DAX+0,57 % EUR/USD+0,32 % Gold0,00 % Öl (Brent)0,00 %

Bayer – Vom Aspirin zur Giftpille im Depot

Gastautor: Torsten Arends
21.08.2018, 10:35  |  3120   |   |   

Ob es eine so gute Idee von Bayer war, den US-amerikanischen Monsanto-Konzern zu übernehmen, werden erst die hoffentlich sprudelnden Gewinne in den kommenden Jahren zeigen.

Vielleicht gibt es aber auch ähnlich wie bei der fast schon vergessenen deutsch-amerikanischen „Hochzeit im Himmel“ eine teure Scheidung – wir erinnern uns noch mit Schrecken an die Übernahme, die Folgen und das Ende der Beziehung der beiden Autokonzerne Daimler und Chrysler.

Bayer mit festem Hebel folgen [Anzeige]
Ich erwarte, dass der Bayer steigt...
Ich erwarte, dass der Bayer fällt...

Verantwortlich für diese Anzeige ist die Deutsche Bank AG. Die Wertpapierprospekte und Basisinformationsblätter zu diesen Produkten erhalten Sie über www.xmarkets.db.com.

Warum wollte unbedingt Bayer Monsanto übernehmen?

„Bayer wird der alleinige Eigentümer der Monsanto Company“, teilte das Unternehmen am 13.8.2018 mit. Der Kaufpreis liege derzeit bei 63 Milliarden Dollar, umgerechnet also bei 50 Milliarden Euro. Es ist die bisher größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Bereits seit 2016 kämpfte Bayer um die Übernahme des amerikanischen Düngemittelkonzerns.

Da Bayer und Monsanto fast rund um den Erdball Geschäfte tätigen, mussten Genehmigungen der Kartellwächter der EU, der USA und in rund 30 Ländern eingeholt werden. Strenge Auflagen für Bayer waren die Folge, sodass am Ende nicht nur der Kaufpreis höher ausfiel als ursprünglich geplant. Auch was die zu veräußernden Konzernteile angeht, ist Bayer ursprünglich von weniger kartellrechtlichen Auflagen ausgegangen.

Bayer wird mit Monsanto zusammen zur weltweiten Nummer eins im Agrarchemie-Geschäft. Bereits für 2019 würde durch Monsanto ein positiver Beitrag zum Ergebnis geleistet werden, so der Leverkusener Konzern. Nach der vollständigen Integration von Monsanto sollen die Amerikaner ab 2022 jährlich 1,2 Milliarden Euro zum Gewinn der Leverkusener beisteuern – soweit die mittelfristigen Planungen der Bayer AG.

Und jetzt das dicke Ende???

Die Manager von Bayer wussten von vornherein, dass Monsanto eine profitable Geldmaschine ist. Mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, gentechnisch verändertem Saatgut und anderen Pflanzenschutzmitteln verdiente und verdient Monsanto prächtig. Der jährliche Renditeausweis hat dabei jedoch wahrscheinlich den Blick auf die Probleme verstellt. Mit dem Monsanto-Kauf übernehmen die Leverkusener nämlich auch hohe Schulden und Risiken. Monsanto werden überdies ruppige Geschäftsmethoden vorgeworfen. Zudem steht der Konzern für sein Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das Sammelkläger und einige Studien für krebserregend halten, weltweit in der Kritik. Da hilft auch nicht, dass der Name Monsanto gestrichen wurde.

Obwohl immer wieder auf die Risiken der Übernahme hingewiesen wurde, überraschte es die Anleger dann doch, wie sich ihr einst sicher geglaubtes sogenanntes „Witwen-und-Waisen-Papier“ mit vergleichsweise stabiler Wertentwicklung und verlässlichen Dividendenzahlungen in den letzten Tagen entwickelte.

