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Marktkommentar Juli 2018

Gastautor: mack-weise
09.08.2018, 09:22  |  496   |   |   

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die internationalen Notenbanken die Zinsen auf den tiefsten Stand seit 5.000 Jahren abgesenkt, und finanzieren die inzwischen weltweit exponentiell wachsenden Schuldenberge auch noch per Inflationspolitik. Da die „Währungshüter“ mit dieser historisch beispiellosen Geldpolitik immer größere Risiken für die Stabilität des heutigen Finanzsystems erzeugen, haben wir die Investitionen in unseren Fonds in den letzten Jahren immer stärker auf Edelmetalle und Edelmetallminenaktien fokussiert.

Geldpolitik Fed:

Laut Handelsministerium wuchs die US-Wirtschaft im 2. Quartal mit einer realen Jahresrate von 4,1%, was US-Präsident Trump als „wirtschaftliche Wende von historischer Dimension“ bejubelte. Zwar konnte die US-Wirtschaft seit ihrem Rezessionstief Mitte 2009 in den nachfolgenden Jahren bis Mitte 2018 um insgesamt knapp 3.400 Mrd. USD wachsen, doch hat die Regierung der größten Volkswirtschaft der Welt dafür auch … 9.650 Mrd. USD (an neuer Staatsverschuldung) aufbringen müssen. Angesichts dieses krassen Missverhältnisses kann die zugleich auch noch schwächste Wirtschaftserholung nach einer schweren Krise kaum Grund für Euphorie bieten. Vielmehr zeigt ein Blick auf die durch ShadowStats ermittelte realistischere Preissteigerungsrate, die rund doppelt so hoch wie die offiziell zugegebene ist, dass die US-Wirtschaft in Wirklichkeit seit Jahren real … schrumpft! Mit der auch offiziell auf nunmehr 2,9% p.a. gestiegenen Inflationsrate bekräftigte die Fed in diesem Jahr weitere „graduelle Zinserhöhungen“ vornehmen zu wollen, was natürlich auch den Druck auf die inzwischen mit über 21.300 Mrd. USD verschuldete Regierung erhöhen wird. Damit stellt sich Fed-Chef Powell, der die US-Finanzpolitik „auf einem unhaltbaren und weiterhin nicht nachhaltigen Weg“ sieht, jedoch gegen US-Präsident Trump, der ja Amerika mittels einer Neuverschuldung in Höhe von jährlich einer Billion USD und mehr „great again“ machen will. Zwar sagte Trump in Richtung Fed, „ich lasse sie machen, was sie für das Beste halten“, doch was wird passieren, wenn das „Beste“ seinen Interessen deutlich zuwiderlaufen sollte?

US-Aktienmärkte: Im ersten Quartal „investierten“ die S&P500-Unternehmen mit 189 Mrd. USD so viel wie noch nie zuvor in gewinn- und kurspflegende Aktienrückkäufe, die sich seit Beginn der Aktienrallye im März 2009 damit auf nunmehr über 4.000 Mrd. USD addieren! Da im 2. Quartal weitere Rückkäufe in Höhe von 437 Mrd. USD angekündigt wurden, kann es kaum verwundern, dass auch die Wertpapierspekulation „auf Pump“ mit 669 Mrd. USD (05/2018) einen neuen Rekordwert markierte. Aber einmal mehr werden alle Warnzeichen ignoriert, obwohl doch insbesondere die Bewertungen der („Tech“-)Schwergewichte – Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google („FAANG“) – die US-Aktienblase deutlich erkennen lässt. Und obwohl die aktuellen KGVs von Amazon und Netflix (224 bzw. 226) nur an „beste“ dot.com-Zeiten erinnern, avancierten die „FAANGs“ nicht nur unter den US-Hedgefonds zu „Publikumslieblingen“, sondern „Long-FAANG“ ist seit nunmehr sechs Monaten in Folge die beliebteste Idee der US-Fondsmanager. Dass aber in diesem kollektiven Hype große Risiken stecken, verdeutlichte der 24%ige Absturz der Facebook-Aktie nach einem verhaltenen Unternehmensausblick nur allzu deutlich. Diese extreme Volatilität, die sich auch in anderen großen Werten zeigte, droht zur Regel zu werden, wird doch die Marktliquidität durch das grassierende „intelligente“ Robo-Trading immer weiter ausgehöhlt.

Fondsmanager-Kommentar:

Da die USA mittlerweile jeden, der ihren Hegemonialinteressen im Wege steht, sanktionieren, den US-Dollar als Waffe gegen den Rest der Welt verwenden und obendrein auch noch eine abschreckende Schuldenkultur pflegen, „untergraben die USA“, so Russlands Präsident Putin, „das Vertrauen in die Weltreservewährung.“ Dementsprechend intensivierte Russland im Juli den Abverkauf der gehaltenen US-Schuldenpapiere und fügte seinem physischen Goldbestand – zu aktuellen Jahrestiefpreisen – weitere 500.000 Unzen hinzu.

Trotz aller guten fundamentalen Argumente für Gold (negativer Realzins, weiter zunehmende Überschuldungsproblematik, „everything bubble“) ist die Stimmung der Investoren gegenüber dem Edelmetall aktuell so negativ, wie sie zuvor nur bei markanten Marktwendepunkten zu beobachten war.

Hamburg, 03. August 2018

Wertpapier
Gold


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