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Bitcoin-Rally: Erholungsphasen und Zeitlupencrash sehen währenddessen genau gleich aus

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
21.07.2018, 09:18  |  2384   |   |   

Seitdem Bitcoin Ende Juni zu den tiefsten Kursen des Jahres gehandelt wurde, konnte sich die Kryptowährung zuletzt wieder erholen. Von einem Stück über 5.800 ging es auf circa 7.500 US-Dollar je Bitcoin. Das ist durchaus eine kleine Rally, ein Anstieg um mehr als ein Viertel.

Bitcoin-Fans nehmen solche Entwicklungen zum Anlass, um wieder einmal die große Zukunft der Kryptowährung heraufzubeschwören, und viele Skeptiker werden sich wundern, dass immer noch Luft im Hype ist. Dabei hat diese Mini-Rally eigentlich weder der einen noch der anderen Gruppe recht gegeben.

Da ich mich zu den Skeptikern zähle, halte ich die aktuelle Entwicklung für nichts anderes als einen Zeitlupencrash. Ein wenig Wissen über Börsengeschichte zeigt, dass Bitcoin wie viele andere Blasen platzt. Die Gründe dafür sind in meinen Augen auch schnell gefunden.

Bei Zeitlupencrashs gibt es auf dem Weg nach unten immer viele Mini-Rallys

Der japanische Leitindex Nikkei 225 konnte sich in den letzten Jahren nach langer Zeit mal wieder oberhalb der 20.000er-Marke behaupten. Damit ist er aber immer noch sehr weit von seinem Höchststand aus dem Jahre 1989 entfernt, als er fast bei 39.000 Punkten notierte. Wer zum damaligen Höchstkurs eingestiegen ist, hat fast drei Jahrzehnte später immer noch massive Kursverluste zu verkraften.

Viele wissen, dass der japanische Aktienmarkt seit dem Platzen der Blase ein absolutes Desaster für Anleger war, was viele allerdings nicht wissen, ist, dass der Crash eine sehr lange Zeit gar nicht mal ganz so schlimm aussah. Bis 1992 hielt die 20.000er-Marke, und während der restlichen 1990er-Jahre schwankte der Nikkei die meiste Zeit zwischen 15.000 und 20.000 Punkten. Es gab immer wieder kleine Mini-Rallys, die sicherlich auch von einigen mit Euphorie begrüßt wurden. Einen wirklichen Tiefpunkt hat der Nikkei erst 2003 erreicht, als er unter 8.000 Zählern notierte. Übrigens platzte auch die amerikanische Technologieblase an der NASDAQ mit vielen Erholungsrallys auf dem Weg nach unten.

Das zeigt, dass es nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist, wenn ein Kurssturz immer wieder von kleinen Erholungsrallys geprägt ist oder wenn es nach dem Kurssturz eine lange Seitwärtsphase gibt. Die Parallelen zum Nikkei könnten außerdem System haben.

Viele Akteure versuchen, den Bitcoin-Kurs zu stützen

Der Bitcoin-Preis bildet sich auf dem freien Markt durch Angebot und Nachfrage. Das Problem dabei ist, dass aktuell wahrscheinlich sehr viele Bitcoin-Besitzer eigentlich gerne verkaufen würden, aber zu höheren Kursen eingekauft haben und keine Verluste realisieren wollen. Diese Verlustaversion dürfte dazu führen, dass der Sturz nach unten noch immer begrenzt ist, solange die Hoffnung auf eine erneute Rally bleibt. Auf der anderen Seite dürfte das bedeuten, dass jeder Rally schnell die Puste ausgeht, denn sie kann genutzt werden, um endlich die Bitcoins zu besseren Preisen loszubekommen.

So haben sich wahrscheinlich auch Anleger am japanischen Aktienmarkt während der 1990er Jahre verhalten. Die meisten hatten die Hoffnung auf einen erneuten Boom zwar schon verloren, aber die Aktien im Depot wollte man trotzdem noch mit einem möglichst geringen Verlust, vielleicht sogar einem kleinen Gewinn loswerden. Das würde erklären, wieso sich der Nikkei die ganzen 1990er über weder erholte noch wirklich massiv einbrach.

Viele der Bitcoin-Promoter machen aktuell, oft mit Hinweisen auf die Erholungsrally, weiter Werbung für die Kryptowährung und nennen dabei nicht selten ziemlich abenteuerliche Kursziele, aber es würde mich nicht wundern, wenn sie gleichzeitig heimlich den Notausstieg planen. Hinzu kommt, dass der Bitcoin-Markt nicht komplett effizient funktioniert, und mächtige Akteure durchaus Werkzeuge haben könnten, um den Preis zu beeinflussen, wenn auch nur indirekt.

Die euphorischen Schlagzeilen, welche die Bitcoin-Rally der letzten Tage begleitet haben, sind mehr Reflex als Reflexion. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Bitcoin gerade einen Zeitlupencrash erlebt.

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