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Warum die großen Ölkonzerne noch lange nicht am Ende sind

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
11.07.2018, 10:00  |  667   |   |   

Die ExxonMobil Corporation (WKN:852549) erhöht die Investitionen, wobei der Schwerpunkt auf der Suche nach neuem Erdöl und Erdgas liegt. Einige Konkurrenten haben inzwischen begonnen, nach Wegen zu suchen, um sich von diesen kohlenstoffbasierten Kraftstoffen zu trennen. Das scheint angesichts der negativen Auswirkungen dieser Energiequellen heute sinnvoll zu sein, warum also erhöht Exxon seine Investitionen in Öl und Gas? Hier erfährst du, was du wissen musst, um zu verstehen, warum der Plan des integrierten Ölriesen nicht annähernd so verrückt ist, wie es scheint.

Das Öl

Exxon plant, im Jahr 2018 rund 24 Mrd. US-Dollar für Investitionsprojekte auszugeben. Dieser Wert beinhaltet zwar Investitionen in die nachgelagerten Chemie- und Raffineriebereiche, ist aber weitgehend für Erdöl- und Erdgasbohrungen vorgesehen, überwiegend in Guyana, Brasilien, dem Onshore-Markt in den USA und in Mosambik.

Die derzeitigen 24 Mrd. US-Dollar sind jedoch nur der Ausgangspunkt für Exxon. Für 2019 wird eine Steigerung um rund 15 % erwartet. Bis 2023 wird die Investitionsquote von Exxon mit rund 30 Mrd. US-Dollar pro Jahr etwa 25 % über dem prognostizierten Niveau von 2018 liegen. Bis 2025 sollen alle diese neuen Projekte rund 50 % der Erdöl- und Erdgasproduktion von Exxon ausmachen, wenn alles nach Plan verläuft.

Einige Konkurrenten versuchen in der Zwischenzeit, sich abzusichern. Die französische Total SA (WKN:850727) beispielsweise wagt sich in die Stromerzeugung. Es begann mit dem Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an dem US-amerikanischen Stromerzeuger SunPower im Jahr 2011 und ergänzte dieses Vorhaben durch einen kürzlich abgeschlossenen Vertrag zur Übernahme des französischen und belgischen Stromerzeugers Direct Energie. Total ist damit aber nicht allein: Royal Dutch Shell (WKN:A0D94M) hat kürzlich Anteile an dem Solarunternehmen Silicon Ranch und NewMotion, einem der größten Elektroautoladeunternehmen Europas, erworben.

Exxon ist traditionell ein konservatives und sich langsam bewegendes Unternehmen, aber fällt man hier nicht unnötig hinter den Konkurrenten zurück? Vielleicht nicht…

Wichtig in der Vergangenheit, wichtig für die Zukunft

Es steht außer Frage, dass Erdöl und Erdgas für die wirtschaftliche Entwicklung der Welt von entscheidender Bedeutung waren und auch heute noch sind. Aber die Zukunft sieht ganz anders aus. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA), einer Handelsgruppe der Energiewirtschaft, ist die Zukunft elektrisch. Dabei spricht die IEA über die wachsende Bedeutung der Elektrizität auf der ganzen Welt.

Kein Wunder, dass sich Total und Shell in den Strombereich wagen. Aber an dieser Geschichte ist mehr dran, als man auf den ersten Blick sieht. Der Gesamtenergiebedarf wird bis 2040 voraussichtlich um rund 30 % steigen, was vor allem auf die Schwellenländer zurückzuführen ist. Das bedeutet jedoch, dass der gesamte Kuchen größer wird. Strom (aus erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind) wird eine Vorreiterrolle spielen, aber das bedeutet nicht, dass Erdöl und Erdgas ihre Rolle als dominante und wichtige Brennstoffquellen abgeben werden.

So geht die IEA beispielsweise davon aus, dass der Anteil von Erdöl am Gesamtenergiebedarf sehr langfristig abnehmen wird und dass „die Ölnachfrage bis 2040 weiter wächst, wenn auch mit stetig abnehmendem Tempo“. Diese Dynamik ist möglich, weil der Gesamtenergiebedarf steigt. Der Erdgasverbrauch wird voraussichtlich um 45 % steigen, da er den Anteil der relativ schmutzigen Kohle weiter verringert und zu einem potenziellen Brückenenergieträger in der weltweiten Umstellung auf erneuerbare Energien wird.

Die Entscheidung von Exxon, das zu machen, was es am besten kann (Erdöl und Erdgas fördern), ist also nicht annähernd so verrückt, wie es sich anhört. Es gibt kein Weltuntergangsszenario für Öl und Erdgas. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.

Kein Gas mehr da

Erdöl und Erdgas sind endliche Ressourcen. Denn sobald man diese Energiequellen aus dem Boden holt und nutzt, sind sie weg und man muss mehr Öl und Gas finden, um sie zu ersetzen. Man muss also immer weiter bohren, sonst gibt es irgendwann einfach kein Öl oder Gas mehr. Was für eine schockierende Zahl: Nach der IEA werden zwischen heute und 2040 rund 80 % der neu erschlossenen Ölvorräte benötigt, um die natürlichen Rückgänge, die in diesem Zeitraum stattfinden werden, auszugleichen.

Exxon legt also nahe, dass bis 2040 fast 400 Mrd. pro Jahr ausgegeben werden müssen, um die globale Nachfrage zu befriedigen. Das wirft ein ganz anderes Licht auf Exxons 30 Mrd. US-Dollar Investitionsausgaben, die nicht alle direkt in neue Ölförderungen investiert werden. Obwohl 2040 noch mehr als zwei Jahrzehnte entfernt ist, werden Erdöl und Erdgas genauso wichtig sein wie heute.

Zeit für Anpassungen

Obwohl Total und Shell sich frühzeitig auf eine Zukunft einstellen, in der regenerierbare Energiequellen das Mittel der Wahl ist, sind wir noch weit davon entfernt, uns von Öl und Erdgas zu trennen. Es ist nichts falsch an den strategischen Schritten, die sie machen, aber wenn man das Gesamtbild ansieht, ist die Entscheidung von Exxon, sich weiterhin auf Öl und Erdgas zu konzentrieren, auch nicht wirklich besorgniserregend. Exxon erhöht seine Investitionen bei den kohlenstoffbasierten Kraftstoffen, die es am besten kennt ‒ und das ist gut so.

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