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Griechenland – kein Grund für Jubelgesänge

Gastautor: Friedrich & Weik
20.08.2018, 10:34  |  2301   |   |   

Längst scheint vergessen zu sein, dass Griechenland den Eintritt in die Eurozone erschlichen hat. Hierzu dienten manipulierte Daten (sogenannte Zinstausch (Swap)-Geschäften die griechischen Defizitzahlen zu verschleiern) und die Hilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs, deren Vizepräsident damals in Europa interessanterweise Mario Draghi hieß. Jetzt verkünden Europäische Politiker freudig, dass es in dem faktisch bankrotten Staat aufwärts geht und Griechenland nicht mehr auf Hilfe angewiesen ist und den Rettungsschirm verlässt. EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici frohlockte sogar: „Die griechische Krise ist heute Abend vorbei“. Ist dies tatsächlich der Fall, oder ist der Sachverhalt doch ein anderer? Steht das Land tatsächlich so positiv da, wie uns von der Politik suggeriert wird? Wird der Steuerzahler von der Politik abermals hinters Licht geführt? Schauen wir uns die Fakten an:

Seit 2010 musste der Mittelmeerstaat mehrfach durch die Euro-Partner und den Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem Staatsbankrott gerettet werden. Insgesamt bekam Griechenland seitdem fast 274 Milliarden Euro. Athen musste im Gegenzug für die Bevölkerung furchtbar schmerzhafte Reformen umsetzen. Wir sagen knallhart: Das Land wurde kaputt gespart. Am 20. August 2018 endet das dritte griechische Hilfsprogramm mit einem Gesamtvolumen von 86 Milliarden Euro. Ausgezahlt wurden davon bisher 46,9 Milliarden Euro.

Ex-Bundesfinanzminister Schäuble als Lügner enttarnt

Mit dem Versprechen, dass der IWF auch bei eben diesem dritten Hilfspaket für Athen mitmacht und eine finanzielle Beteiligung des IWF "unverzichtbar" sei, hat der ehemalige Finanzminister und aktuelle Präsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble die Griechenland-Hilfen durch den Bundestag gebracht. Jetzt laufen sie bald aus und es stellt sich heraus: Schäuble hat die Öffentlichkeit dreist belogen. Der Bundestag hat dem dritten Hilfspaket lediglich in der Erwartung zugestimmt, dass sich der IWF daran beteiligt. Der IWF glaubt jedoch den Euro-Optimisten offensichtlich schon lange nicht mehr. Dieser geht berechtigterweise davon aus, dass Griechenland ohne einen Schuldenschnitt nicht mehr wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt. Beim IWF hat sich seit Längerem die Erkenntnis durchgesetzt, dass man schlechtem Geld kein gutes Geld mehr hinterherwerfen sollte. Folglich ist auch kein weiteres Geld mehr vom IWF geflossen. Aber dies ist nicht die erste Lüge von Bundestagspräsident Schäuble in der Causa Griechenland. Schon 2012 verkündete er lautstark: "Es wird kein zweites Rettungspaket für Griechenland geben.“ Griechenland hat im Enddefekt sogar drei davon bekommen und wir sind uns sicher auch ein viertes Paket wird kommen.

Jetzt soll abermals Geld nach Athen fließen. Deutschland und die übrigen Europartner einigten sich auf eine „letzte“ Milliardentranche an Athen in Höhe von 15 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm zum Aufbau eines Finanzpuffers. Obendrein muss Griechenland mit der Schuldenrückzahlung aus dem zweiten Hilfsprogramm zehn Jahre später beginnen. Ursprünglich hätte Griechenland im Jahr 2023 die ersten Raten zurücküberweisen müssen. Dies ist nichts weiter als ein verkappter Schuldenschnitt. Auf Grund der Inflation wird der einst vergebene Kredit wird im Laufe der Jahre immer weniger wertvoll. Beispielsweise entwertet einen relativ niedrige Inflationsrate über 10 Jahre in Höhe von 1,5 Prozent einen Kredit um knapp 14 Prozent. Ein Schuldschein in Höhe von einer Milliarde Euro wäre dann nur noch rund 860 Millionen Euro wert.

