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"#Me Four" Deutsche als "Kartoffel" und "alte, weiße Heteromänner"

Gastautor: Rainer Zitelmann
31.07.2018, 09:49  |  6047   |   |   

In der taz von heute findet sich ein Artikel zur "#Me two"-Debatte, die Alltagsrassismus thematisiert. Die linke Zeitung, die sonst ja sehr sensibel ist, wenn es um Vorurteile geht, findet nun, dass Deutsche einfach viel zu sensibel sind, wenn sie beschimpft werden.

Wörtlich heißt es in der taz:

"So lassen sich auch unter #MeTwo viele Tweets finden, in denen sich User*innen diskriminiert fühlen, weil sie als "Almans" oder "Kartoffeln" bezeichnet werden. Es sind Menschen, die nicht verstanden haben oder verstehen wollen, was Rassismus ist - und dass als Kartoffel bezeichnet zu werden keine strukturelle Diskriminierung ist."

Ok, ich habe nichts dagegen, wenn man mich als "Kartoffel" bezeichnet. Dass aber in der taz ständig über "alte, weiße Heteromänner" hergezogen wird, stört mich ebenso, wie wenn Reiche oder Manager pauschal als "gierig", "raffgierig", "asozial", "Steuertrickser", "Zocker" und hohe Gehälter als "obszön" bzw. "Exzesse" bezeichnet werden.

Aber ich habe schon verstanden:

Vorurteile sind nur dann kritikwürdig, wenn sie sich gegen "gute" Minderheiten richten. Wenn es aber z.B. um Reiche geht, dann ist eine Überschrift wie "Zur Hölle mit den Reichen" (Jakob Augstein in Spiegel-online) vollkommen in Ordnung und wahrscheinlich sogar Zeichen einer besonders toleranten und aufgeklärten Gesinnung. Die Aufregung wäre zu Recht groß, wenn irgendeine andere soziale Gruppe oder Minderheit "zur Hölle" gewünscht würde. Auf dem Foto zu dem Artikel von Augstein ist ein Mann abgebildet, über den man alles Schlechte sagen darf, denn er ist:

  1. Alt
  2. Hetero
  3. Weiß
  4. Reich


Also sozusagen: "'#Me Four"

Wäre der abgebildete Mann dagegen alt, homosexuell, schwarz und arm, dann wären sich alle Vorurteilsforscher einig, dass herabwürdigende Bemerkungen ein Zeichen sind von:

  1. Ageismus (Altersdiskriminierung)
  2. Sexismus
  3. Rassismus
  4. Klassismus (Diskriminierung aufgrund des sozialen Status)


http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paradise-papers-zur-hoelle-m ...

http://culturmag.de/allgemein/rainer-zitelmann-wie-reden-wir-eigentlic ...

 

 

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4 Kommentare

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Kommentare

Im Bezug auf den SPON-Artikel "zur Hölle mit den Reichen" ging es um die Enthüllungen zu den Paradise Papers (Steuerhinterziehung) und da hat der Augstein ja nun wirklich Recht.

Warum der Herr Zitelmann da augenscheinlch schon wieder das große Hemdflattern bekommt? :laugh:
Die Idee mit Satire ist ja wunderschön. Man nehme ein Board (z.B. WO), schreibe in die AGB, dass man sich bezgl politischer Äusserungen als Satiremagazin empfindet und dass alle User sich damit einverstanden erklären und als User selbst auch nur satirisch - nie ernst gemeint - schreiben.

Schon kann man sich die Dinge von der Brust schreiben.... fein! :laugh:
Guter Artikel!
Man sollte den linken Genossen viel mehr auf die Finger schauen, aber leider tummeln sich zu viele in den Medien, die lieber über Populismus und die rechte Szene berichten.
Vor einigen Monaten wurde eine Politikerin in einem Satire Magazin als Schlampe bezeichnet. Sie hat dagegen geklagt und den Prozess verloren. Lt Richter war die Beleidigung nicht ernst gemeint, sondern Satire.

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