DAX-0,28 % EUR/USD+0,07 % Gold+0,27 % Öl (Brent)-4,64 %

Die Wirtschaft der Eurozone wächst - nur langsamer

Gastautor: Sven Weisenhaus
02.08.2018, 14:34  |  493   |   |   

Gestern Abend tagte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Wie erwartet wurde beschlossen, den Leitzins diesmal nicht um 25 Basispunkte auf dann 1,75 - 2,00 % anzuheben (siehe auch Börse-Intern vom 14. Juni). Es gab lediglich eine kleine Änderung in ihrer Erklärung, indem sie die Wirtschaftslage nun „stark“ anstatt nur „solide“ einschätzt. Für das weitere Jahr ist mit zwei weiteren Zinsanhebungen voraussichtlich im September und Dezember zu rechnen, da die Fed „graduelle“ Zinsanhebungen anstrebt und so würde hier ein vierteljährlicher Rhythmus gut passen. Zumal zu diesen Terminen jeweils auch die neuen Fed-Projektionen vorliegen. Insgesamt handelt es sich bei der gestrigen Sitzung wie erwartet um ein Non-Event.

EZB handelt wie erwartet

Selbiges war auch schon bei der Europäischen Zentralbank in der vergangenen Handelswoche zu sehen. Auch diese nahm wie vom Markt erwartet keinerlei Änderungen an ihrem geldpolitischen Pfad vor. Denn bereits bei der vorangegangenen Sitzung hatte der Rat der EZB die Stellschrauben etwas verändert (siehe „EZB verlängert das QE-Programm und gibt einen Zinsausblick“). Auch dieses Non-Event ging am Ende fast spurlos an der Börse vorbei.

Der europäischen Wirtschaft geht Tempo verloren

Schließlich gibt es auch gute Gründe für die EZB die geldpolitische Unterstützung der Wirtschaft nicht allzu schnell zu verringern. Der Gesamtwirtschaft in der Eurozone scheint nämlich langsam die Puste auszugehen. So stieg laut der Schnellschätzung von Eurostat die Wirtschaftsleistung (BIP) im 2. Quartal 2018 nur um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal. Ursprünglich hatte man mit einer Wachstumsrate von 0,4 % gerechnet. Damit wurde nicht nur die Markterwartung unterschritten, sondern auch die niedrigste Wachstumsrate seit dem 3. Quartal 2016 erzielt.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone

Dass sich das Wachstumstempo langsam verringert, kam aber nicht überraschend. Diese Tendenz deutete schon der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit als Frühindikator für die gesamte Wirtschaft der Eurozone (Composite-Index) an, der im Mai auf ein 18-Monats-Tief sank. Zwar kam es im Juni zu einer leichten Erholung (siehe auch Börse-Intern vom 26. Juni), doch nach einer Schnellschätzung vom Dienstag fiel der Einkaufsmanagerindex für Juli bereits wieder. Er befindet sich aber dennoch mit 54,3 Punkten komfortabel über der Schwelle von 50 Punkten, ab der zukünftiges Wachstum angezeigt wird.

IHS Markit-Einkaufsmanagerindex der Gesamtwirtschaft in der Eurozone
(Quelle: tradingeconomics.com)

Somit dürfte sich auch im 3. Quartal dieses Jahres das Tempo noch einmal verlangsamen und diese Tendenz erst einmal auch beibehalten. Laut den Erhebungen von IHS Markit gibt es nämlich den schwächsten Auftragszuwachs für die Unternehmen seit Oktober 2016. Selbiges trifft sowohl auf das Exportneugeschäft sowie die Auftragsbestände zu. Insgesamt fielen die Geschäftsaussichten auf ein 20-Monats-Tief.

Zum 21. Mal in Folge mit positiver Wachstumsrate

Ein Grund zur Sorge besteht deshalb aber noch nicht. Schließlich gab es mit April, Mai und Juni das 21. Quartal mit einer positiven Wachstumsrate in Folge. Unter Berücksichtigung der Frühindikatoren dürfte auch diese Tendenz noch etwas weiter gehen. Wenn man an die bisherige Besorgnis über die Handelskonflikte mit den USA denkt, ist die Enttäuschung über die etwas schwächeren Wachstumszahlen schon etwas überzogen.

Möglicherweise verbessert sich auch wieder die Stimmung in der Eurozone nach dem jüngsten Durchbruch im Handelsstreit (siehe gestrige Börse-Intern). In diesem Fall könnte es bereits im 3. Quartal 2018 zu einem höheren Wachstum kommen, wenn die Unternehmen wieder bereit sind, mehr zu investieren.

Seite 1 von 3
Wertpapier
DAX


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors