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Kupfer: Bergbaukonzerne suchen händeringend nach Übernahmezielen

Nachrichtenquelle: Rohstoffbrief.com
19.07.2018, 11:31  |  1309   |   |   

Der Kupferpreis befindet sich derzeit auf Talfahrt. Dennoch suchen die großen Bergbauproduzenten nach geeigneten Übernahmezielen, denn die Kassen sind gut gefüllt und das weltweite Kupferangebot droht auszudünnen.

Der Kupermarkt bewegt sich auf ein Millionendefizit zu

Wir hatten Sie schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass Kupferprojekte und -minen derzeit mehr als gefragt sind. Die Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das Angebot am Weltmarkt in den kommenden Jahren kontinuierlich sinkt. Bis 2035 werden rund 200 Minen schließen, schätzen Analysten (mehr hier). Der Grund: Sie haben nicht mehr genug abbaubares Metall im Boden. Der Effekt wird sich bereits in den nächsten Jahren niederschlagen. Zusätzlich steigt die Nachfrage durch das allgemeine Weltwirtschaftswachstum sowie dem Aufschwung der Elektroautoindustrie. Denn dort wird pro Fahrzeug etwa doppelt so viel Kupfer benötigt wie bei einem Wagen mit Verbrennungsmotor. Globale Champions wie Tesla oder die chinesische BYD treiben diesen Prozess massiv voran. Hinzu kommt, dass die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden muss. Manche meinen gar, dass dieser Effekt deutlich stärker ist als der durch die Fahrzeuge selbst. Wir hatten diesen Faktor an dieser Stelle thematisiert. Je nach Schätzung geht man davon aus, dass durch diese gleichlaufenden Faktoren das Defizit am Weltmarkt bis 2025 bei etwa 5 bis 6 Mio. Tonnen liegen könnte. Das wären etwa ein Fünftel des heutigen Marktvolumens.

Gut gefüllte Kassen bei den Bergbauriesen

Gleichzeitig sitzt das Geld bei den großen Bergbaukonzernen wieder locker. In den Krisenjahren 2015 bis 2017 haben sie ihre Hausaufgaben erledigt, die Kosten reduziert und nun wird wieder Geld verdient. Doch deren Aktionäre wollen Wachstum sehen. Da dies organisch aufgrund der fehlenden Investitionen in den vergangenen Jahren kaum möglich ist, befinden sich die milliardenschweren Konzerne auf Brautschau. Den Anfang machte im Frühjahr allerdings der wohl Kleinste unter den großen Kupferproduzenten: die schwedisch-kanadische Lundin Mining gab ein feindliches Übernahmeangebot für Nevsun Resources ab (hier). Vor wenigen Tagen hat das Nevsun-Management sogar eine leicht verbesserte Offerte abgelehnt. Solch feindliche Attacken sind nicht beliebt in der Branche und kommen äußerst selten vor. Dennoch könnten Sie in den nächsten Jahren zum Normalfall werden.

M&A-Aktivitäten auf Mehrjahrestief

Denn die M&A-Aktivitäten in der Branche sind auf einen Tiefstand gesunken (siehe Graphik oben). Der Grund ist, dass kaum einer seine Assets verkaufen will. Dazu sind die Bewertungen der Unternehmen derzeit zu niedrig. In einem normalen Aktienzyklus sind Übernahmen meist nahe der Hochpunkte eine gängige Wachstumsoption. Doch wer will schon nahe der Tiefstkurse sein Unternehmen oder auch nur wertvolle Assets verkaufen? Und jeder weiß, dass die großen Konzerne gut gefüllte Kassen haben und gerne zuschlagen würden. Analyst Richard Knights von Liberium Capital Markets fasste die Lage in einem Interview so zusammen: „Keine Firma mit einer vernünftigen Bilanz wird zu diesem Zeitpunkt Kupfer-Assets verkaufen!“ Auf der anderen Seite will niemand zu viel Geld auf den Tisch legen. Damit hatte man sich schließlich vor der letzten Baisse die Bilanzen kaputt gemacht und Investoren verschreckt.

Rio Tinto und BHP Billiton auf Brautschau

Als willigste Übernehmer in der Branche gelten Rio Tinto und BHP Billiton. Diese diversifizierten Konzerne haben in den vergangenen Jahren bereits Stimmung für Kupfer gemacht und sind äußerst bullish. Rio Tintos CEO Jean-Sebastien Jacques sagte vor wenigen Tagen bei Bloomberg TV, dass man sich den Markt hinsichtlich einer Übernahme „genau anschaue“. Sein Konzern ist in der finanziell stärksten Position. Man verdient ordentlich Geld, zudem hat man in der vergangenen Woche dem Verkauf des Anteils an der Grasberg-Mine für 3,5 Mrd. US-Dollar an den indonesischen Staat zugestimmt. Zudem stehen Verkäufe in den Sparten Kohle und Aluminium bevor. Man hat also mehr als genug Cash, um Übernahmen durchzuführen.

BHP will Kupfer-Business ausbauen

Auch bei BHP Billiton ist die Cashsituation mehr als gut. Und auch hier will das Management das Kupfer-Geschäft ausbauen. Allerdings drängt sich die Frage noch stärker als bei Rio auf, denn aktivistische Investoren üben Druck auf den Vorstand aus. Von den vier großen, diversifizierten Bergbaukonzernen ist Glencore in Sachen Übernahmen der aktivste und aggressivste Akteur. Derzeit aber hält man sich zurück, denn die Schweizer haben mal wieder Ärger mit der US-Justiz. Dementsprechend fließ das Geld in den Rückkauf eigener Aktien im Volumen von 1 Mrd. US-Dollar. Eine Aufstockung dieses Programms wäre keine Überraschung. Sollte man sich aber kurzfristig den Ärger mit der US-Justiz vom Hals schaffen können, ist Glencore wieder ein potenzieller Aufkäufer. Anglo American als Vierter im Bunde hat gerade ein 6 Mrd. Dollar schweres Investitionsprogramm in Peru angekündigt, dass man zusammen mit der japanischen Mitsubishi Corporation finanzieren will. Eine größere Übernahme scheint daher unwahrscheinlich.

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