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Über wie viel Geld verfügt Berkshire Hathaway jetzt gerade?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.08.2018, 10:00  |  404   |   |   

Am Ende des zweiten Quartals teilte Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) mit, dass das Unternehmen über 64,56 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln verfügt, außerdem über 46,54 Milliarden US-Dollar an kurzfristigen Anlagen in US-Bonds (die im Wesentlichen als liquide Mittel angesehen werden können). Dies entspricht einer Summe von 111,1 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von etwa 2,4 Milliarden US-Dollar gegenüber der Summe von 108,6 Milliarden US-Dollar im letzten Quartal entspricht.

Das ist natürlich sehr schön, auch wenn es nicht so aussieht, dass Berkshires Bargeldvorrat massiv angewachsen wäre. Hier aber schnell mal ein Überblick darüber, was genau wir über die Cash-Position des Unternehmens wissen, warum der vielleicht ein Problem ist und wie CEO Warren Buffett und sein Team das Geld nutzen könnten, um weiterhin Werte für die Aktionäre zu schaffen.

Ein großes, großes Sternchen

Man muss unbedingt erwähnen, dass Berkshires Cash-Vorrat besonders gestiegen ist, wenn man eine Geldquelle aus der Rechnung nimmt.

Berkshires Barmittel stiegen im zweiten Quartal um 2,4 Milliarden US-Dollar, aber es ist interessant festzustellen, dass dies genau der Betrag ist, den Berkshire erhielt, als Monsanto (das sich im Aktienportfolio von Berkshire befand) im Laufe des Quartals von Bayer in Deutschland übernommen wurde.

Heißt: Ohne diesen Glücksfall ist Berkshires Cash überhaupt nicht angewachsen. Es zeigt sich, dass alle überschüssigen liquiden Mittel aus dem operativen Geschäft im zweiten Quartal erfolgreich reinvestiert wurden. Und da wir wissen, dass Berkshire in letzter Zeit keine Akquisitionen getätigt hat, kann man davon ausgehen, dass Berkshire während des Quartals ein aktiver Käufer von Aktien war. Tatsächlich deutet der Gewinnbericht des Unternehmens darauf hin, dass Berkshire im Laufe des Quartals verstärkt in Apple investiert hat.

Leider enthalten die Ergebnisberichte von Berkshire keine vollständige und aktualisierte Liste des Aktienpositionen des Unternehmens. Ich würde mich allerdings nicht wundern, dass wir sehen werden, dass Berkshire recht viel reinvestiert hat, sobald kommende Woche die 13-F-Dokumente vorliegen.

Aber warum bitte ist so viel Geld gar nicht gut?

Man darf sich natürlich fragen, warum ich so besorgt bin, dass Berkshire Hathaways Cash-Position wächst. Ist es denn etwa gar nicht gut, über 100 Milliarden Dollar frei zur Verfügung zu haben?

Nicht wirklich.

Natürlich ist zu viel Geld viel besser als nicht genügend Geld, und es ist auf jeden Fall besser als Verbindlichkeiten zu haben. Und bis zu einem gewissen Grad ist es ein Wettbewerbsvorteil, mehr Geld als die Konkurrenz zu haben. Tatsächlich besteht Buffett darauf, jederzeit mindestens 20 Milliarden Dollar in bar zur Verfügung zu haben, um sicher zu gehen, dass Berkshire nie finanziell in Schieflage gerät. So kann ein Unternehmen auch in schwierigen Zeiten bei interessanten Möglichkeiten zuschlagen.

Buffett selber sagt: „Cash ist für ein Unternehmen wie Sauerstoff für einen Menschen: Man denkt nicht dran, aber wenn er fehlt, wird es schwierig.“

Dieses Zitat muss in Anbetracht der aktuellen Liquiditätssituation jedoch abgeändert werden. Denn Berkshire hat so viel Bargeld zur Verfügung, dass Buffett, der stellvertretende Vorsitzende Charlie Munger und Berkshires Aktionäre andauernd darüber nachdenken.

Das Problem ist, dass dieses Plus von etwa 91 Milliarden US-Dollar über dem von Buffett geschätzten Sicherheitsnetz einfach nur da ist und nichts leistet. Gut, die mehr als 46 Milliarden US-Dollar in US-Anleihen bringen derzeit etwa 2 % jährlich ein. Das Bargeld holt also etwas mehr rein als noch vor einem Jahr. Allerdings ist das immer noch eine dürftige Rendite im Vergleich zu dem, was Berkshire durch den Kauf von Unternehmen reinholen könnte.

Buffetts drei Möglichkeiten

Warren Buffett war in der Vergangenheit sehr deutlich, wenn es darum ging, wie er am liebsten Buffetts Cash einsetzen würde.

In erster Linie wird das Geld verwendet, um sicherzustellen, dass alle Kapitalanforderungen der bestehenden Geschäfte des Unternehmens erfüllt werden. Das sollte selbstverständlich sein. Danach jedoch werden immer noch Milliarden von Dollar pro Quartal erwirtschaftet.

Als nächstes erwirbt Buffett gerne vollständige Unternehmen – das aber ist ein Bereich, in dem Berkshire in letzter Zeit kein glückliches Händchen hatte. In der Tat hat Berkshire seit dem Kauf von Precision Castparts im Jahr 2015 keine bedeutende Akquisition getätigt. Buffett ist es also nicht gelungen, die hohen Bewertungen potenzieller Akquisitionsziele zu umgehen. Der Mangel an Akquisitionen ist der Grund, warum Berkshires Cash-Vorräte so stark angestiegen sind.

Nach Erfüllung des aktuellen Kapitalbedarfs und der Suche nach möglichen Akquisitionen ist Buffett letztlich bereit, das Kapital von Berkshire an die Börse zu bringen. Das Unternehmen verfügt über ein riesiges Aktienportfolio und hat in den letzten Quartalen einige Erfolge bei der Suche nach attraktiven Aktienanlagen erzielt, aber nicht in einem Maße, dass es große Auswirkungen auf den Cash-Bestand gehabt hätte.

Die neue Chance

Am Ende ist Buffett dann bereit, das Geld von Berkshire zum Rückkauf von Aktien zu verwenden. Das einzige Problem dabei ist, dass er dies bis vor kurzem gar nicht tun durfte, es sei denn, die Aktien wurden für weniger als 120 % des Buchwerts gehandelt.

Der Vorstand von Berkshire hat jedoch kürzlich den Rückkaufplan geändert. Jetzt kann das Unternehmen jederzeit Aktien zurückkaufen, wenn sowohl Buffett als auch der Vizepräsident Charlie Munger zustimmen, dass es für weniger als seinen „gefühlten Wert“ gehandelt wird. Es gibt weder ein Limit, wie viele Aktien sie nach dieser Bestimmung zurückkaufen können, noch gibt es eine zeitliche Begrenzung.

Es bleibt abzuwarten, ob Berkshire tatsächlich Aktien zurückkauft. Nach allem, was wir derzeit wissen, könnten Buffett und Munger annehmen, dass die Aktie zu teuer ist. Dies stellt Buffett und seinem Team jedoch ein weiteres Werkzeug zur Verfügung, mit dem sie ihr Luxusproblem angehen können.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Berkshire Hathaway.

Dieser Artikel von Matthew Frankel erschien am 7.8.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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