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Facebook stellt 3 Apps ein – warum?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.07.2018, 09:00  |  290   |   |   

Die Übernahme von Instagram durch Facebook (WKN:A1JWVX) für 1 Milliarde Dollar im Jahr 2012 erwies sich als eine der klügsten Investitionen des Unternehmens. Damals fragten sich viele Kritiker, warum Facebook so viel für eine App zum Erstellen und Teilen von Fotos bezahlen sollte. Doch zwischen Januar 2013 und Juni dieses Jahres stiegen die monatlich aktiven Nutzer (MAUs) von 90 Millionen auf sage und schreibe 1 Milliarde.

Das Wachstum von Instagram vor allem bei Teenagern kompensierte die rückläufige Beliebtheit von Facebook bei jüngeren Nutzern und wurde zu einer wertvollen sekundären Werbeplattform. Bloomberg Intelligence schätzte kürzlich, dass die App jetzt 100 Milliarden Dollar wert ist, was eine hundertfache Rendite auf die ursprüngliche Investition von Facebook darstellt.

Facebook – in seinem Bestreben, das nächste Instagram zu finden – hat in den letzten Jahren viele Apps erworben und entwickelt. Der einzige wirkliche Erfolg davon war WhatsApp, das man für fast 22 Milliarden Dollar im Jahr 2014 erworben hat. Doch lange nicht alle Käufe stellten sich als klug heraus – darunter der Snapchat-Klon Lifestage, der Groupon-Rivale Deals und der virtuelle Assistent M.

Facebook hat vor kurzem drei weitere einst vielversprechende Apps in den digitalen Müllcontainer verschoben: den Android-Dialer Hello, die Fitness-App Moves und die anonymisierte Teenager-App Tbh. Schauen wir doch mal, was jeder dieser Fehler für die Zukunft von Facebook bedeutet.

Hello und good bye

Facebook führte Hello im Jahr 2015 ein. Die App ersetzte den Standard-Dialer auf Android-Telefonen durch eine neue Caller-ID-App, die unerwünschte Anrufe blockierte und Benutzern die Suche nach Personen und Unternehmen erleichterte, indem sie Daten aus dem sozialen Netzwerk von Facebook holte.

Hello zeigt zusätzliche Facebook-Daten über Anrufer an, selbst wenn ein Kontakt nicht auf dem Telefon eines Benutzers gespeichert wurde. Außerdem können Benutzer bestimmte Nummern blockieren, indem sie ihre Anrufe direkt an den Anrufbeantworter senden, außerdem konnte man über W-Lan umsonst anrufen.

Hello war eindeutig ein Versuch von Facebook, sich in das mobile Ökosystem von Alphabets (WKN:A14Y6F) Android reinzuhängen. Theoretisch könnte Hello die Geschäftssuche von Google Maps abziehen und die nahtlose Verbindung zwischen Maps und dem Android-Dialer unterbrechen. In Wirklichkeit hielten es die meisten Nutzer nicht für notwendig, eigens einen Facebook-basierten Dialer zu installieren.

Facebooks früherer Versuch, mit Facebook Home Android zu stören, scheiterte aus ähnlichen Gründen. Mit Home ersetzte Facebook den standardmäßigen Android-Launcher durch ein eigenes, mit Facebook-Funktionen integrierte Oberfläche, die jedoch als umständlich und vor allem unnötig galt. Facebook verstieß Home weniger als ein Jahr nach de, Start im Jahr 2013.

Schluss mit Moves

Facebook hat die Fitness-App Moves im Jahr 2014 erworben. Es schien damals ein kluger Kauf zu sein, da die steigende Nachfrage nach Fitbits (WKN:A14S7U) Geräten den Markt für Wearables beflügelt hatte. Moves trackte den Standort eines Benutzers, nahm verschiedenartige Bewegungen (wie Gehen, Laufen und Radfahren) zwischen den Standorten auf und protokollierte die Anzahl der durchgeführten Schritte. Die App hatte zum Zeitpunkt des Buyouts von Facebook rund 40 Millionen Downloads erzielt.

Aber zwei Monate nachdem Facebook Moves gekauft hatte, stellte Google dann Google Fit vor – eine umfassendere Fitness-App, die in Maps und Anwendungen von Drittanbietern integriert wurde. Fitbit hat in der Folge auch erweiterte Funktionen zu seiner Kernanwendung hinzugefügt, mit denen Benutzer verschiedene Arten von Trainingseinheiten verfolgen, ihre Nahrungsmittel- und Kalorienwerte protokollieren und an sozialen Herausforderungen teilnehmen können. Apple folgte kurz darauf mit seiner Health App.

Die Nachfrage nach Fitnesstrackern hat inzwischen ihren Höhepunkt überschritten. Der Umsatz von Fitbit stieg um 149 % im Jahr 2015, verlangsamte sich aber auf 17 % im Jahr 2016 und fiel dann um 26 % im Jahr 2017. Da selbst Marktführer wie Fitbit um ihr Wachstum kämpften, schien es für Facebook sinnlos, weiterhin eine Fitness-App für einen gesättigten und fragmentierten Markt zu unterstützen.

Tbh – Teenager sind ein schwieriger Markt

Facebook erwarb Tbh im vergangenen Oktober, knapp zwei Monate nach Gründung des Unternehmens. Tbh war eine anonymisierte Umfrage-App für Jugendliche. Benutzer können sich gegenseitig mit Multiple-Choice-Fragen wie „Welche Person hat die größte Integrität“ oder „Welche Person hat das beste Lächeln“ befragen. Tbh verlangte, dass die Fragen „positiv und aufbauend“ und „für niemanden beleidigend“ sind.

Wann immer ein Benutzer ausgewählt wird, verdient er oder sie anonyme Edelsteine (ein rosa Edelstein von einem Mädchen und ein blauer Edelstein von einem Jungen), die für zusätzliche Funktionen eingelöst werden können. Tbh wurde in den ersten neun Wochen fünf Millionen Mal heruntergeladen und hat täglich 2,5 Millionen aktive Nutzer. Facebook, das Tbh wahrscheinlich als eine weitere Möglichkeit sah, der Abwanderung von Teenagern zu trotzen, wollte die App unbedingt haben.

Leider hat Tbhs anfänglicher Wachstumsschub es nicht in das nächste Snapchat verwandelt. Facebook enthüllte keine weiteren Nutzerzahlen für Tbh, aber die Umfragen haben es wahrscheinlich nicht geschafft, Teenager ähnlich zu fesseln wie Snapchats verschwindende Nachrichten oder Instagrams Fotofilter und Videos.

Das Fazit

Die Misserfolge von Hello, Moves und Tbh werden die Finanzen von Facebook nicht groß beeinflussen. Sie stellen jedoch gescheiterte Bemühungen dar, die von Google, Fitbit und Snap (WKN:A2DLMS) dominierten Branchen zu stören – und es ist klar, dass Facebook sich alles andere als sicher ist, wie sich der mobile Markt entwickeln wird.

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The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Alphabet, Apple, Facebook und Fitbit.

Dieser Artikel von Leo Sun erschien am 5.7.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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