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Der Yuan: Abwertung oder ausser Kontrolle?

Gastautor: Arthur Vott
03.08.2018, 09:17  |  757   |   |   
Der Yuan gerät unter Druck

Der Yuan ist in den letzten Wochen sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber einem Korb relevanter internationaler Handelswährungen stark gefallen. Der Abwertungsdruck resultierte zum großen Teil aus der Erwartung vieler Investoren, dass China sich eine schwächere Währung als Reaktion auf die Tarife von Trump und eine sich verlangsamende Wirtschaft wünscht. Es hagelte teilweise deutliche Kritik aus der EU und den USA, weil den Chinesen eine absichtliche Entwertung der Währung vorgeworfen wird, mit der die Exporte angetrieben werden sollen.

Schaut man auf die nackten Zahlen, so hat sich China in der Tat in den letzten Monaten ein umfangreiches Arsenal (zusätzlich zu den ca. drei Billionen Dollar an Reserven, verfügt China über eine Nettoauslandsvermögensposition von über 500 Milliarden Dollar) aufgebaut, welches sie befähigt, einen Handelskrieg mit einem Währungskrieg zu kontern, um so Trumps möglichen Zöllen entgegenzuwirken.

Wollen sie das wirklich?

Wir glauben nicht, denn eine künstliche Abwertung der Währung kommt nicht ohne erhebliche Risiken und Kosten aus. China hat hier Erfahrungen aus erster Hand gemacht, als sie 2015 und 2016 etwa eine Billion Dollar an Reserven aufgrund ihrer absichtlichen Entwertung verbrannt haben. Darüber hinaus ist eine Abwertung immer mit Vermögensabflüssen aus dem eigenen Land verbunden und drückt somit die Preise, was wiederum die Zentralbank in möglichen Zinssenkungen einschränkt. Gerade in einer Zeit, wo die Wirtschaft Chinas anfängt zu bröckeln, glauben wir nicht, dass sie sich diesem Risiko aussetzen wollen. Schon jetzt sind die Banken in China kapitalbeschränkt, woraufhin die Regierung die Mindestreserveanforderungen senken musste. Darüber hinaus sind weitere Senkungen geplant.

Und immer dann, wenn die Reserven nicht steigen, wertet der Yuan ab.

Die Abbildung zeigt den Wechselkurs des Yuan gegenüber dem Dollar auf der linken Achse (invertiert) und die Mindestreserveanforderung an chinesische Banken auf der rechten Achse. Die Anforderungen sind seit 2014 stetig gesunken und so auch der Wechselkurs des Yuan.

Eine schwierige Situation für die Chinesen

Die plausibelste Erklärung scheint daher das Management eines stabilen Niveaus. Chinas Exporte in die USA befanden sich vor dem Handelskrieg in einem starken Aufwärtstrend. Laut Expertenschätzungen dürfen wir einen Anstieg der Exporte von etwa 50 Milliarden Dollar im Jahr 2018 erwarten. Damit könnte China einen Aufschlag von 10% (bei einem Volumen von 500 Milliarden) bis 25% (bei 200 Milliarden) an Zöllen relativ einfach auffangen, ohne auch nur an eine große Entwertung zu denken. Berücksichtigt man dazu, dass die Währung in den letzten zwei Monaten schon um rund 5% abgewertet hat, ist für uns der Anreiz, die Währung noch weiter zu entwerten, nicht gegeben. Gegenüber dem Dollar ist der Yuan nämlich wieder dort, wo er vor zehn Jahren war, obwohl Chinas Wirtschaft weitaus produktiver und und technologisch anspruchsvoller geworden ist.

Alles in allem ist China jedoch eher in einer Verteidigungsposition gefangen. Einen vollständigen Handelskrieg würden sie wirtschaftlich gesehen in eine tiefe Depression führen und sie zwingen den Yuan massiv abzuwerten. Im schlimmsten Fall droht eine Abwertung ähnlich zu der von 1994, was globale Konsequenzen mit sich tragen würde.
wenig.

Monthly Markets #3

Der obige Text ist ein Auszug aus unserem monatlichen Marktbericht. Für die vollständige Ausgabe klicken Sie bitte auf den folgenden Link: Monthly Markets #3

Der Beitrag Der Yuan: Abwertung oder ausser Kontrolle? erschien zuerst auf Fundamental Capital.

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