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neues deutschland Ökonom Hickel: Griechenland ist noch nicht aus der Krise

Nachrichtenagentur: news aktuell
19.08.2018, 08:11  |  353   |   |   
Berlin (ots) - Der Ökonom Rudolf Hickel hält die wirtschaftliche
Lage Griechenlands weiterhin für prekär. "Griechenland kehrt in die
viel zu wenig ökonomisch vorbereite Abhängigkeit der Finanzmärkte
zurück", sagte Hickel anlässlich des Endes des dritten Kreditprogramm
für Athen der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues
deutschland" (Montagausgabe). Das in diesem Jahr erwartete
Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent und die nach wie vor hohe
Arbeitslosigkeit von fast 20 Prozent ließen eine eigenständige
Zahlungsfähigkeit für neue Kredite in den nächsten Jahren nicht
erwarten. Den Grund für die weiterhin schlechte Lage sieht Hickel in
der von den Geldgebern "aufoktroyierten Austeritätspolitik". "Von
2008 bis 2016 sind die Staatsausgaben um 30 Prozent gekürzt worden.
Das hieß Abbau des öffentlichen Dienstes, Lohnkürzungen, Reduktion
sozialer Leistungen bis hin zur medizinischen Unterversorgung. Und
dazu kam noch die Privatisierung nach dem Prinzip des Rosinenpickens
für Investoren aus dem Ausland", so der Bremer
Wirtschaftswissenschaftler. Durch dieses Spardiktat sei die
Wertschöpfung der privaten Unternehmen seit 2007 um knapp 38 Prozent
geschrumpft. Getroffen habe dies insbesondere die Kleinstunternehmen,
die 60 Prozent zur Wertschöpfung beigetragen hatten. Heute lebe jeder
dritte Grieche in Armut. "Diese Kreditvergabe mit Austeritätspolitik
ist ein erneuter Beleg für den Mega-Irrtum des Neoliberalismus", so
Hickel. Jedoch hält der Ökonom den Kreditgebern zu Gute, Griechenland
mit den Kreditprogrammen von den Finanzmärkten abgekoppelt zu haben.
Auf dem Höhepunkt der Krise sei dort massiv auf die Pleite des Landes
gewettet und damit viel Geld verdient worden. "Derartige
Spekulationsgeschäfte gegen einen Staat der Eurozone hatte ich vor
2010 nicht für möglich gehalten", erklärt Hickel. So sei eine Lehre
der Krise bekanntlich auch, "dass man im Euroland eine
Währungsinstitution braucht, die so etwas künftig verhindern kann,
weshalb der ständige Eurorettungsschirm ESM geschaffen wurde".

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