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Der kranke Mann vom Bosporus Löst Erdogan wirklich einen großen Crash der Banken aus?

Gastautor: Volker Glaser
19.08.2018, 00:15  |  2515   |   |   

Die außenwirtschaftliche Lage in der Türkei spitzt sich weiter zu. Nach dem dramatischen Verfall der Lira, die auf einem Rekordtief gegenüber Euro und Dollar notiert, drohen dem Land zunehmend negative Folgen. Auf den tönernen Koloss vom Bosporus in Gestalt von Präsident Erdogan hatte ich an dieser Stelle bereits warnend am 25. Juni 2018 hingewiesen. Unabhängig von der noch vorhandenen hohen Popularität bei seinen Landsleuten, gelten auch für den de facto Alleinherrscher die wirtschaftlichen Gravitationskräfte. Und bedeutet eine schwache Inlandswährung zwar gewisse Vorteile im Export eigener Produkte, verteuern sich doch Auslandsimporte (die Türkei ist Nettorohstoffimporteur) aufgrund des Leistungsbilanzdefizites erheblich.

Die Nettoauslandsverschuldung wird von der mit der Lage überfordert wirkenden Notenbank mit rund 291 Mrd. US-Dollar (rund 35 % des Bruttoinlandsproduktes) angegeben. Die Inflationsrate ist hoch (über 15 %), die kurzfristigen Zinsen von etwa 18 % können das nicht wirklich ausgleichen. Für Währungs- oder Zinsinvestments scheidet die Türkei unter diesen Gesichtspunkten völlig aus. Gottlob sind hiesige Banken mit rund 20 Mrd. Euro Kreditforderungen nicht ganz so stark exponiert wie manch andere Nation. Ein Kollaps der Lira und der Türkei wäre hart, aber zu verkraften, und es würde kein neues Kapital in der Causa EU-Bankenkrise aufgeschlagen werden. Spekulative Long-Trades in Währung, Aktienmarkt und Bondtiteln sind nur etwas für Hasardeure! Meiden Sie auch weiterhin den kranken Mann vom Bosporus.

www.vorstandswoche.de

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Kommentare

Ich glaube der Rest der Welt verkraftet die wohl anstehende Pleite am besten wenn sie sich da raus hält.
Außerdem verbietet er sich doch immer Gesten- und Wortreich jegliche Einmischung.

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