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Goldpreis – 1300 US-Dollar zum Jahresende

Gastautor: Daniel Saurenz
30.08.2018, 06:00  |  6359   |   |   

goldbarren02Der Goldpreis ist im Sommer trotz zahlreicher Unsicherheitsfaktoren auf ein 19- Monatstief gefallen. Manche ziehen daher bereits die Rolle von Gold als sicheren Hafen in Zweifel. Soweit gehen die Experten der Commerzbank nicht. Der Goldpreisverfall ist laut der ausführlichen Analyse vor allem das Resultat eines deutlich festeren US-Dollar, robuster US-Aktienmärkte, schwacher Schwellenländerwährungen und spekulativer Verkäufe. Wir stellen die Analyse komplett in zwei Teilen vor und verweisen auf unsere Empfehlungen: Gold Turbo-Bulls GM5GH3 und HX2PEX, Silber GL3BHG und DT7CKS sowie Platin MF2Y06

Den ersten Teil finden Sie hier…

• Schwache Schwellenländerwährungen: Der eskalierende Handelskonflikt, die Währungskrise in der Türkei, die zunehmend willkürliche US-Sanktionspolitik und die Zinserhöhungen der US-Notenbank haben zu einer deutlichen Abwertung der Währungen von Schwellenländern geführt. Davon betroffen waren auch die Währungen großer Goldnachfrageländer wie China und Indien. Da die Goldpreise in lokaler Währung dadurch nicht so stark fielen – der Preis in Indischer Rupie handelt noch immer deutlich über den 2017er-Tiefs, der Preis in Chinesischem Yuan nur knapp unter dem vorherigen 2018er-Tief – sprang die physische Goldnachfrage in diesen Ländern lange Zeit nicht wie sonst üblich an. Dadurch fehlte ein wichtiger preisunterstützender Faktor, der einen weiteren Preisrückgang hätte verhindern können. Erst zuletzt berichten Händler von einem steigenden Kaufinteresse an den wichtigen asiatischen Handelsplätzen. Der Goldpreis in der Türkei sprang wegen des Lira-Verfalls auf ein Rekordniveau und handelt ca. 50% höher als zu Jahresbeginn (Grafik 3). Dadurch wird auch die Goldnachfrage in der Türkei gebremst, die Anfang 2018 noch robust war.

Gold_Commerzbank_3

• Spekulative Verkäufe: Die wohl wichtigste Rolle beim Goldpreisverfall der letzten Wochen spielten wahrscheinlich die spekulativen Finanzanleger. Diese weiteten ihre Wetten auf weiter fallende Goldpreise kontinuierlich aus. Laut wöchentlicher Statistik der US-Börsenaufsicht CFTC stiegen die Short-Positionen Mitte August auf ein Rekordniveau von 188 Tsd. Kontrakten (Grafik 4). Gegenüber Ende Juni entspricht dies einer Verdopplung. Da sich die Long-Positionen in diesem Zeitraum kaum geändert haben, kam es zu einem sukzessiven Anstieg der Netto-ShortPositionen auf inzwischen gut 83 Tsd. Kontrakte. Dass spekulative Finanzanleger „netto-short“ sind, ist ohnehin ungewöhnlich. Das aktuelle Niveau ist darüber hinaus beispiellos. Es entspricht umgerechnet einer Menge von fast 260 Tonnen „Papier“- