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Tesla – die 60-Milliarden-Frage analysiert

Gastautor: Daniel Saurenz
12.07.2018, 07:00  |  1454   |   |   

Tesla_Ladestation_2Wie geht man mit Tesla um? Für Trader gibt es 3 Möglichkeiten: 1) Wetten auf fallende Kurse. Wie? Turbos MF2K5A mit kleinem Hebel von maximal 5, um zu vermeiden, ausgeknockt zu werden. 2) Puts CQ25RX (allerdings teuer wegen Vola) mit langer Laufzeit und Wette auf Kursverfall 3) Vola nutzen und Discounter (VA3XXN) oder Aktienanleihen mit Rendite von 10% p.a kaufen. Da kann die Aktie noch weit fallen, ehe der Puffer aufgebraucht wäre. Wie es sonst bei Tesla steht, das analysieren wir hier:

Zunehmender Verkaufsdruck

Fünf Gründe, warum Tesla völlig überbewertet ist

Der Lack bei Tesla blättert zusehends ab. Nachdem Vorstandschef Elon Musk bei einer Analystenkonferenz einem Finanzprofi das Wort abgeschnitten hatte, wachsen die Zweifel an Musks Fähigkeiten zusehends. Umso mehr bereitet die Bewertung Investoren Kopfzerbrechen.

Die Serie schlechter Nachrichten reißt für Tesla-Fans scheinbar nicht ab. Zuletzt gab es Berichte, demnach die Produktion des Model 3, mit dem Vorstandschef Elon Musk den Massenmarkt erobern möchte, vom 26. bis 31. Mai ruhen werde. Währenddessen sollen am Werk im kalifornischen Fremont Verbesserungen an den Anlagen vorgenommen werden. Die Nachrichten haben bei Investoren einmal mehr die Sorge geschürt, dass es dem Hersteller von Elektroautos sehr schwerfallen dürfte, die Produktion des Model 3 in den nächsten Monaten quasi exponentiell zu steigern, immerhin strebt Musk für Ende Juni eine wöchentliche Produktion von 6.000 Fahrzeugen an.

Mit der Meldung nehmen die Zweifel an Musk ambitionierten Plänen weiter zu. „Vielmehr befürchten Investoren, dass Tesla trotz gegenteiliger Beteuerungen von Musk auch in den nächsten Quartalen kräftig Cash verbrennen und schon bald eine neue Kapitalspritze brauchen dürfte“, sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst beim britischen Broker ActivTrades. Umso mehr schauen Anleger auf die Bewertung – sie passt zu Musks Raumfahrtambitionen, denn sie ist einfach astronomisch. Das machen die folgenden fünf Punkte deutlich:

Horrendes Kurs-Gewinn-Verhältnis

Als Erstes schauen viele Investoren üblicherweise auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). „Da Tesla laut den Schätzungen der Analysten in diesem Jahr allerdings einen Verlust von rund sieben Dollar je Aktie verbuchen soll und die Berechnung eines KGVs damit nicht möglich ist, werfen manche Anleger bereits einen Blick auf den 2019er-Wert“, so ActivTrades-Experte De Casa. Dann soll der Konzern einen Gewinn je Aktie von 1,85 Dollar erwirtschaften. Das entspricht einem KGV von horrenden 153,5. Ob Tesla im nächsten Jahr allerdings den Sprung in die schwarzen Zahlen schaffen wird, ist mehr als zweifelhaft, immerhin kennen die Schätzungen nur eine Richtung: nach unten. So haben Analysten vor 90 Tagen noch einen Gewinn je Aktie von 4,32 Dollar für 2019 vorhergesagt. Allmählich kehrt aber ein bisschen Realität bei den Finanzprofis ein.

Wie völlig überbewertet der Konzern ist, zeigt auch die zweite Kennzahl: das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Dabei wird der Börsenwert durch den Umsatz dividiert. Mit einer Marktkapitalisierung von 48,3 Milliarden Dollar ist Tesla mit dem 2,5fachen der von Analysten erwarteten 2018er-Erlöse bewertet. Zum Vergleich: der Wert für Daimler liegt bei lediglich 0,4 – dabei sagen Analysten für den weltgrößten Premiumhersteller eine operative Marge von 8,5 Prozent vorher, während sie bei Tesla bei minus 3,1 Prozent liegen soll.

Gigantische Bewertung pro verkauftem Fahrzeug

Ein kleines Zahlenspiel zum Absatz gefällig? Tesla hat für das laufende Jahr einen Absatz von insgesamt rund 100.000 Fahrzeugen des Sportwagens Model S und des SUVs Model X in Aussicht gestellt. Angenommen der Konzern würde es schaffen die Verkaufszahlen des Model 3 in den folgenden Monaten quasi exponentiell zu steigern, von 2.000 Stück pro Woche zum Ende des ersten Quartals, über knapp 5.000 zum Ende des zweiten, 7.000 zum Ende des dritten und 10.000 des vierten, dann würde der Absatz im Gesamtjahr auf rund 200.000 explodieren.

Diese Zahlen sind extrem ambitioniert, und nach der Produktionshistorie von Tesla reines Wunschdenken. Wahrscheinlich wird Tesla nur einen Bruchteil dessen schaffen. Aber angenommen der Wert könnte tatsächlich erreicht werden, dann läge der Gesamtabsatz des Konzerns im Gesamtjahr bei 300.000 Fahrzeugen. Würde man der Einfachheit halber das Speichergeschäft weglassen und den Börsenwert durch die Verkaufszahl der Autos dividieren, dann entfiele auf jedes Fahrzeug von Tesla ein Börsenwert von 161.000 Dollar. Zum Vergleich Daimler: Angenommen der Konzern könnte den Absatz seiner Pkws, Lkws, Vans und Busse im Gesamtjahr leicht erhöhen auf 3,4 Millionen Stück. Dann entspräche das einem Börsenwert von rund 21.050 Euro pro Fahrzeug. Zwischen Tesla und Daimler klafft damit eine gewaltige Lücke.

Damit zu Punkt vier: So schauen viele Investoren und Analysten nicht nur auf den Börsenwert, sondern auf den sogenannten Enterprise Value. Er wird errechnet, indem man zu dem Börsenwert die Nettoschulden hinzuaddiert. Der Enterprise Value (EV) zeigt damit quasi an, wie viel man bezahlen müsste, um das gesamte Unternehmen zu kaufen. So liegt der EV von Tesla bei 56,5 Milliarden Dollar. Der Konsens der Analysten geht davon aus, dass der Konzern 2018 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,3 Mrd. Dollar erwirtschaften wird. Damit ist der Elektroautobauer mit dem 43,5fachen des Ebitda bewertet – ein horrendes Multiple. Die Vergleichszahl für Daimler? 2,7.

Geht das Cash-Verbrennen weiter?

Schlussendlich noch zum Cashflow: im vergangenen Quartal hat der Konzern einen negativen Free Cashflow von 1,05 Mrd. Dollar verbucht – das zeigt wieviel Geld Tesla derzeit verbrennt. Er wird errechnet, indem man vom Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit die Investitionsausgaben abzieht. Musk hat zwar in Aussicht gestellt, dass die Investitionen im laufenden Jahr auf knapp unter 3,0 Milliarden Dollar sinken sollen, gegenüber 3,4 Milliarden für 2017. Wie Musk das schaffen will, wenn die Produktion des Model 3 exponentiell gesteigert werden soll, und gleichzeitig der neue Roadster, sowie ein Sattelschlepper und ein neuer SUV namens Model Y entwickelt werden sollen, bleibt allerdings Musks Geheimnis.

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