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Der eigentliche Grund, aus dem Cannabis-Aktien fallen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
06.08.2018, 16:30  |  4071   |   |   

Demnächst, in etwas über zwei Monaten, wird Kanada die Welt verändern. Nach der Verabschiedung des Cannabis-Gesetzes am 19. Juni wird Kanada das erste Industrieland der Welt sein, das Cannabis zum persönlichen Gebrauch legalisiert. Damit stößt man eine Tür auf, die unter Umständen 5 Milliarden Dollar an jährlichen Umsätzen bringen könnte. Und zwar zusätzlich zu den Absätzen, die die Branche bereits in Kanada und als Exporte in andere Märkte erwirtschaftet.

In der Zeit vor der Gesetzesverabschiedung sind Cannabis-Aktien unaufhaltsam gewachsen. Anleger, die Cannabis-Aktien über einen langen Zeitraum gehalten haben, konnten sich über dreistellige oder sogar vierstellige Renditen freuen.

Warum verlieren Cannabis-Aktien an Wert?

Das war in den letzten sechseinhalb Monaten jedoch nicht der Fall. In dieser Zeit ist der North American Marijuana Index, der Dutzende der größten und wichtigsten Cannabis-Unternehmen erfasst, um mehr als ein Drittel gesunken. Wenn man bedenkt, dass bald neue Einnahmen in die Wirtschaft gespült werden, erscheint dieser Abstieg nicht nachvollziehbar.

Was ist da los? Auf den ersten Blick gibt es eine Reihe von Problemen, die dafür verantwortlich sein könnten.

Zunächst einmal kann man die Wall Street und Privatanleger dafür verantwortlich machen, dass sie die Branche überbewertet haben. Immer wenn eine neue Technologie oder ein neues Produkt mit großem Wachstumspotenzial auftaucht, sind Investoren bei der Bewertung zu optimistisch und schicken die Aktie in die Höhe. Beispiele sind das Aufkommen des Internets, Business-to-Business-Commerce, die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, 3D-Druck und sogar die Blockchain-Technologie. Die Cannabis-Branche wird Zeit brauchen, um zu reifen, und das ist ein Punkt, der vielen entgangen sein mag.

Ein weiteres Problem könnten die unbekannten Aussichten für Angebot und Nachfrage sein. Da es keinen Präzedenzfall für ein Industrieland gibt, das Cannabis für Erwachsene legalisiert, hat niemand eine konkrete Vorstellung davon, wie viel Cannabis verlangt oder produziert werden sollte. Zunächst wird erwartet, dass die Nachfrage das Angebot übertrifft, was eine gute Sache für die Preise für getrocknetes Cannabis pro Gramm und damit für die Margen wäre. Doch bis 2020 könnte es schwieriger werden, wenn die Kapazitätserweiterungsprojekte für fast alle Landwirte voll einsatzbereit sind. Bis dahin könnte ein Überangebot im Inland unvermeidlich sein, und es ist unklar, ob der Export in der Lage wäre, ein so großes Überangebot zu bewältigen.

Sogar der Wettbewerb könnte schuld sein. Vor etwa sechs Monaten könnte die Gesamtproduktionskapazität aller großen Marihuana-Player bei voller Kapazität rund 1 Million Kilogramm pro Jahr erreicht haben. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Branche voranschreitet, könnten wir bis 2020 oder 2021 auf 3 Millionen Kilogramm kommen. Es gibt weitaus mehr Wettbewerb, als Investoren sich vorstellen können, und das könnte dazu führen, dass sich die Margen und das Betriebsergebnis verschlechtern.

Das ausschlaggebende Problem

Aber die Hauptschuld für die sinkenden Marihuana-Aktienpreise könnte woanders zu suchen sein: bei der Verwässerung.

Zur Erinnerung: Vor der Verabschiedung des Cannabis-Gesetzes hatten die Finanzinstitute grundsätzlich keine Berührungspunkte mit Cannabis-Aktien. Da Cannabis auf Bundesebene illegal war, drohten den Banken strafrechtliche und/oder finanzielle Sanktionen, wenn sie den Cannabis-Unternehmen grundlegende Bankdienstleistungen anboten. Dies bedeutete, dass öffentlich gehandelte Marihuana-Aktien nur eine schnelle Kapitalquelle hatten: Kaufangebote.

Ein Kaufangebot beinhaltet den Verkauf von Stammaktien, Wandelschuldverschreibungen, Aktienoptionen und/oder Optionsscheinen an einen Investor oder eine Investorengruppe zur Kapitalbeschaffung. Da die Produktion und der operative Cashflow bisher minimal waren, musste praktisch jede Cannabis-Aktie auf Buy-Deal-Angebote zurückgreifen, um seine Kapazitätserweiterungsprojekte abzudecken, die mehr als 100 Millionen Dollar kosten können. Dies hat bei den meisten Cannabis-Aktien zu einem deutlichen Anstieg der ausstehenden Aktienanzahl und damit zu einem Rückgang des Kurses pro Aktie geführt.

Hier mal drei Beispiele für meine These.

Aurora Cannabis

Keine Marihuana-Aktie polarisiert mehr als Aurora Cannabis (WKN:A12GS7). Aurora wächst organisch, und zwar über seine Projekte Aurora Sky und Aurora Sun, über Partnerschaften, wie die Nachrüstung von Gewächshäusern im Besitz von Alfred Pedersen & Son in Dänemark und die Übernahme von CanniMed Therapeutics und MedReleaf. Insgesamt hat Aurora Cannabis sein jährliches Produktionspotenzial von knapp über 100.000 Kilogramm zu Beginn des Jahres auf rund 570.000 Kilogramm Spitzenpotenzial erhöht.

Um diese Expansion zu verwirklichen, hat das Unternehmen jedoch viele, viele Stammaktien ausgegeben. Zahlreiche Buy-Deal-Angebote und aktienbasierte Akquisitionen haben die Anzahl der ausstehenden Aktien von Aurora Cannabis erhöht.

In der Tabelle sieht man eine Gabelung nach Beginn des Jahres. Das begann die Verwässerung. Man stellt fest, dass die Marktkapitalisierung des Unternehmens zwar nicht wesentlich gesunken ist (d.h. die Anleger sind immer noch so überzeugt vom Unternehmen wie zu Beginn des Jahres), der Aktienkurs jedoch eingebrochen ist, weil sich die Anzahl der ausstehenden Aktien erhöht hat.

Auxly Cannabis Group

Ein vielleicht noch krasseres Beispiel für die Verwässerung des Shareholder Value durch Kaufangebote ist die Auxly Cannabis Group (WKN:A2JNSX). Auxly ist in erster Linie ein Lizenzunternehmen im Cannabisbereich. Sie stellt den Landwirten, die expandieren wollen, im Voraus Kapital zur Verfügung und erhält im Gegenzug für einen längeren Zeitraum einen Prozentsatz der Produktionserträge, der unter dem Marktpreis liegt.

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