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Plan B Steinhoff-Rettung: Heute fällt die Entscheidung

20.07.2018, 09:14  |  16443   |   |   

Am Donnerstag gewann der krisengeschüttelte Steinhoff International Konzern die Unterstützung der Mehrheit seiner Gläubiger für die "Restrukturierung" der 9,4 Mrd. Euro Schulden. Dies wäre einer der wichtigsten Schritte zur Überwindung des Bilanzskandals und zu einem nachhaltigen Rettungsplan.

Rund 89 Prozent der Gläubiger von 9,4 Mrd. Euro stimmten den Bedingungen eines drei jährigen Stillstands ihrer Forderungen zu (Steinhoff Europe AG (SEAG), Stripes U.S. Holding Incorporated, Steinhoff Finance Holding GmbH (SFH)). Als Gegenleistungen wurden Renditen von 10 bis 15 Prozent angeboten. Heute soll die sogenannte "Lock-up-Vereinbarung" (LUA) unterzeichnet werden. Für dieses Abkommen gab es bereits eine Frist bis zum 16. Juli 2018, die aber zweimal um 24 Stunden verlängert wurde. Heute muss die Entscheidung fallen, denn sollte die dreijährige LUA nicht stehen, dann können die Gläubiger die Rückzahlung fälliger Anleihen verlangen.

Der Handelsanalyst Syd Vianello sagte, es sei eine sehr schwierige Situation für den Vorstand, da es keine Gewissheit gebe, dass Steinhoffs Anleihegläubiger den Vertrag unterzeichnen werden. Die Anleihegläubiger stehen an der Spitze der Warteschlange für Zahlungen aus dem Verkauf von Vermögenswerten. Die Gesellschaft braucht mindestens 75 Prozent der Anleihegläubiger, um den LUA-Vertrag zu unterzeichnen.

Es ist kein Plan für schwache Nerven, denn das LUA-Dokument umfasst 177 Seiten. War es bereits im Dezember für Analysten eine Mammutaufgabe Steinhoffs schwerfällige Struktur zu verstehen, so ist der Versuch die Umstrukturierung zu verstehen, fast genauso herausfordernd, was für Prognosen äußerst ungünstig ist. Generell befindet sich die gesamte Steinhoff-Gruppe in einer unglaublich prekären Lage und Louis du Preez leitet die Restrukturierungsshow. Die LUA, die am 20. Juli in Kraft treten soll, gibt Steinhoff drei Jahre Atempause, wobei sich die Gläubiger bereit erklären, Forderungen bis Dezember 2021 zurückzuhalten.

Devin Shutte, Head of Investments bei der Robert Group, sagt, es sei wahrscheinlich, dass Steinhoff bei der Erstellung der LUA viele der Anleihegläubiger konsultiert habe und so einen Hinweis bekam, was sie akzeptieren würden. "Die Situation ist für niemanden ideal, aber wenn die LUA nicht erfolgreich ist, dann verliert jeder", sagt Shutte.

Die wesentlichen Aspekte der LUA sind, dass sie sich nur auf die von der Steinhoff Finance Holding, der Steinhoff Europe AG (SEAG), der Stripes US Holding Incorporated (SUSHI) und der Steinhoff International Holdings aufgenommenen Schulden bezieht. Die SA-Aktivitäten, vor allem Steinhoff Africa Retail und KAP, sind nicht involviert.

Gestern stieg die Aktie um 17 Prozent auf 0,23 Euro - womit eine Monatsperfomance von +140,77 Prozent im Raum steht. Seit Ende letzten Jahres hatte die Aktie 93 Prozent ihres Wertes verloren. Einige Investoren sind optimistisch, dass die LUA das Steinhoff-Team in die Lage versetzen wird, einen gewissen Wert zu retten.

Quellen:

Bloomberg

FinancialMail

BusinessDay

Reuters



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