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Trendwechsel im DAX oder doch nur Trendbruch?

Gastautor: Sven Weisenhaus
07.08.2018, 12:15  |  1056   |   |   

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

aktuell befinden wir uns im Sommerloch und die Ferien haben überall bereits begonnen. Natürlich sind auch viele Trader und institutionelle Investoren im Urlaub. Dadurch verringern sich die Kursschwankungen oder werden „unerklärlich“ volatil. So oder so verschlechterte sich aber die Qualität von Signalen rapide.

Hat uns das Sommerloch erwischt?

Und auch diejenigen, die in dieser Hitze irgendwo die Stellung halten, haben ihre Mühe, Motivation und Konzentration auf dem nötigen Level zu halten. Das gilt genauso für Börsianer wie für alle anderen. Während ich also über das Thema dieser Börse-Intern nachdachte, schreckte mich ein Leser mit folgender Frage auf:

Ist es vermessen, im Dax eine mögliche SKS-Formation zu erkennen?

Natürlich hat jeder Trader den Ehrgeiz, wichtige Chartsignale in den großen Indizes schnell zu erkennen. Dabei handelt es sich bei einer SKS (Schulter-Kopf-Schulter-Formation) zweifellos um eine der wichtigsten Formationen überhaupt. Es wäre also ein wahres Trauerspiel, wenn die geballte Börsenkompetenz von Stockstreet diese SKS im DAX nicht erkannt hätte!

Glücklicherweise schickte der besagte Leser einen entsprechenden Chart mit und so war schnell klar, was er meinte. Und noch glücklicher war, dass wir diese SKS tatsächlich auch auf dem Schirm hatten. Denn bereits Ende April warnte Sven Weisenhaus an dieser Stelle vor dieser möglichen SKS (siehe Börse-Intern vom 26.04.2018). Zu jener Zeit entstand gerade die rechte Schulter.

Die Auferstehung einer SKS

Doch eine baldige Vollendung dieser SKS wurde Anfang Mai durch einen dynamischen Anstieg im DAX zerschlagen. Entsprechend wurde die SKS zu den Akten gelegt. Ist sie nun aber vielleicht wieder auferstanden? Schauen wir uns dafür zunächst den weitgehend „nackten“ Chart an:

DAX-Monatsschart ab 2009 (1)

Als die April-Analyse entstand, waren die linke Schulter („S“) und der Kopf („K“) bereits vorhanden. Die rechte Schulter bestand nur aus der linken Flanke, wobei sich der Kurs nach dem Tief vom März (siehe Pfeil) noch unterhalb der gestrichelten blauen Linie befand. Diese Linie verläuft parallel zur Nackenlinie (blaue durchgehende Linie), die auch damals schon ermittelt werden konnte.

Idealerweise verläuft die Nackenlinie dabei waagerecht. Bei einer SKS ist es aber auch möglich, dass sie wie in diesem Fall leicht geneigt ist. Dann müssten aber auch die Hochs der beiden Schultern ebenfalls schief und etwa parallel zur Nackenlinie stehen. Dieses Kriterium wurde mit dem Anstieg des DAX im Mai spätestens oberhalb der 13.000-Punkte-Marke zunichte gemacht.

Kriterien einer SKS nicht erfüllt

Ganz Unrecht hat der Leser aber dennoch nicht. Denn der Anstieg hielt nicht an, sondern der DAX zeigte erneut Schwäche und fiel. Dadurch lässt sich nun abermals eine SKS-Formation erkennen – genauer: eine SKS-ähnliche Formation. Damit man von einer echten SKS-Formation sprechen kann, fehlen noch einige wichtige Kriterien, wie die Parallelität von Nacken- und Schulterlinie. Darunter leidet auch die Symmetrie der Formation insgesamt, was ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für eine regelgerechte SKS ist!

Zudem passt das Volumen (siehe unterer Chartteil) als eines der wichtigsten Kriterien bei einer SKS überhaupt nicht zur Theorie. Denn idealerweise sollte der Volumenanstieg während der Bildung der linken Schulter größer sein als alle vorherigen im Bullenmarkt. Dies ist hier nicht der Fall (siehe linker gelber Bogen) und weckte bereits im April Zweifel an eine SKS. Ein wirkliches Ausschlusskriterium ist aber ganz eindeutig das sehr hohe Volumen in der rechten Schulter (siehe rechter gelber Bogen).

Fazit: Diese Formation ist definitiv keine SKS!

Man muss unterscheiden

Können wir deshalb also das mögliche baldige Ende des Bullenmarkts ausschließen? Nein, denn hier muss man die Dinge klar unterscheiden: Bei einer SKS handelt es sich um eine Formation, nach deren Vollendung eine rund 90%-ige Wahrscheinlichkeit besteht, dass das Kursziel der SKS erreicht wird (siehe dazu den o.g. Beitrag vom April). Auch eine SKS-ähnliche Formation kann eine Top-Formation sein. Jedoch ist diese für das Trading keineswegs so zuverlässig, weil zum einen ihre Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich niedriger und zum anderen diese nicht exakt bestimmbar ist.

Somit müssen wir diese mögliche Top-Formation dennoch aus langfristiger Sicht ernst nehmen. Dabei hilft uns diesmal aber nicht das einfache Kriterium der Vollendung einer SKS (Durchbruch durch die Nackenlinie nach unten). Stattdessen müssen wir zur Bewertung der Lage weitere charttechnische Hilfsmittel benutzen. Im Folgenden also nochmal der gleiche Chart mit einigen weiteren Elementen:

DAX-Monatsschart ab 2009 (2)

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