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Lira auf Rekordtief - Streit zwischen Türkei und USA verschärft sich

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
12.08.2018, 14:36  |  1001   |   |   

ISTANBUL/WASHINGTON (dpa-AFX) - Im Streit zwischen dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Donald Trump hat sich der Ton stark verschärft - mit schweren Folgen für die türkische Wirtschaft. Erdogan sprach in mehreren kämpferischen Reden von "Kampagnen" gegen das Nato-Mitglied Türkei und einem "Wirtschaftskrieg". In einer Ansprache in Rize am Schwarzen Meer sagte er am Samstag, die Kugeln, Granaten, Raketen in diesem Krieg seien "Dollar, Euro oder das Gold". Er drohte damit, denen "die Hände zu brechen, die diese Waffen abfeuern".

Im Laufe des Freitags war die Landeswährung Lira teilweise um fast 20 Prozent eingebrochen. Für einen Dollar wurden zeitweise 6,87 Lira fällig. Insgesamt hat die Währung seit Jahresbeginn zum Dollar mehr als 70 Prozent an Wert verloren, zum Euro rund 61 Prozent.

Trump hatte zuvor angekündigt, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei zu verdoppeln - Hintergrund ist der Konflikt um die Festsetzung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson in der Türkei wegen Terrorvorwürfen.

In einem Gastbeitrag in der "New York Times" warf Erdogan dem Nato-Partner USA Respektlosigkeit vor. Sollte das so weitergehen, werde seine Regierung damit beginnen, "nach neuen Freunden und Verbündeten zu suchen", schrieb Erdogan. Damit meint er unter anderem Russland - wo das nächste Treffen kurz bevorsteht. Am Montag und Dienstag ist der russische Außenminister Sergej Lawrow in Ankara zu Besuch. Nach Informationen aus dem Außenministerium in Ankara steht dann unter anderem ein Treffen mit Minister Mevlüt Cavusoglu auf dem Programm.

Erdogan dementierte am Wochenende mehrmals, dass die türkische Wirtschaft in einer Krise stecke. "Das ist keine Wirtschaft, die bankrott geht, die untergeht oder die durch eine Krise geht", sagte er in der Ansprache in Rize.

Türkische Wirtschaftsbosse, von denen bisher viele zu seinen Unterstützern zählen, sehen das aber zum Teil anders. Die Zeitung "Sabah" zitierte den Chef der Istanbuler Industriekammer, in der einige der wichtigsten Industriellen des Landes organisiert sind, mit der Bitte um dringende Maßnahmen der Regierung. Der Lira-Verfall riskiere die finanzielle Stabilität des Landes.

Erdogan bestand am Wochenende allerdings weiterhin auf seiner umstrittenen Meinung: Die Lösung sei, die Zinsen zu senken und mehr zu produzieren. Der Präsident liegt damit seit Jahren diametral entgegengesetzt zur gängigen Wirtschaftslehre, wonach Zinserhöhungen die Währung stärken und die Inflation bekämpfen. Die hat in der Türkei inzwischen die 15-Prozent-Marke überstiegen.

Mit der Wiederholung dieses von Investoren und Märkten viel kritisierten Credos sabotierte der Staatspräsident gleichzeitig ein Maßnahmenpaket zur Rettung der angeschlagenen Wirtschaft, das sein Schwiegersohn und Finanzminister Berat Albayrak am Freitag in Ankara vorgestellt hatte. Das "neue Wirtschaftsmodell", das Märkte und Investoren beruhigen sollte, blieb allerdings vage - was den Absturz der Lira weiter beschleunigte. Mittlerweile wird nach Einschätzung einiger Analysten an den Märkten schon die Möglichkeit einer Staatspleite der Türkei durchgespielt.

Verantwortung für die Krise übernahm Erdogan nicht. Stattdessen erhob er die USA und den Westen zum Feindbild. "Sie bedrohen uns", sagte Erdogan am Samstag in der Schwarzmeerprovinz Ordu mit Blick auf die USA. Die Türkei werde aber nicht nachgeben: "Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen." In einer anderen Ansprache hatte er die Menschen um Zusammenhalt gebeten. Solidarität sei die beste Antwort auf die Kampagnen des Westens.

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