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Fünf Gründe, warum die Deutsche-Telekom-Aktie seit 1996 kaum gestiegen ist

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
08.08.2018, 08:14  |  284   |   |   

1996 ging die Deutsche Telekom (WKN: 555750) für 28,50 DM (heute 14,57 Euro) an die Börse. Vier Jahre später stand die Aktie bei umgerechnet über 103 Euro (März 2000). Und heute notiert sie bei 13,76 Euro (Stand: 13.07.2018), also unter dem ursprünglichen Ausgabekurs.

Wie ist das möglich?

Es muss schon sehr viel zusammengekommen sein. Wie nachfolgend aufgeführt, glaube ich, dass fünf Punkte dafür entscheidend sind. Daran kannst du zukünftig schlechte Aktien erkennen.

Zudem wirst du erfahren, wie es heute um das Wertpapier steht.

1. Zu teure Börsengänge

Oft können es viele Anleger nicht abwarten und kaufen eine Aktie direkt nach einem Börsengang. Aber wenn sie genau analysierten, was ein Unternehmen mit einem Börsengang bezweckt, würden sie etwas skeptischer sein.

Meist finden Börsengänge während steigender Börsen statt. Alle Anleger sind zufrieden und neue Aktien werden in der Regel besser angenommen. Ziel ist es, einen möglichst hohen Preis für die neuen Anteilsscheine zu erzielen. So nimmt das Unternehmen viel Geld ein und die beteiligten Banken verdienen auch mehr. Die Aktionäre haben dabei meist das Nachsehen.

1996 war der Ausgabepreis der T-Aktie noch in Ordnung, aber 1999, beim 2. Börsengang zu umgerechnet 39,50 Euro und im Jahr 2000 bei 66,50 Euro, nicht mehr. Einst sollten auch alle vier Töchter T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems an die Börse gebracht werden. Gelungen ist dies nur noch bei T-Online im April 2000 zu ebenfalls sehr hohen Bewertungen.

Analysiere deshalb immer sehr genau. Kannst du die Zahlen der letzten zehn Jahre einsehen und, vor allem, wie ist die Bewertung? Fehlt etwas, solltest du lieber abwarten, bis alles vorhanden ist.

2. Die Monopolstellung konnte nicht gehalten werden

Als Staatsbetrieb war einst die gesamte deutsche Telekommunikation in einer Hand. Mit dem Börsengang kamen dann aber Klagen auf, die eine Chancengleichheit forderten. So begann 1998 mit der Einführung des Telekommunikationsgesetzes der Verfall des Monopols. Zudem wurde die Bundesnetzagentur gegründet, die die Chancengleichheit überwacht. Das Breitbandkabelnetz musste auf Druck der EU von 1999 bis 2003 verkauft werden.

Die Deutsche Telekom konnte also nur Marktanteile verlieren. Gewinner waren hingegen Unternehmen wie United Internet (WKN: 508903).

3. Starke Staats- und schwache Managementbeteiligung

Der Konzern war einst ein Staatsunternehmen und wurde 1995 aus der Bundespost ausgegliedert.

Heute ist der Staat immer noch zu etwa 31,9 % beteiligt. Es scheint kein Zufall zu sein, dass überall, wo er stärker beteiligt ist, wenig Mehrwert für die Aktionäre geschaffen wird. Eine größere Beteiligung der Manager fehlt hingegen. Meist entwickeln sich solche Unternehmen nicht gut, weil das Eigeninteresse nicht mit dem Wohl des Unternehmens gekoppelt ist.

Dazu passen die sehr teuren Käufe der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 sowie die Übernahme der amerikanischen Voicestream und Powertel im Jahr 2001. Ein Unternehmer würde sich immer fragen: Ist dies nicht zu teuer? Aber bei managergeführten Unternehmen, so meine Vermutung, scheint der Preis nicht so wichtig zu sein.

Dieses Kriterium (genügende Managementbeteiligung) sollte also auf deine Aktiencheckliste. Wenn du nur darauf achtest, wirst du schon sehr gute Unternehmen finden und den Unterschied zu managergeführten Firmen erkennen.

4. Bewertung spielt eine Rolle

1996 wurde die Aktie zu 28,50 DM ausgegeben. Dies entsprach mit den Zahlen aus dem Jahr 1995 einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,4. Das ist relativ normal. Zum Höchststand der Aktie bei umgerechnet 103,5 Euro im Jahr 2000 lag es hingegen schon bei 7,3. Grund für diesen starken Bewertungsanstieg waren die steigenden Gewinne und die entfachte Euphorie. Meist steigt der Kurs dann sehr viel stärker als die Gewinne, fällt aber auch stärker, wenn sie sinken. Die Kurse bewegen sich also meist irrational. Und heute liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis wieder bei 2,0. Wieder nicht zu teuer.

Gut, aber warum ist die Aktie in der Summe nicht gestiegen, wenn die Bewertung 1996 und heute (2018) etwa gleich ist.

5. Der operative Gewinn ist kaum gestiegen

Es kann nur an den Ergebnissen liegen, denn langfristig folgt der Kurs den Gewinnen. 1995 lag der Gewinn umgerechnet bei 2.696 Mio. Euro und im Jahr 2000 bei 6.015 Mio. Euro, 2017 dann bei 5.551 Mio. Euro. 2017 fiel er allerdings nur aufgrund eines Steuereffektes etwas höher aus. Operativ war er im Vergleich zu 2016 (3.104 Mio. Euro) nur leicht gestiegen.

Verglichen mit 1995 ist also in Summe kaum eine Steigerung zu verzeichnen. Und genau dies ist die Rendite, die ein Langfristanleger auch erzielt hätte.

Erkennen kannst du die schwache Entwicklung der Erträge auch an der Steigerung der Dividende je Aktie. So weist die Deutsche Telekom seit jeher eine hohe Dividendenrendite aus, aber die Ausschüttung je Aktie ist kaum gestiegen. Wenn du also Dividendenwerte magst, solltest du prüfen, ob die Dividende je Aktie kontinuierlich steigt.

Über die letzten zehn Jahre hat sich die Deutsche Telekom allerdings tapfer gehalten. Der Umsatz wuchs mit einer Rate von 2,2 %, der Gewinn sogar mit 9,7 % pro Jahr. Weil die Gewinne aber stark schwanken, ist der Umsatz aussagekräftiger.

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Umsatz in Mio. Euro 61.700 64.600 62.400 58.653 58.169 60.132 62.658 69.228 73.095 74.947
Gewinn in Mio. Euro 1.500 400 1.700 557 -5.255 930 2.924 3.254 2.675 3.461

Quelle: Geschäftsberichte

Wie steht es heute um die Deutsche Telekom?

Über die Jahre hat sich die Deutsche Telekom gefangen. Sie ist zu einem langsam wachsenden großen Unternehmen geworden. Das US-Geschäft läuft und die Schulden haben sich normalisiert. Und jetzt, wo die ganze Euphorie entwichen ist, ist die Aktie meiner Meinung nach auch nicht mehr teuer. Vielleicht hat sie nun eine bessere Perspektive.

Um aber langfristig ein gutes Investment zu werden, müsste das Unternehmen stärker wachsen, was schwer möglich ist. Ansonsten könntest du wiederum meiner Meinung nach nur kurzfristig von der aktuell günstigen Bewertung profitieren.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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