Das Urteil eines US-Geschworenengerichtes, das einem an Krebs erkrankten Hausmeister erstinstanzlich Recht gab und Bayer als Rechtsnachfolger von Monsanto mit Zahlungen in Höhe von 289 Millionen US-Dollar wegen Glyphosat belastete, wirkte wie ein Paukenschlag. Nicht das einzelne Urteil an sich, das durchaus noch um ein paar Millionen in den folgenden Instanzen reduziert werden kann, war der Auslöser für den Absturz der Aktien, sondern dass insgesamt allein in den Vereinigten Staaten über 5000 Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat anhängig sind. Bereits für Oktober ist der nächste Gerichtstermin angesetzt. Das Urteil dürfte sich hier im Rahmen des ersten Urteils bewegen.

Und über die nächste Schreckensnachricht berichten die Medien auch schon: Glyphosat-Rückstände in Getreidemischungen und Müsliriegeln, die von renommierten Lebensmittelherstellern wie der Kellogg Company vertrieben werden, sorgen dafür, dass das Müsli am Morgen nicht mehr ganz so gesund erscheint.

Überdies wird dem von Monsanto entwickelten Unkrautvernichtungsmittel Dicamba vorgeworfen, dass das Mittel auch Nutzpflanzen vernichtet habe, die nicht durch gentechnische Veränderungen von Monsanto immunisiert wurden. Auch wenn die Vorwürfe vom Konzern zurückgewiesen wurden, wollen die beiden größten US-amerikanischen Saatguthändler Beck’s Hybrids und Stine Seed laut Nachrichtenagentur Reuters aber durchsetzen, dass Dicamba in der Landwirtschaft nicht mehr eingesetzt werden darf. Das wird zu deutlichen Umsatzeinbußen beim Hersteller führen, weil das gentechnisch veränderte Saatgut von Monsanto auf Dicamba abgestimmt ist.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Jetzt angeblich, lt seriöser Presse, schon mehr als 8000 Glyphosat-Klagen.

Dabei wird es - natürlich - nicht bleiben ...

Wievielte Dicama-Klageb gibt es mittlerweile ..?

Weiß der Bayer-Virstand eigentlich, was da los ist ... Na ja, Tee (Gkyphosat?) trinken und abwarten ..

Der nächste Gerichtstermin in den USA kommt bestimmt. Angeblich in ca 4 Wochen. Das wird ein Medienschauspiel. Richter, Jury (?) und sonstige Beteiligte können sich auf dem Rücken von Glyphosat einen Namen machen und sich goldene Basen verdienen. Leidtragendstes /Krebs.(Erkrankten und Bayer (Mitarbeiter und Aktionäre und Inhaber von Bayer-Unternehmensanleihen, die Anleihekurse leiden ja auch sehr .!!! ..)

Bald ein neuer Werbeslogan fällig?, etwa: „Bayer - mit uns führen Sie die Prozesse richtig“ oder „Bayer - auch im Chemie- und Pharmabereich tätig“ oder „Bayer - wir tun das, was wir wollen“?

God bless you!
Für Bayer gibt es nur einen Ausweg: Monsanto rasch wieder abzustoßen. In ganz Europa will keiner GEN-Saatgut und die dazu passende Glyphosat Dusche von Monsanto.

WWW
Zitat von uki1705: Nein - ich bin kein Kenner dieser Branche ; man könnte aber den Eindruck gewinnen , die amerikanische Justiz hätte nur auf diesen Deal gewartet . Und die monsantos wussten das ... oder soll man das als Verschwörungstheorie beiseite legen ?


Die Franzosen haben entsprechende Studien zur Krebsgefährdung schon vor mehreren Jahren erstellt.
Brasilien hat Glyphosat kürzlich verboten. Die Verfahren begannen vor der Fusion.
In Argentinien gibt es schon seit einigen Jahren Belege für neurodegenerative Schädigungen.
Dazu kommen Organisationen der UNO und der EU

Sollen die alle an der amerikanischen Verschwörung beteiligt sein?
Noch dazu obwohl dadurch vor allem amerikanische Arbeitsplätze und Steuereinnhamen in Gefahr sind?

Disclaimer