Abwertung „Inflation ist wie Nikotin oder Alkohol…“

Gastautor: Markus Richert
12.08.2018, 21:21  |  1076   |   |   

Inflation ist wie Nikotin oder Alkohol. In kleinem Maße ist es stimulierend, man darf nur kein Kettenraucher oder Alkoholiker werden.” So treffend brachte die Börsenlegende André Kostolany die Verlockungen der Inflation auf den Punkt.

Die Konsequenzen einer aus dem Ruder laufenden Inflation erleben die Venezolaner seit Jahren hautnah. In der letzten Woche prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) für Venezuela im laufenden Jahr eine Inflationsrate von einer Million Prozent. Der IWF verglich die Zustände mit jenen Deutschlands in der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg. Das ölreichste Land der Welt steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. In solchen Extremsituationen wird wieder einmal deutlich, dasPapiergeld eben nur bedrucktes Papier ist.

Inflation das Paradies der Schuldner

Inflation hätte die Europäische Zentralbank (EZB) auch ganz gerne. Vermutlich nicht in Höhe von einer Million Prozent, aber zwei Prozent dürften es schon sein. Seit der letzten Finanzkrise versucht die EZB durch eine finanzielle Repression nie gesehen Ausmaßes die Folgen der Krise zu bewältigen. Schließlich ist Inflation das Paradies der Schuldner und an Schulden herrscht in den Bilanzen der europäischen Staaten derzeit kein Mangel.

Im Umkehrschluss ist Inflation aber auch die Hölle der Gläubiger und das sind zu einem großen Teil die konservativen Sparer, die ihr Kapital inStaatsanleihen sicher und rentabel anlegen wollten. Für bundesdeutsche Sparer sind negative Realzinsen schon seit einiger Zeit Realität. Zu einem wirklichen Wechsel zu ertragsreichen Anlagen hat diese Situation allerdings noch nicht geführt. Die Furcht vor den Schwankungen des Aktienmarkts scheint für eine Mehrheit der Anleger immer noch zu überwiegen. In den letzten Jahren hielt sich der Kaufkraftverlust durch Inflation auch noch in Grenzen. Aber irgendwann wird die Saat der Finanzrepression aufgehen. Spätestens dann wird es für so manchen Anleger teuer.

Alternative zum Kapitalismus –Freiwirtschaftslehre

Durch die derzeitige Politik der EZB wird in Deutschland plötzlich Realität, was vor gut 100 Jahren von dem deutschen Sozialreformer Silvio Gesell (1862-1930), Begründer der Freiwirtschaftslehre, als Ansatz für ein gerechtes Wirtschaftssystem propagiert wurde. Sein wesentlicher Vorschlag bestand darin, das Geld mit einer Art eingebautem Wertverlust zu versehen, sozusagen einer Art automatischer Inflation. Das so genannte „Schwundgeld“ war geboren. Ironischerweise liegt der Geburtsort seiner Idee auch in Südamerika. Nicht in Venezuela, sondern in Argentinien. Dorthin war Gesell ausgewandert und mit einem Importunternehmen für medizinisches Gerät zu einigem Wohlstand gelangt. Um 1890 jedoch brach in Argentinien eine schwere Wirtschaftskrise aus. Steigende Arbeitslosigkeit führte zu Unruhen. Diese Ereignisse führten dazu, dass sich Gesell über die Ursachen von Inflation und Deflation, von ungerechter Verteilung und Arbeitslosigkeit Gedanken machte. Als Autodidakt entwickelte er in den folgenden Jahren eineAlternative zum Kapitalismus – die sogenannte Freiwirtschaftslehre.

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