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Wertpapier-Muffel Aktien und Fonds: Tiefe Spaltung zwischen West- und Ostdeutschland

02.08.2018, 12:52  |  8643   |   |   

Was den Wertpapier-Besitz angeht, ist Deutschland 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch geteilt, so ein Analyseergebnis.

In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besitzen in keinem Landkreis mehr als fünf Prozent der Bevölkerung Aktien oder Fonds. Einen so geringen Wertpapierbesitz findet man in den westlichen Bundesländern nur im Saarland. Das ist eines der Ergebnisse der Umfrage von Acxiom unter 45.000 Bundesbürgern im Mai 2018. Die Umfrageergebnisse haben Analysten der Comdirect-Bank ausgewertet.

Weiteres Ergebnis der Analyse: Das starke West-Ost-Gefälle beim Wertpapierbesitz setzt sich bei den Fonds fort. Nur 1,6 Prozent der Ostdeutschen (inklusive Berlin) besitzen Fondsanteile, während in den westlichen Bundesländern die Fondsquote bei 15,3 Prozent liegt.

Nicht nur zwischen West- und Ostdeutschland, sondern auch zwischen Land und Stadt werden Unterschiede beim Besitz von Unternehmens- oder Fondsanteilen sichtbar: Die gesamtdeutsche Landbevölkerung setzt mehr auf Aktien und Fonds als deutsche Großstädter: In den 401 Kreisen und kreisfreien Städten besitzen laut Studie im Durchschnitt 7,5 Prozent Menschen Aktien. Bei den 50 größten Städten Deutschlands liegt die durchschnittliche Aktien-Quote dagegen nur bei rund vier Prozent, wie zum Beispiel in Heidelberg (4,3 Prozent) und Nürnberg (3,8 Prozent). Bei den Fonds liegt der Durchschnitt auf dem Land, wie in Düren (NRW), bei 13 Prozent. Unter den größten Städten Deutschland liegt er bei nur rund sieben Prozent.

Bayern sind die größten Wertpapier-Fans in Deutschland

Spitzenreiter unter den Deutschen in der Disziplin Wertpapierbesitz sind die Bayern. Unter den Bewohnern der größten deutschen Städte investiert fast jeder zweite Münchner (49,9 Prozent) in Fonds. Auf Platz zwei folgt mit großem Abstand das niedersächsische Oldenburg (20,5 Prozent). Aktien besitzt ungefähr jeder sechste Münchner (16,7 Prozent). Zum Vergleich: In Erfurt sind es nur 0,2 Prozent. Bayern führt auch außerhalb der großen Städte: Neun der zehn Kreise und Städte mit den meisten Fondsbesitzern liegen in Bayern. Bei Aktien sind es sieben von zehn Kreisen beziehungsweise Städten.

Nach den Bayern leben überdurchschnittlich viele Aktien- und Fondsfreunde in Hessen und Baden-Württemberg. In Hessen ist Offenbach (0,9 Prozent) unter allen Kreisen und kreisfreien Städten die einzige Stadt mit einem Aktien- und Fondsbesitzanteil von unter fünf Prozent.

Es ist nichts Neues, dass die Deutschen in West und Ost insgesamt keine Fans von Wertpapieren sind. Nur jeder achte Bundesbürger investiert in Fonds, bei Aktien ist es sogar nur knapp jeder Dreizehnte. Dabei wäre es besser, wenn die Deutschen ihr Geld nicht nur auf Sparkonten horten würden. "Allein im ersten Quartal 2018 haben deutsche Sparer 7,1 Milliarden Euro verloren, weil sie auf Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen setzen. Deren Verzinsung liegt zum Teil deutlich unter der Inflationsrate. Das zeigt: An Wertpapieren führt beim langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei", meint Matthias Hach, Vorstandsmitglied der comdirect bank AG.

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Kommentare

dürfte wohl alles weniger daran liegen, dass die Ossis nicht wollen oder es auf Sparkonten horten, sondern eher daran, dass es überdurchschnittlich viele Ossis gibt, die das wenige Geld, das sie übrig haben, konsumieren müssen. Da bleibt nicht viel zur privaten Altersvorsorge.
...Dabei wäre es besser, wenn die Deutschen ihr Geld nicht nur auf Sparkonten horten würden. ...

tun sie ja auch nicht, wie vorhin hier zu lesen war.
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10772478-haushalt-bargeld-deutschen-haushalten-200-milliarden-euro

Sie horten es zu Hause. Und das ist gut so.

und ich finds klasse, wenn mal wieder jemand übers Ost-West-Gefälle stolpert.
Die Ossis hatten weder 3 bis 4 Generationen Zeit, irgend etwas zu vererben noch ist das aktuelle Einkommen so dermaßen hoch, dass die Ossis vor lauter Blödsinn nicht wissen wohin damit.

schönen tach noch

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