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Wirtschaftskrise Durch Erdogans Uneinsichtigkeit: "Die Türkei steht auf dem Spiel"

08.08.2018, 16:52  |  7557   |   |   

Finanzexperten für Schwellenländer überall auf der Welt empfehlen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan immer eindringlicher, seine Zinspolitik zu ändern. Doch der Präsident bleibt noch stur.

"Die Türkei steht auf dem Spiel", fasst Tim Ash, Senior Emerging-Market-Stratege bei BlueBay Asset Management in London, die wirtschaftliche Situation in der Türkei vor Bloomberg-Journalisten zusammen. So steht der türkische Präsident Erdoğan vor immer größer werdenden Problemen der Wirtschaft seines Landes: Die Preise steigen infolge der grassierenden Inflation immer weiter, türkische Unternehmen kämpfen, um Schulden in US-Dollar und Euro zu bedienen und die türkische Landeswährung Lira (TRY) verfällt jeden Tag ein bisschen mehr.

Die meisten Investmentmanager, die die Lage in Schwellenländern analysieren, raten als Gegenmittel zur Anhebung der Leitzinsen durch die türkische Zentralbank. Diese müsse die Zinsen um mehr als 500 Basispunkte (fünf Prozent) anheben, wenn sie es mit der Eindämmung der Wirtschaftskrise ernst meine, raten Experten der südafrikanischen Investmentfirma Investec Asset Management, die von Bloomberg-Journalisten zitiert werden.

"Sie müssen die Schrauben richtig anziehen und die Leitzinsen auf mindestens 23 Prozent anheben", so Werner Gey van Pittius, Co-Leiter von Emerging Markets Fixed Income beim Investmenthaus Investec, das 145 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten verwaltet. "Sonst erholt sich nichts", meinte Van Pittius.

Doch Staatschef Erdogan lehnt hohe Zinsen entschieden ab. Er hält nichts von der Meinung der Mehrzahl der Ökonomen, dass die türkische Wirtschaft überhitzt sei und dringend ein langsameres Wachstum benötige, was durch höhere Zinsen eingeleitet werden könnte.

Die türkische Zentralbank belässt den Leitzins derzeit auf 17,75 Prozent. Bei ihrem letzten Treffen verzichteten die Zentralbanker - wahrscheinlich aufgrund des Drucks ihres Präsidenten Erdoğan - auf eine Zinsanhebung.

Cristian Maggio, Leiter der Emerging Market Strategie bei der Toronto-Dominion Bank (TD) Securities in London, meint in Bezug auf die türkischen Leitzinsen sogar: "Lasst die Zinsen bis in den Bereich von 30 Prozent ansteigen", wird der Schwellenländer-Experte von Bloomberg-Journalisten zitiert.

Einige Kenner der türkischen Finanzmärkte hoffen jetzt, dass Erdogan letztendlich doch die Stärke haben wird und pragmatisch gegen seine bisherigen zinspolitischen Überzeugungen entscheiden kann. "Meine beste Vermutung ist, dass er der Zentralbank erlaubt, die Zinsen zu erhöhen", sagte William Jackson, Chefökonom bei Capital Economics in London, laut Bloomberg.

Quelle:

Bloomberg

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