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*Kehrt die handelspolitische Vernunft nach dem 6. November 2018 zurück?

Gastautor: Robert Halver
25.07.2018, 10:35  |  1193   |   |   

Kehrt die handelspolitische Vernunft nach dem 6. November 2018 zurück?

Donald Trump spielt den Rächer der handelspolitisch Enterbten besser als jeder Hollywood-Schauspieler. Eine große Rolle spielt dabei die am 6. November 2018 anstehende US-Kongresswahl. Mit übelster Handelspolemik will sich Trump die Stimmen der angeblich von China und Deutschland ausgebeuteten Amerikaner sichern. Für ihn als selbsternannte Lichtgestalt wäre es unerträglich, wenn seine Partei die Kongressmehrheit verlöre und er bei vielen Gesetzesvorhaben auf die Demokraten angewiesen wäre. Tatsächlich haben sie den erbitterten Widerstand der Republikaner im Kongress gegen ihren Präsidenten Barack Obama noch in bester Erinnerung. Viele Rechnungen sind offen.

Gott gibt nach, Donald Trump nie

Seine wahlpopulistische Einbahnstraße macht es Trump unmöglich, vor November handelspolitische Kompromissfähigkeit ohne Gesichtsverlust zu zeigen. Dabei wissen Trumps Wirtschaftsberater - sicher keine dummen Jungs - dass bei einem ausgewachsenen Handelskrieg auch Amerika blutet.

Gerade der Freihandel hat Amerikas Konsumgüter weltweit verkaufbar gemacht. Gleichzeitig blieb die Inflation zahm, weil Amerikas Unternehmen auf globale Produktionsstandorte mit (Lohn-)Kostenvorteilen zurückgreifen konnten. Und so konnte die Fed statt einer restriktiven Geldpolitik sogar noch Konjunkturförderung betreiben. So kamen amerikanische Aktienmärkte in den Genuss einer dreifaltigen Happy Hour: Über die fundamentale Umsatz- und Gewinnverbesserung der US-Konzerne, die mangelnde Alternativrendite von Zinspapieren - Liquiditätshausse genannt - und eine geringe Aktienschwankungsbreite.

Protektionismus kommt als Bumerang nach Amerika zurück

Das stellt Trump dennoch alles in Frage. Er vertraut darauf, dass Länder mit Handelsbilanzüberschüssen gegenüber Amerika wie Deutschland und China noch mehr zu verlieren haben als das defizitäre Amerika. Ihr wirtschaftlicher Schmerz werde sie bald einknicken und in Washington zu Kreuze kriechen lassen.

Leider vergisst der gute Donald, dass Exportländer nicht mit willfährigen Handwerkern oder Banken aus seiner Zeit als Immobilienmogul zu vergleichen sind. Schon aus Gründen der politischen Hygiene müssen sie auf Zölle mit Gegenzöllen reagieren. Denn wer einmal nachgibt, gibt immer nach.  Bei einem munteren Zoll-Wettrüsten erlebt die Weltkonjunktur den Aschermittwoch und der globale Wohlstand den Karfreitag ohne Hoffnung auf Wiederauferstehung. In der Eurozone und insbesondere in Deutschland würde die Schleifung des Außenhandels zu dramatischen Überkapazitäten führen. Die Gefahr einer Deflation, dem Grundübel der Volkswirtschaft, wäre real. Die Kurse deutscher Exportaktien würden schmelzen wie Eis in der Sommerhitze.

Doch auch in Amerika würden Wunden geschlagen. Chinas zugehende Importtüren lassen US-Farmer schon jetzt auf ihren Weizen-, Mais- und Sojaernten sitzen wie Glucken auf ihren Eiern, was auch die Verkaufspreise drückt. Sind die Bauern im Mittleren Westen nicht die treuesten Trump-Wähler?

Und was ist, wenn das Beispiel Harley Davidson Schule macht und immer mehr globale US-Konzerne zur Umgehung der Exportzölle in Europa und China nicht mehr in Amerika, sondern in ihren ausländischen Absatzmärkten produzieren? Überhaupt, die in Amerika produzierende deutsche Autoindustrie wirkt dem US-Handelsbilanzdefizit mit einem Exportanteil von 60 Prozent entgegen. Und sie beschäftigt ca. 120 Tausend Mitarbeiter. Für viele amerikanische Arbeitnehmer ist es ökonomischer Selbstmord, über Trumps Handelspolitik entzückt zu sein.

Übrigens, das Trump-Bashing der früheren Verbündeten wird den geostrategischen Einfluss der USA immer mehr schwächen. Der US-Präsident sollte nicht vergessen, dass Europa als Gegenleistung für den Schutz von Uncle Sam vor dem „bösen Iwan“ auch massenhaft amerikanische Musik, Fernsehserien und Konsumgüter aufs Auge gedrückt wurde.

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