DAX-0,22 % EUR/USD-0,15 % Gold+0,90 % Öl (Brent)0,00 %

Sicherheitspolitik Übernahme-Krimi: Bundesregierung wehrt Chinesen-Angriff auf deutsches Stromnetz ab

27.07.2018, 12:24  |  2691   |   |   

Die Staatsbank KfW sticht im Auftrag der Bundesregierung den chinesischen Staatskonzern State Grid Corporation of China (SGCC) beim Übernahme-Krimi um den deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz aus.

Die KfW erwirbt den zum Verkauf stehenden Anteil von 20 Prozent an 50Hertz. Das teilten das Bundeswirtschaftsministerium und das belgische Unternehmen Elia, Mehrheitseigner von 50Hertz, mit. Zuvor hatten die Chinesen laut Reuters ein letztes Angebot von nicht ganz einer Milliarde Euro für 20 Prozent an 50Hertz abgegeben.

Die Bundesregierung habe aus "sicherheitspolitischen Erwägungen ein hohes Interesse am Schutz kritischer Energieinfrastrukturen", so das deutsche Wirtschaftsministerium. Bevölkerung und Wirtschaft erwarteten eine zuverlässige Energieversorgung. 50Hertz betreibt rund 10.000 Kilometer Stromnetz im Norden und Osten Deutschlands, über das mehr als 18 Millionen Menschen versorgt werden. Die Übertragungsleitungen sind von hoher Bedeutung für den Transport von Windkraft-Strom.

Der Schachzug der KfW, hinter der die Bundesregierung steht, wird von Analysten als klares politisches Signal gedeutet. Die deutsche Regierung ist verstärkt damit beschäftigt, den zunehmenden Einfluss von chinesischen Investoren in deutschen Schlüsselbranchen zurückzudrängen. China-Investoren sind auf Einkaufstour in Deutschland und Europa, vor allem bei Zukunftstechnologien und in strategisch wichtigen Bereichen.

Im Frühjahr misslang der erste Vorstoß der Chinesen ins deutsche Stromnetz über 50Hertz. Anstelle von SGCC hatte der Mehrheitseigner von 50Hertz, der belgische Versorger Elia, mehr Anteile übernommen. Die Belgier machten laut eigenen Angaben nun erneut von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und erwarben das 20-Prozent-Paket vom australischen Investmentfonds IFM. Dieser Anteil werde umgehend zu denselben Bedingungen an die KfW weiterverkauft. Beamte im Bundeswirtschaftsministerium sprachen von einer "Brückenlösung". Die Anteile an 50Hertz soll die KfW perspektivisch weiterveräußern.

SGCC ist der staatliche chinesische Netzbetreiber und lag im Jahr 2017 mit fast 350 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,6 Millionen Mitarbeitern auf Platz zwei der "Fortune Global 500"-Liste der weltgrößten Unternehmen. Der Konzern expandiert im Ausland und hat Beteiligungen unter anderem in Italien und in Portugal gekauft. Das Unternehmen steht unter Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas.

Quelle:

Reuters



0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel