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Facebook - warum ich der Aktie trotz Kurseinbruch ein "Like" gebe

Gastautor: Güner Soysal
03.08.2018, 07:48  |  868   |   |   

In meiner "Marktanalyse vom 17.07.2018 – Von der „Wall of Worry“ zum nächsten All-Time-High?" hatte ich angekündigt, dass ich eine inspirative Analyse eines ganz besonderen Unternehmens veröffentlichen möchte, welches aus unserem Leben kaum noch wegzudenken und dessen Potenzial meines Erachtens unterschätzt wird. Wie am Titel dieses Beitrags ersichtlich ist, handelt es sich dabei um Facebook.

Ich muss zugeben, dass ich mich mit Facebook als Plattform nie wirklich anfreunden konnte. Gleichzeitig fragte ich mich, warum Facebook überhaupt an die Börse ging, wer die Aktien kaufte, wie Facebook Geld verdiente und warum die Aktie seit Jahren wie an der Schnur gezogen gestiegen ist.

Seit ihrer Erstnotiz am 18. Mai 2012 mit USD 38 hat sich die Aktie - nach einer kurzzeitigen Halbierung unmittelbar nach dem Börsengang - mit USD 174,89 mehr als verviereinhalbfacht (Stand: 27.07.2018; siehe folgende Grafik).

Performance der Facebook-Aktie seit Börsengang, Zeitraum: 18.05.2012 - 27.07.2018, Quelle: Onvista

 

Mein Verständnis für Facebook - sowohl die Plattform als auch das Unternehmen - änderte sich jedoch als ich ab Ende 2016 anfing mich mit der Börse und dem Unternehmen näher zu beschäftigen. Zum einen bot mir die Plattform die Möglichkeit, mich mit Gleichgesinnten in Facebook-Gruppen zu vernetzen. Zum anderen fand ich heraus, was Facebook als Unternehmen für ein potenzielles Investment auszeichnet. Die Konsequenz war, dass ich mir die Facebook-Aktie ins Depot legte.

Zufälligerweise kam es letzte Woche - also genau rechtzeitig für diesen Beitrag - zu einem "Kurseinbruch". Nachdem die Facebook-Aktie dieses Jahr nach dem Datenskandal auf bis zu USD 150 fiel, legte sie eine beeindruckende Kursrally auf über USD 218 hin und notierte kurz vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse auf einem neuen Allzeithoch.

Infolge der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse fiel die Aktie nachbörslich zunächst um rund 9%. Im Rahmen des Earnings Call zwischen dem Facebook-Management und den Analysten fiel die Aktie plötzlich um mehr als 20% auf rund USD 166. Dieser Kurseinbruch sorgte nicht nur unter Börsianern für große Aufmerksamkeit, sondern erregte auch in den Medien großes Aufsehen (siehe folgende Grafik).

Kurseinbruch nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse, Quelle: Onvista

 

Gleichzeitig hatte dieser Kurseinbruch zur Folge, dass Facebook-CEO Mark Zuckerberg seinen kürzlich errungenen Platz als drittreichster Mensch der Welt wieder abgeben musste und um drei Ränge zurückfiel.

In diesem Beitrag möchte ich kurz und kompakt auf Facebook aus der Sicht eines potenziellen Investors eingehen. Unter Umständen hast oder hattest du auch dieselben Erfahrungen gemacht wie ich und dieser Beitrag hilft dir, eine neue Sichtweise auf Facebook zu gewinnen.

Doch bevor wir uns dem Unternehmen und den Gründen für ein potenzielles Investment widmen, nehmen wir zunächst einmal unter die Lupe, welche Gründe zum Einbruch der Facebook-Aktie führten.

1. Warum ist der Aktienkurs um rund 20% eingebrochen?

In Bezug auf die Quartalsergebnisse ist zunächst einmal zu erwähnen, dass der Umsatz um 42% und der Gewinn je Aktie um 32% im Jahresvergleich gestiegen sind. Während beim Gewinn die Analystenprognosen um drei Cent bzw. 1,75% übertroffen werden konnten, lag der Umsatz mit USD 120 Mio. bzw. 0,9% unterhalb der Analystenprognosen. Diese "Umsatzverfehlung" reichte aus, um die Aktie zunächst um rund 9% auf Talfahrt zu schicken (siehe folgende Grafik).

Ergebnisse für das 2Q 2018, Quelle: Facebook Investor Relations

 

Soweit hört sich die Entwicklung erst einmal harmlos an. Die eigentliche "Hiobsbotschaft" kam im Earnings Call als CFO David Wehner eine Verlangsamung des Umsatzwachstums in den kommenden beiden Quartalen sowie steigende Kosten und sinkende operative Margen für die kommenden beiden Jahre ankündigte (siehe folgenden Textauszug):

Stellungnahme des Facebook-CFO David Wehner im Earnings Call bezüglich der zukünftigen Umsatzentwicklung, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript[/caption]

 

Zunächst einmal ist also festzuhalten, dass das Umsatzwachstum von 49% im ersten Quartal um sieben Prozentpunkte auf 42% im Vergleich zum Vorjahresquartal gesunken ist. Ferner soll das Umsatzwachstum im dritten und vierten Quartal jeweils um einen hohen einstelligen Prozentsatz sinken. Nehmen wir also an, dass der Umsatz im dritten und vierten Quartal um weitere sieben Prozentpunkte sinkt, entspricht das einem Umsatzwachstum von 35% im dritten Quartal und 28% im vierten Quartal.

Was sind die Gründe für die Verlangsamung des Umsatzwachstums?

Wie der nachfolgende Textauszug darstellt, führt CFO Wehner drei Kernpunkte für die Verlangsamung des Umsatzwachstums auf. Erstens droht Gegenwind aus währungstechnischen Gründen aufgrund des starken USD. Zweitens plant Facebook den Ausbau neuer Features (z. B. Stories), welche noch keine große Monetarisierung aufweisen. Drittens möchte Facebook infolge der EU-Datenschutzverordung und um zukünftige Datenskandale zu vermeiden den Nutzern mehr Optionen in Bezug auf den Datenschutz anbieten. Unter der Berücksichtigung, dass Facebook 98% seiner Einnahmen aus Werbung generiert, ist verständlich, dass die Nutzung von weniger Daten zu weniger personalisierter und zielgruppenorientierter Werbung und somit geringerer Monetarisierung führen kann.

Gründe für Verlangsamung des Umsatzwachstums laut CFO David Wehner, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Was sind die Gründe für die steigenden Ausgaben?

Zusätzlich zur Verlangsamung des Umsatzwachstums hat der CFO auch steigende Kosten und Investitionen angekündigt. Dabei sollen in 2019 die Ausgaben stärker als der Umsatz wachsen. Infolge der steigenden Ausgaben soll die operative Marge von aktuell rund 45% auf Mitte 30% sinken.

Als Gründe für die steigenden Ausgaben werden unter anderem Investitionen in Sicherheit und Datenschutz, Ausbau der verschiedenen Plattformen (u. a. Facebook, Messenger, Instagram) sowie Investitionen in eigene Datenzentren, Augmented/ Virtual Reality, Marketing, Content Akquisition (z. B. für Facebook Watch und Instagram TV) und Bürogebäude genannt (siehe folgenden Textauszug):

Stellungnahme des CFO David Wehner zu steigenden Kosten und Investitionen, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Ferner hat Facebook-CEO Mark Zuckerberg in besonderem Maße hervorgehoben, dass in den kommenden 18 Monaten wichtige Wahlen in Indien, Brasilien, den USA und der EU anstehen. Insofern darf und kann sich Facebook in diesem Zusammenhang keine weiteren Diskussionen rundum Datenskandale und Fake News erlauben. Nachdem Mark Zuckerberg bereits vor einigen Wochen vor dem US-Kongress Stellung nehmen musste, könnte ein ähnlicher Vorfall die Zukunftsfähigkeit von Facebook gefährden. Somit sind die in diesem Zusammenhang getätigten Investitionen (aus Investoren-Sicht) sinnvoll,  nachvollziehbar und erforderlich.