Acht Jahre lang benötigte Griechenland Notkredite, um seine Ausgaben finanzieren zu können und jetzt soll alles besser sein?

Politik und Presse überschlagen sich mit Jubelmeldungen bezüglich eines Aufschwungs in Griechenland

Griechenland verzeichnet inzwischen wieder ein Wirtschaftswachstum (1,7 Prozent in 2017) und einen Haushaltsüberschuss von 0,8 Prozent. Man geht davon aus das Griechenland ab sofort wieder Kredite auf dem freien Finanzmarkt aufnehmen kann. Auf die Konditionen und die Anzahl der Interessenten sind wir mehr als gespannt.

Woher kommt das „angesparte“ Geld des griechischen Staates? Ein Teil davon gewiss von Steuereinnahmen sowie vom Veräußern von Volkseigentum. Wichtige Teile der griechischen Infrastruktur wurden privatisiert  (Fraport hat z.B. mehrere Flüghäfen übernommen) und somit ein für alle Mal aus den Händen des griechischen Staats. Ein anderer Teil weil Renten noch nicht oder nur teilweise ausbezahlt wurden und weil der Staat viele Leistungen an seine Bürger nicht erbracht hat. Ferner wurden griechische Renten bereits um 60 Prozent (!) gekürzt. 2019 werden sie erneut gekürzt werden. Was wäre bei uns im Land los, wenn der Staat zu solchen Maßnahmen greifen würde?

Wie steht es tatsächlich um Griechenland?

Die griechische Bankenlandschaft befindet sich immer noch in einem besorgniserregenden Zustand. Die sogenannten „non-performing loans“ (NPLs) (Kredite, welche seit mehr als 90 Tagen nicht mehr bedient werden) liegen im Schnitt bei 48,5 Prozent aller Kredite - hiervon waren im ersten Quartal 2018 knapp 43,9 Prozent der Immobilienkredite, 57,2 Prozent der Konsumentenkredite und 49,6 Prozent der Unternehmenskredite notleidend. In Deutschland sind es gerade einmal 2,5 Prozent. Die NPLs werden von der EU, der Bundesregierung und Finanzminister Scholz als „Ergebnis der Finanz- und Euro-Krise von 2007/10“ und damit als „vorübergehende Altlast“ dargestellt! Jedoch steigt die NPL-Quote noch immer. Die EU, die EZB und Scholz reden das Thema offensichtlich schön, weil der Abbau der NPLs ihre selbsterklärte Voraussetzung für die Einführung von EDIS (Bankeinlagen-Vergemeinschaftungs-System) ist! Die NPL-Altlasten werden darum medial-politisch klein- und weggeredet. Sie gehen aber nicht einfach weg.

