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Wachstumsprognosen Lateinamerika-Ausreißer: Venezuela mit Hyperinflation wie in Deutschland 1923

24.07.2018, 15:51  |  2941   |   |   

Von einer "tiefen wirtschaftlichen und sozialen Krise" spricht der Internationale Währungsfonds im Fall Venezuelas. Dabei senden einige Länder der Region erfreuliche Wachstumssignale.

In Venezuela drohen die Lichter auszugehen. "Wir rechnen bis Ende 2018 mit einem Anstieg der Inflation auf 1.000.000 Prozent. Das ist eine Situation wie in Deutschland 1923 oder in Simbabwe Ende 2000", schreibt Alejandro Werner, Lateinamerika-Analyst des Internationalen Währungsfonds (IWF). Anleihen-Investoren haben schon längst die Flucht ergriffen. Venezuela-Staatsanleihen notieren kursseitig unter 30 Prozent.

Werner fasst in seinem Beitrag für den IMFBlog die Gründe für die düsteren Aussichten des sozialistisch ausgerichteten Landes zusammen: Das BIP fällt in diesem Jahr voraussichtlich um etwa 18 Prozent. Das wäre das dritte Jahr in Folge mit zweistelligen Rückgängen beim BIP. Ursache dafür ist der starke Rückgang der Ölproduktion. Die venezolanische Wirtschaft ist nahezu vollständig vom Erdölexport abhängig.

Der Regierung unter Präsident Nicolás Maduro fällt dazu nichts anderes ein, als die Geldmenge durch das Drucken von Banknoten zu erhöhen, was die Inflation in Regionen jenseits von Gut und Böse anwachsen lässt. Derweil leidet die Bevölkerung unter Versorgungsengpässen und Hungersnöten. Viele Venezolaner suchen ihr Glück in der Fremde, was zu großen Migrationsströmen führt. Laut dem IWF besteht die Gefahr, dass sich die Krise auf die Nachbarländer Brasilien und Kolumbien übertragen könnte.

Im übrigen Lateinamerika entdeckt IWF-Analyst Werner zarte Pflänzchen des wirtschaftlichen Wachstums: "Die Konjunktur in Lateinamerika erholt sich weiter. Nach der vom Konsum getriebenen Belebung der Binnennachfrage im Jahr 2017 nehmen die Investitionen endlich Fahrt auf. Insgesamt soll die Region 2018 um 1,6 Prozent und 2019 um 2,6 Prozent wachsen (nach 1,3 Prozent im Jahr 2017). Gründe für die besseren Aussichten lateinamerikanischer Staaten sind einerseits das Wachstum der USA, an dessen Tropf viele lateinamerikanische Volkswirtschaften hängen, sowie andererseits die höheren Rohstoffpreise".

In Argentinien geht der IWF von einem Wachstum für 2018 von 0,4 Prozent aus. Ähnlich sollen auch die Folgejahre 2019 und 2020 im Land der Gauchos aussehen. Brasilien kommt im laufenden Jahr auf ein Wachstum von 1,8 Prozent, ein Jahr später soll die Wachstumsrate schon bei 2,5 Prozent liegen. Für Chile hob der IWF seine Wachstumsschätzung für 2018 von 3,4 auf 3,8 Prozent an. Auch in Kolumbien sieht der IWF "günstige Wachstumsaussichten", genauso wie in Peru, dessen Wachstum in diesem Jahr auf voraussichtlich 3,7 Prozent klettern wird. Im Zeitraum 2019 bis 2020 könne die Rate in Peru auf "über 4 Prozent steigen", meint der IWF.

Quelle:

IWF

Wertpapier
EUR/VEF


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Kommentare

Und was ist mit der Sanktioniererei, insbesondere seitens der USA?
Ist der Maduro wirklich so schlimm? Oder hindert der die USA nur daran, dass sich die Amis das Öl Venezuelas unter den Nagel reißen?

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