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"Fluchursachen beseitigen?" Warum Merkels Afrika-Politik scheitern wird

Gastautor: Rainer Zitelmann
29.08.2018, 09:35  |  2236   |   |   

Für Angela Merkel sind derzeit Afrika-Wochen: Erst gaben sich die Staatschefs aus Niger und Angola in Berlin die Klinke in die Hand, nun fliegt die Kanzlerin nach Westafrika. Laut Merkel soll Afrikas Wirtschaft durch Entwicklungshilfe gestärkt werden, um damit "Fluchtursachen zu beseitigen".

"Diese wirtschaftliche Perspektive ist für die allermeisten Länder Afrikas deshalb so entscheidend, weil es viele junge Menschen gibt, die Ausbildungs- und Arbeitsplätze brauchen", sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Deutschland ist für viele Nigerianer ein Sehnsuchtsort. Im ersten Halbjahr 2018 stammten fast sieben Prozent aller Asyl-Erstanträge in der Bundesrepublik von Menschen aus Nigeria. Das westafrikanische Land belegte damit in der Asyl-Statistik der "Top-Staatsangehörigkeiten" den dritten Platz.

Merkel meinte schon 2016, sie sei "überzeugt, dass unsere Sicherheit, unser Leben in Frieden und unsere nachhaltige Entwicklung mit der Lebenssituation von Menschen, die weit weg von uns wohnen, zusammenhängen". Ihr Amtseid beziehe sich auf das Wohl Deutschlands, dieses sei aber heute "allein mit der Konzentration auf Deutschland selbst dauerhaft nicht zu erreichen". "Wenn ich als deutsche Bundeskanzlerin dafür sorgen will, dass es uns Deutschen gut geht, dass die Europäische Union zusammenhält, muss ich mich auch darum kümmern, dass es in Europas Nachbarschaft so zugeht, dass Menschen dort Heimat auch als Heimat empfinden können. Konkret heißt das in unserer Zeit, dass wir uns in neuer Weise mit Afrika befassen müssen." Durch Entwicklungshilfe soll die Situation der Menschen in Afrika so weit verbessert werden, dass sie keinen Grund mehr haben, sich auf den Weg nach Europa zu machen, so Merkel. Gebetsmühlenartig wiederholt sie (wie auch andere Politiker), wir müssten die "Fluchtursachen beseitigen", und zwar durch Entwicklungshilfe.

Mehr Wachstum führt zunächst zu mehr Migration
Dass das eine gefährliche Illusion ist, zeigt ein Forschungsbericht für das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) (http://ftp.iza.org/pp136). Danach wird sich die Hoffnung, dass mehr Entwicklungshilfe die Auswanderung aus armen Ländern tatsächlich reduziert, nicht erfüllen. Die Neigung zur Auswanderung sinkt nämlich erst dann, wenn die betroffenen Länder ein Pro-Kopfeinkommen von etwa 8.000 bis 10.000 US-Dollar (gemessen auf Kaufkraftbasis) erreicht haben. Länder mit einem Pro-Kopfeinkommen von 5.000 bis 10.000 US-Dollar (auf Kaufkraftbasis) haben im Durchschnitt sogar eine dreimal höhere Anzahl an Auswanderern als Länder, in denen das Pro-Kopfeinkommen unter 2.000 US-Dollar liegt.

Mit anderen Worten: Bis zum Erreichen der oberen Schwelle nimmt die Migrationsneigung in den ärmsten Ländern bei wachsendem Wohlstand sogar tendenziell zu. Im Normalfall dauert es - wenn man die durchschnittliche historische BIP-Wachstumsrate zugrunde legt - fast 200 Jahre, bis in einem armen Land der Impuls zur Migration nachlässt. Und selbst wenn man sehr optimistisch annimmt, dass sich das Wirtschaftswachstum durch Entwicklungshilfe um zwei Prozentpunkte pro Jahr steigern ließe - eine Verdreifachung der derzeitigen Rate -, würde es bis zum Erreichen dieser Einkommensschwelle noch ein halbes Jahrhundert dauern.

Doch das ist ganz und gar unrealistisch, weil Entwicklungshilfe meist nichts bewirkt oder sogar kontraproduktiv ist, wie ich im 2. Kapitel meines Buches "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" (http://kapitalismus-ist-nicht-das-problem.de/) auf Basis einschlägiger Forschungen belege. Hier ein Auszug:

Entwicklungshilfe - nutzlos oder kontraproduktiv
Dambisa Moyo, die in Sambia geboren wurde, in Harvard studierte und in Oxford promoviert wurde, hat in ihrem Buch "Dead Aid" die Entwicklungshilfe der reichen Länder als eine weitere Ursache für die Not auf dem Kontinent identifiziert. In den vergangenen 50 Jahren, schrieb Moyo 2009, wurde im Rahmen der Entwicklungshilfe über eine Billion Dollar an Hilfsleistungen von den reichen Ländern nach Afrika überwiesen. "Doch geht es den Afrikanern durch die mehr als eine Billion Dollar Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten gezahlt wurden, tatsächlich besser? Nein, im Gegenteil: Den Empfängern der Hilfsleistungen geht es wesentlich schlechter. Entwicklungshilfe hat dazu beigetragen, dass die Armen noch ärmer wurden und dass sich das Wachstum verlangsamte [...] Die Vorstellung, Entwicklungshilfe könne systemische Armut mindern und habe dies bereits getan, ist ein Mythos. Millionen Afrikaner sind heute ärmer - nicht trotz, sondern aufgrund der Entwicklungshilfe."

Um nicht missverstanden zu werden: Mit "Entwicklungshilfe" meint Moyo nicht karitatives Engagement und akute Hilfe bei Hungersnöten oder Katastrophen, die natürlich nicht kritisiert werden sollen, sondern dauerhafte finanzielle Transferleistungen mit dem Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Oft wurden diese Gelder an korrupte und despotische Regierungen gezahlt und kamen nicht bei den Armen an. Doch "selbst wenn die Hilfsleistungen nicht einfach veruntreut wurden und in den Kanälen der Korruption versickerten, blieben sie unproduktiv. Die politische Realität hat überdeutliche Beweise dafür geliefert. Angesichts des ökonomischen Zustandes Afrikas ist nicht zu erkennen, wo Wachstum eine direkte Folge der gewährten Entwicklungshilfe gewesen wäre".

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Kommentare

In einem Bericht haben sich deutsche Unternehmen darüber beklagt, dass sie an keine öffentlichen Aufträge in Afrika mehr kommen. Die Chinesen sind schneller und günstiger.

Ich hätte Vorbehalte in Afrika zu investieren. Wer weiß, wann die nächste Enteignungswelle gegen Weiße kommt.
Alla Hopp Zitel,
dann schick dem Merkel den Bericht, mit allen Untersuchungsberichten, Studien etc.pp.
Vielleicht lässt sie dann das Geld in unserem Land.
Aber vielleicht reist sie ja demnächst zusammen mit Elon Musk ins All um Aliens davon abzuhalten auf die Erde zu kommen....
Zitat: ...muss ich mich auch darum kümmern, dass es in Europas Nachbarschaft so zugeht....usw.....
Muss sie sich auch im All darum kümmern...........

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