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Scalable; Vamoo; Liquid; Robin Robo-Advisor - Programmierte Gewinne ?

Gastautor: Jörg Wiechmann
10.07.2018, 09:12  |  889   |   |   

Investiere nur in Dinge, die du verstehst. Hochkomplexe Computer-Algorithmen gehören für die meisten Anleger sicher nicht dazu.

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden und haben klangvolle Namen wie Scalable, Vamoo, Liquid oder schlicht ROBIN. Die Rede ist von sogenannten Robo-Advisorn oder zu deutsch digitalen Vermögensverwaltern. Ihr Versprechen: Mit Hilfe von Computerprogrammen mehr aus dem Geld der Kunden zu machen. Wieso auch nicht? Schließlich sind Maschinen seit dem Sieg des IBM-Computers Deep-Blue im Jahr 1996 über den damaligen Schach-Weltmeister Garri Kasparow nicht nur die besseren Strategen. Sie berechnen heute auch hochkomplexe Systeme beispielsweise für die Wetter-Prognose. Und in nicht allzu ferner Zukunft werden sie uns zuverlässig durch den Straßenverkehr steuern. Warum also sollten Computer nicht auch die besseren Investoren sein, zuverlässige Börsen-Prognosen erstellen und ein Depot schwankungsarm an ein Rendite-Ziel steuern können? Theoretisch klingt das gut. Praktisch ist jedoch Skepsis angebracht. Schließlich ist der Einsatz von Computern in der Vermögensverwaltung nicht so neu, wie der aktuelle Hype um Robo-Advisor Glauben machen könnte. Institutionelle Anleger nutzen entsprechende Programme bereits seit Jahrzehnten. Dummerweise mit nur mäßigem Erfolg, wie das schlechte Abschneiden vieler Hedgefonds oder die Pleite der Investment-Bank Lehman Brothers belegen. Ohnehin hat der Versuch, die Börse mit Hilfe von Computern zu berechnen, einen wesentlichen Haken: Bei der Berechnung ihrer Zukunfts-Prognosen beziehen sich die Programme auf Vergangenheits-Daten. Dummerweise führt das an der Börse zu pro-zyklischem Verhalten. Nach einem langen Börsenaufschwung mit wenig Rückschlägen attestieren die Programme dem Aktienmarkt regelmäßig eine geringe Volatilität bzw. ein geringes Risiko – und erhöhen entsprechend die Aktienquoten. Kollektiv so geschehen um die Jahrtausendwende in den Portfolien der Versicherer. Nach einem Crash kommen die Programme auf Basis der dann vorliegenden neueren Daten hingegen zu dem Ergebnis, dass Aktien volatil und riskant sind – und senken entsprechend die Aktienquoten. So geschehen in der letzten größeren Korrektur Anfang dieses Jahres bei mehreren Robo-Advisorn. Mit anderen Worten: Computer verfallen wie Menschen auch regelmäßig dem Herdentrieb. Aufgrund des hohen Automatisierungsgrades und der Geschwindigkeit, mit der computergesteuerte Systeme dies tun, können Kursschwankungen an der Börse von ihnen sogar noch verstärkt werden und ganz neue Probleme verursachen. Beim weltweit größten Robo-Advisor, dem US-Unternehmen Betterment, führte die Börsenkorrektur gar zu einem zeitweisen Ausfall der Systeme. Kunden konnten mitten im Crash nicht mehr auf ihre Depots zugreifen. Letztlich braucht es zur Beurteilung des Hypes um die Robo-Advisor jedoch gar keiner Überlegungen zur Funktionsweise komplexer Algorithmen. Es reicht der logische Menschenverstand. Oder um es frei nach Warren Buffett zu sagen: „Die Börse lässt sich nicht berechnen. Ansonsten würde sich die Liste der reichsten Menschen der Welt aus Mathematik-Professoren zusammensetzen. Das tut sie aber nicht.“ Computergesteuerte Anlageprogramme - ob nun als Portfolio-Managment-Systeme in Finanzunternehmen oder als hippe Robo-Advisor für den Kleinanleger – können eine überzeugende Anlagestrategie nicht ersetzen. Wer, wie wir im IAC, global gestreut in 50 der größten Firmen der Welt investiert, kann damit so falsch nicht liegen. Vor allem aber ist an der Börse eine simple Strategie einer komplexen regelmäßig überlegen. Weil sie es einem als Anleger leichter macht, auch in turbulenten Zeiten seine Überzeugung zu behalten. Oder wie Buffet sagt: „Investiere nur in Dinge, die Du verstehst.“ Hochkomplexe Computer-Algorithmen gehören für die meisten Anleger sicher nicht dazu. Wer trotzdem beim Hype um die Robo-Advisor dabei sein will, für den könnten darum am Ende nicht die Gewinne, sondern vielmehr die zukünftige Enttäuschung vorprogrammiert sein.

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