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Die neuen Immobilien-Haie?

30.07.2018, 12:45  |  2619   |   |   

Lidl plant den Bau von mehr als 3.000 Wohngebäuden und einer Grundschule, um im Gegenzug in London zahlreiche neue Geschäfte zu eröffnen. Auch in Hamburg und Berlin steigen Discounter in den Immobilienmarkt, mit dem Versprechen günstiger Mieten und kurzer Wege, ein. Werden die Discounter zu gesellschaftlichen Wohltätern? 

Die Motive, warum Lebensmitteldiscounter in den Immobilienmarkt vorstoßen, sind vielfältig. Auf der einen Seite verfügen sie über ausreichend Kapital, um in Wohnlagen Baugrundstücke zu erwerben. Darüber hinaus sichern sie sich mit den Bewohnern über einer Filiale einen Mindest-Kundenstrom. Ferner können so Engpässe am Gewerbeimmobilienmarkt umgangen und maßgeschneiderte Filialen entstehen. 

Tom Edson, ein Supermarkt-Experte bei der Immobilienberatung Colliers, sagte gegenüber "The Guardian": "Leute über dem Laden zu haben, ist keine schlechte Sache. Es bedeutet, dass Sie einen fertigen Kundenstamm haben". 

Da die Gewinne der Discounter durch steigende Kosten und einer immer größeren Konkurrenz unter Druck geraten, sind die Einzelhändler bestrebt, ihre Einnahmen durch neue Strategien zu maximieren. Der Verkauf oder die Vermietung von Häusern oder anderen Objekten über dem Geschäft kann dazu beitragen, die Rentabilität zu sichern, so "The Guardian".

Vor allem in Großbritannien scheint die Immobilienentwicklung ein wichtiger Ansatz zu sein, um in gefragten Lagen neue Discounter eröffnen zu dürfen. Lidl hat seit 2008 rund 335 Wohngebäude auf der Insel errichtet. Auch andere Mainstream-Supermärkte, insbesondere Tesco und Sainsbury's, sind im Immobiliengeschäft vertreten. Tesco baute Hunderte von Häusern in Woolwich (Südost-London) und Streatham (Südwest-London), während Sainsbury's Teil eines gemeinsamen Projekts mit Barratt Homes war, das 700 Häuser in Nine Elms (nahe Vauxhall, Südwest-London) umfasste. 

Morrisons - im FTSE 100 gelistet - ist auch in das Immobiliengeschäft eingestiegen und hat Ende letzten Jahres die Baugenehmigung für fast 600 Häusern im Rahmen der Neugestaltung seines Camden-Stores im Norden Londons erhalten. Darüber hinaus waren Supermärkte auch an hunderten von kleinen Stadtentwicklungsprojekten beteiligt, wie z. B. an der Umwandlung von Kneipen in lokale Lebensmittelgeschäfte mit ein paar Wohnungen darüber.

In Deutschland ist Lidl sehr aktiv. Auf der Hamburger Holstenstraße kaufte der Discounter 2011 ein brachliegendes Filet-Grundstück, um es nach der Baugenehmigung an einen Investor zu verkaufen und sich nach der Fertigstellung im Erdgeschoss einzumieten. "Spiegel Online" schreibt: "Angesichts von Wohnungsmangel in vielen Großstädten könnten Lidl und Aldi sich (...) einen Imagegewinn verschaffen".

Von Aldi - in Planung sind Projekte in Berlin und München - heißt es: "Der Entschluss für unsere Immobilienvorhaben ist (...) die Symbiose aus dem Interesse der Stadt Berlin an bezahlbarem Wohnraum und großflächigen Aldi-Verkaufsstellen - eine Win-win-Situation für beide Seiten". Für Deutschland heißt es, dass die Mieten bei den Discountern eher im unteren Segment liegen werden. Ferner sollen bei Aldi in Berlin die Objekte zu einem Drittel mit Sozialwohnungen ausgestattet sein, was lediglich den gängigen Vorschriften entspricht. 

Den Discountern ist das Kaufen-plus-Wohnen-Konzept sehr wichtig. Zu welchen Mieten die Wohnungen später angeboten werden, ist bislang unklar. Auch der Umgang mit den Mietern und die Umsetzung von Instandsetzungsarbeiten ist offen. Schlussendlich stellt sich Frage, warum die Discounter nicht in den schwach entwickelten ländlichen Regionen Immobilienprojekte anstoßen?  

Quellen:

The Guardian

Spiegel Online

 

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