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EU-Sorgenkind Italien-Schulden: Will die Regierung eine EU-Rettung durch die Hintertür?

22.08.2018, 14:39  |  9736   |   |   

Es sieht so aus, als wolle die italienische Regierung eine verdeckte Rettungsaktion durch Vorgaben der Europäischen Zentralbank anstoßen, meint "Reuters Breakingviews"-Kommentator Neil Unmack.

Unmack bezieht sich auf die Äußerungen des wirtschaftspolitischen Sprechers der regierenden Lega-Partei, Claudio Borghi. Dieser behauptet, dass der Euro zusammenbrechen werde, wenn die Europäische Zentralbank den Abstand zwischen den Anleiherenditen (Spreads) der Länder in der Eurozone nicht begrenzt. Borghi schlägt 150 Basispunkte (1,5 Prozent) als maximalen Abstand zwischen den Renditen vor. Das bedeutet, dass Kredite für Italien nicht allzu teuer werden. Abermals wird deutlich, dass die italienische Regierung ihre teuren Wahlversprechen auf noch mehr Pump finanzieren möchte.

Wie kommt Borghi darauf, dass die Europäische Zentralbanker helfen könnten? Hintergrund: Der Lega-Politiker baut auf das Versprechen von EZB-Präsident Mario Draghi, auf sein „was immer nötig ist", um den Euro zu retten, im Jahr 2012. Zu diesem Zeitpunkt deuteten die Abstände zwischen den Anleiherenditen der EU-Länder darauf hin, dass die Einheitswährung auseinanderbrechen könnte.

"Reuters"-Kommentator Neil Unmack nimmt Borghis Argumentation wie folgt auseinander: Erstens weist Unmack auf die Unterschiede zwischen 2012 und 2018 hin, denn es gebe nur wenige Parallelen zwischen den beiden Zeiträumen. Zwar könnten sich die Unterschiede der Fremdkapitalkosten zwischen Deutschland und anderen EU-Ländern tatsächlich vergrößern, doch diese Abstände liegen weit unter den Höchstständen von rund 500 Basispunkten im Jahr 2012.

In einem zweiten Schritt nimmt Unmack Borghis 150-Punkte-Grenze unter die Lupe, denn die 150 Basispunkte seien ein viel zu niedriges Limit. Sie entsprächen nur dem durchschnittlichen Spread seit Beginn des EZB-Anleihen-Ankaufprogramms im Jahr 2015. Italienische Zentralbanker schätzten im Jahr 2012 den fairen Wert der Spreads zwischen zehn-jährigen Renditen italienischer und deutscher Staatsanleihen auf rund 200 Basispunkte. Zudem betrug der Spread im Jahr 2014 während der Amtszeit von Matteo Renzi durchschnittlich 165 Basispunkte, so Unmack.

Laut Unmack sei Draghis „Was immer nötig ist"-Plan damit verbunden gewesen, dass die beteiligten EU-Länder im Falle von Rettungsaktionen Bedingungen und wirtschaftliche Überwachung akzeptieren würden. Davon hat Borghi bislang nicht gesprochen. Aus diesem Grund lautet Unmacks Fazit, dass der Vorschlag des Liga-Politikers wie der Ruf nach einen EU-Rettungspaket unter falschem Namen klingt.

Quelle:

Reuters



2 Kommentare

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Kommentare

Wenn das so laufen sollte, dann sollte Deutschland auch nicht mehr sparen !!!


Aber mit dieser Entscheidung der Aufgabe der Stabilitätskriterien geht es für alle anderen auch runter !

Kann Deutschland nicht mal drohen ????

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