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Baumot verhandelt in den USA: Neue Partnerschaften in Aussicht

23.07.2018, 10:34  |  4334   |   |   

Enttäuschende Zahlen, Kritik an Aktienverkäufen – bei der Baumot Group ging es zuletzt hoch her. Doch welche Perspektiven hat das Unternehmen nun? Im Interview mit unserer Redaktion stellen sich Marcus Hausser, CEO der Baumot Group AG, und Roger Kavena, ehemaliger COO und Hauptaktionär der Gesellschaft, einer Reihe von drängenden politischen, finanziellen und operativen Fragen.

Redaktion: Herr Kavena, in der vergangenen Woche wurde Ihr Vorstandsvertrag einvernehmlich aufgelöst. Weshalb dieser Schritt gerade jetzt?

Kavena: Um wieder nachhaltig profitabel zu sein, muss die Kostenbasis gesenkt werden. Mit der vorzeitigen Auflösung meines Vorstandsvertrags, der noch bis Ende 2019 laufen würde, verzichte ich auf alle weiteren Gehaltszahlungen. Eine Abfindung ist damit übrigens auch nicht verbunden. Dieser Schritt ist ein Teil des Kostensenkungsprogramms, innerhalb dessen die Gesellschaft vor allem auch die internationale Konzernstruktur der Baumot Group straffen wird. So wird das Unternehmen insgesamt Einsparungen zwischen 0,5 Millionen Euro und 1,0 Millionen Euro pro Jahr erzielen können.

Hausser: Sehr wichtig ist dem Aufsichtsrat und mir dabei, dass Herr Kavena uns auch zukünftig als Hauptaktionär und Kapitalgeber unterstützt. Daher hat die RMK Beteiligungen GmbH der Baumot Group eine weitere Finanzierungszusage im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich gegeben. Das ist aus meiner Sicht ein starkes Commitment und für dieses Engagement sind wir ihm sehr dankbar.

Redaktion: Herr Hausser, Sie haben vor einigen Wochen 100.000 Aktien von Baumot zum Preis von je 3,30 Euro verkauft. Das hat in der Folge für einige Kritik gesorgt. Sie haben den Verkauf mit privaten Immobiliengeschäften begründet. Wollen sie dazu noch etwas hinzufügen? Und würden sie dies mit dem heutigen Wissen noch einmal so machen?

Hausser: Schauen Sie, manchmal ergeben sich Lebenssituationen, die gewisse Entscheidungen erfordern. In meinem Fall ist der Beweggrund für den Verkauf eines Teils meiner Baumot-Aktien rein privater Natur gewesen. Meine Frau und ich haben vor wenigen Wochen den ersten Nachwuchs bekommen und wir brauchen eine für eine Familie passende Immobilie. Der Aktienverkauf ändert aber natürlich nichts daran, dass ich als Vorstand der Gesellschaft vom Zukunftspotenzial der Baumot unverändert überzeugt bin. Ich glaube, das zeigt auch, dass ich weiterhin an Baumot beteiligt bin und auch nicht plane, das zu ändern – ganz besonders im Hinblick auf die immer konkreter werdende Diskussion um die Hardware-Nachrüstung, von deren Einführung die Baumot und damit natürlich auch die Baumot-Aktie, stark profitieren kann.

Redaktion: 2017 sinkt der Umsatz von 38,3 Millionen Euro auf 9,8 Millionen Euro. Sie hatten mit 10 Millionen Euro bis 13 Millionen Euro geplant. Wie kommt es zur Verfehlung der eigenen Ziele?

Hausser: Der Umsatzrückgang 2017 gegenüber dem Vorjahr ist im Wesentlichen nicht operativ, sondern durch die Entkonsolidierung zweier Gesellschaften bedingt, die 2016 gemeinsam für rund 24 Millionen Euro Umsatz verantwortlich zeichneten. Dass wir unseren Prognosekorridor 2017 verfehlt haben, lässt sich auf mehrere unvorhersehbare Faktoren zurückführen. Durch den sehr langwierigen Regierungsbildungsprozess lief die Nachrüstung von Stadtbussen in deutschen Städten deutlich verspätet an. In Iran, einem aussichtsreichen Zielmarkt für die Nachrüstung von Nutzfahrzeugen, traten zwar die neuen Emissionsnormen erwartungsgemäß in Kraft. Durch den Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen konnten unsere Kunden allerdings nur noch sporadisch Motoren kaufen. Und weniger Motoren bei unseren Kunden bedeuten leider auch weniger DPF-Systeme bei uns. In Großbritannien dauerten zudem die Prüfungsprozesse unserer Auftraggeber für die Nachrüstung von Stadtbussen länger als ursprünglich erwartet. Diese Faktoren haben zu der wirtschaftlich enttäuschenden Performance 2017 geführt und werden auch das Geschäftsjahr 2018 belasten.

Redaktion: Sie sprachen es an: Belastend haben sich Auftragsverschiebungen in der Türkei und im Mittleren Osten ausgewirkt. Kommen diese Aufträge zeitnah herein?

Hausser: Die politische Situation in der Türkei hat sich zuletzt leider so verändert, dass wir für 2018 nicht mehr mit Umsätzen rechnen. Doch das könnte sich 2019 auch schon wieder ändern. Unsere Kunden im Mittleren Osten sind aktuell Spielball der Politik. Hier müssen wir gemeinsam mit den Fahrzeugherstellern vorerst auf Sicht fliegen. Mehr Klarheit in der internationalen Politik ist Voraussetzung dafür, dass wieder belastbare Planungsannahmen in diesen Märkten getroffen werden können.

Redaktion: Wie sieht es mit den US-Drohungen gegen den Iran aus? Sie wollen in beiden Ländern Geschäfte machen. Welche Konsequenzen ziehen sie daraus?

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