Kommen wir jetzt zur Preisfrage: kam diese Meldung überraschend? 

Die kurze Antwort heißt: nein. Die ausführliche Antwort ist, dass das Facebook Management bereits im Rahmen der Ergebnisse zum ersten Quartal eine Verlangsamung des Umsatzwachstums als Konsequenz zur EU-Datenschutzverordnung sowie zusätzlich steigende Kosten angekündigt hatte. 

Zum einen hatte Mark Zuckerberg angekündigt, dass sich die Mitarbeiterzahl zur Bekämpfung von Fake News und Hasskommentaren bis Ende 2018 auf über 20.000 Personen verdoppeln soll. 

Zum anderen hatte CFO David Wehner bereits im Earnings Call zum ersten Quartal angekündigt, dass mit potenziellen Auswirkungen der EU-Datenschutzverordnung auf das Geschäft von Facebook gerechnet wird. Gleichzeitig ist er von einer Verlangsamung des Umsatzwachstums ausgegangen, konnte diesen aber noch nicht beziffern. Zusätzlich wurde die Erhöhung der bereits oben genannten Ausgaben angekündigt (siehe folgenden Textauszug).   

Stellungnahme des CFO David Wehner aus dem 1. Quartal 2018 zur zukünftigen Umsatz- und Ausgabenentwicklung, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Darüber hinaus ging das Facebook-Management von einer stagnierenden Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) und monatlich aktiven Nutzer (MAU) aus. Diese Befürchtung hat sich für das zweite Quartal als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer ist sowohl im Jahres- als auch im Quartalsvergleich auf der Gesamtebene gestiegen. Gleichwohl fällt auf, dass nur die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer in Europa um 3 Mio. bzw. 1 Mio. (entspricht einem Rückgang von 1% bzw. 0,27%) im Vergleich zu den Vorquartalen erstmals rückläufig war (siehe folgende Abbildung).  

Anzahl der monatlich aktiven Nutzer von Facebook (MAU), Stand: 2Q 2018, Quelle: Facebook

 

Ein Punkt, welcher vermutlich seitens der Marktteilnehmer als "kritisch" betrachtet wurde, war die Tatsache, dass das Facebook-Management die Auswirkungen der oben genannten Maßnahmen nun beziffern konnte. Scheinbar ging der Markt nach den Aussagen des CFO im Earnings Call zum ersten Quartal ("we do not anticipate these changes will significantly impact advertising revenue") davon aus, dass das Umsatzwachstum nicht in dem Maße sinken würde, wie es im Earnings Call zum zweiten Quartal angekündigt wurde, d. h. von 49% Umsatzwachstum im ersten Quartal auf voraussichtlich 28% im vierten Quartal. Eine weitere Erklärung für die Nervosität der Anleger könnte die Anmerkung des CFO sein, dass das Kostenwachstum in 2019 das Umsatzwachstum übersteigen soll.

Ist diese Prognose nun ein Anlass, um die Facebook-Aktie nicht zu kaufen oder gar zu verkaufen?

Schauen wir uns im Folgenden an, warum sich trotz der gesenkten Prognosen ein Investment in Facebook rentieren könnte.

2. Tiefer Burggraben 

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Facebook mit seinen verschiedenen Plattformen (Facebook, Messenger, WhatsApp, Instagram) das weltweit größte soziale Netzwerk im Internet darstellt. Laut dem Facebook-Management betrug zum Ende des 2. Quartals 2018 die Zahl der monatlich aktiven Nutzer mehr als 2,2 Milliarden und die Zahl der täglich aktiven Nutzer rund 1,5 Milliarden. Darüber hinaus würden insgesamt 2,5 Milliarden Menschen weltweit eine der Facebook-Plattformen nutzen. Die Betonung liegt hierbei auf einzelnen Personen, da Mehrfach-Accounts herausgerechnet worden seien.

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