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Kommentare

Früher wurde die DM regelmäßig aufgewertet. Das Obst aus dem Süden wurde dadurch für uns unglaublich billiger. Auch unser Export war überschaubar, weil unsere Produkte im Ausland zu teuer wurden - durch jede Aufwertung ein bisschen mehr. Da war die Handelsbilanz noch ausgeglichen.
Paul
Siehe meinen Beitrag: bei Reiche schultern ..... Ich glaube alles ordentlich und richtig interpretiert zu haben. oder
Es hat eben nicht funktioniert,weil man uns ein Transfer-Verbot zugesichert hat und Merkel,hat es nicht eingehalten und Geld nach Griechenland geschleppt während sie uns zu sicherte,es käme alles 100-Fach zurück!
Die Renten wurden gekürzt,mit der Zusicherung,dass der Euro stabil bliebe,das Produkt versagte jedoch!
Auch wurde uns eine gemeinsame Außenpolitik in Aussicht gestellt,damit es unterbliebe,dass deutsche Politiker alleine weiterhin Entwicklungshilfen ins Ausland schleppen,wegen der Kassenlage der anderen jedoch Fehlanzeige!
Der anhaltende Stimulus in der Zinspolitik,hat wie erwartet nun einige Schuldner in wahre Geschwüre verwandelt,weiteres Geld schleppen wirkt absolut kontraproduktiv!
Wir hatten keinen Volksentscheid,zum Euro,dieses Produkt ist unbrauchbar,man könnte sagen,die anderen hatten ihren Spass,aber es ging eben nunmal zu weit!
Was hatte man uns nicht alles versprochen,damit wir die Füße still halten,wir haben uns noch teuer die Verträge von Dublin und Schengen erkauft,unmittelbar bei einer drohenden Nützlichkeit,wirft Merkel alles über den Haufen und entwertet diese grundlos!
Es gibt keinen Grund mehr,das weiter hin zu nehmen!
Die Briten,sind aus der EU bereits ausgetreten,wir sollten die Hand an die Notbremse legen!
Griechenland ist viel zu klein und unbedeutend, als dass sich dafür jemand interessieren würde.

Der Euro wurde eingeführt als Antwort auf die deutsche Wiedervereinigung. Frankreich bestand darauf, um Deutschland nicht zu groß werden zu lassen. Hat ja auch gut funktioniert.

Und eines ist sicher: Die Griechen haben ihre Lektion gelernt. Sie haben gelernt, dass sie sich problemlos hoch verschulden können - die Rechnung zahlt immer Deutschland. Besser geht's nicht.
Einige,haben es nun 3x ältere sogar 4x erlebt,es ist immer die selbe Masche,mit Griechenland!
Schon in der ersten Finanzkrise,ende der 70er wollte sich Griechemland gerne europanah präsentieren und frei nach dem Motto "Wasch mir den Pelz,aber mach mich nicht nass" nahmen sie schon damals keine Steuern,von den Super-reichen,da hätten sie ja lernen können,aber schon damals gab es ja die Vermutung,dass es ihnen besser geht,wenn deutsche Politiker sie retten!

Weswegen wir ja von unseren Politikern ausdrücklich die Zusage bekamen,dass mit dem Euro niemals die Schulden anderer Länder bezahlt werden würden,eben der selbe Scheiss,wie beim mal davor und davor und so weiter.
Ich glaube längst nicht mehr an die Unschuld unserer Politiker,dazu gab es zuviele Parallelen,vielmehr ist dann doch der Euro in der höchst kriminellen Absicht eingeführt worden,griechische Schuldenlasten besser bezahlen zu können,ein kurzer Blick,auf die Rentenkasse,...ja,wie beim mal davor und davor,usw
Erstaunlich aber,dass die Griechen nun 50 Jahre lang nichts aus ihrem Fehler gelernt haben,europäisch,wollen sie sein,aber ihr System,hat nichts mit dem europäischer Staaten gemein,abgesehen,von der absurden Erwartung,dass deutsche Rentner und Witwen stets alles zu bezahlen haben,wofür es mannigfaltige Begründungen hagelt,die jedesmal bei Merkel Herzbluten auslösen,aber sie scheut den Arzt,wie der Teufel das Weihwasser,Merkel scheut es auch,den Bierdeckel weg zu schmeissen,auf dem die Schulden Griechenlands stehen,ganz ehrlich,das,ist gut so,wir sind in den Euro gezwängt worden,belogen und betrogen worden,wie davor,und davor usw,aber wir haben dieses Pfand und wir werden unsere Pflicht-Teilnahme an diesem Beschiss irgendwann beenden können,ich glaube gleich nach Merkel,ist Feierabend und zwar diesmal für immer,dieser Unfug,gehört unter empfindliche Freiheitsstrafe gestellt!

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