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Freenet - was steckt hinter dem Ceconomy-Deal?

Gastautor: Güner Soysal
22.07.2018, 07:20  |  1457   |   |   

1. Wie hat sich der Telekom-Sektor in den letzten 12 Monaten entwickelt?

Bevor ich zur Überraschung komme, möchte ich gerne kurz auf den Freenet-Chart im Vergleich zur Konkurrenz eingehen. Die Freenet-Aktionäre hatten in den letzten Monaten, was die Kursentwicklung angeht, keinen Grund zur Freude.

Wie am nachfolgenden Chart zu erkennen ist, hat der Telekom-Sektor im Allgemeinen auf 12-Monatssicht eine Underperformance gegenüber dem Dax hingelegt. Es ist also kein rein Freenet-spezifisches Phänomen.

Telekom-Unternehmen vs. Dax, Zeitraum 19.07.2017-19.07.2018, Quelle: Onvista

 

In meiner Freenet-Analyse vom 25.11.2017hatte ich im Zusammenhang mit den Bewertungen im deutschen Telekom-Sektor folgendes geschrieben: "Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass obwohl der Zusammenschluss von United Internet und Drillisch auf einen Marktanteil von 6,5% kommt, der Börsenwert mit EUR 12 Mrd. dreimal so hoch wie der Börsenwert von Freenet ist. Scheinbar traut die Börse dieser Fusion mittel- bis langfristig einiges zu. Bleibt zu hoffen, dass diese Erwartungen nicht enttäuscht werden."

Es kam, wie es kamen musste: nach einem negativen Analystenkommentar am 27.06.2018 fielen die Aktienkurse von United Internet und 1&1 Drillisch um mehr als 20%, sodass die Marktkapitalisierung von Drillisch nun knapp EUR 9 Mrd. beträgt.

Der Freenet-Kurs hat meines Erachtens insbesondere durch die Abstufung von Goldman Sachs (als das Geschäftsmodell und die Existenz in Frage gestellt wurde) und den Positionsaufbau von Short Sellern gelitten. Hinzu kommt, dass es keine überaus positiven Ergebnisse bei den letzten Quartalszahlen gab, um dem Kurs einen Schub zu verpassen.

2. Was war die eigentliche Überraschung?

Kommen wir nun zur eigentlichen Überraschung. Am 29.06.2018 kam die Pressemitteilung, dass sich Freenet zu 9,1% und für rund EUR 277 Millionen an Ceconomy beteiligt hat. Ceconomy wurde in 2017 von der ehemaligen Metro AG abgespalten und ist für seine Media Markt und Saturn-Filialen bekannt. Auffällig war in diesem Zusammenhang, dass Freenet einen Aufschlag von rund 20% auf Aktienkurs von Ceconomy zahlte.

Auf der Freenet-Hauptversammlung hatte ich während meiner Rede erwähnt, dass mir im Zuge meiner Marktanalyse aufgefallen ist, dass die Produkte von Freenet nicht an Supermarktkassen vertreten sind. Wohingegen die Konkurrenz mit ihren Haupt- und Discountmarken in der Regel doppelt vertreten ist.

In diesem Zusammenhang erzählte ich auch eine Story von einem Strumpfhosenhersteller aus den USA, der seine Absatzzahlen erhöhen wollte und dabei angefangen hat, seine Strumpfhosen in Supermärkten zu vertreiben. Denn das Unternehmen hatte herausgefunden, dass die Damen häufiger in den Supermarkt gehen als in Kaufhäuser oder in den Fachhandel. Diese Strategie führte dazu, dass der Strumpfhosenabsatz um ein Vielfaches erhöht wurde und die Strumpfhosen zum Verkaufsschlager wurden.

Was ist Freenets Supermarkt als Telekommunikations- und Digital-Lifestyle-Provider? Richtig, die Elektronikmärkte von Media Markt und Saturn. Aber macht es wirklich Sinn, sich mit rund 10% bzw. EUR 300 Millionen an Ceconomy zu beteiligen, was gleichzeitig auch rund 10% der Marktkapitalisierung von Freenet entspricht, obwohl der Vertrag mit Media-Saturn im Oktober 2017 bis zum Jahr 2022 verlängert wurde?

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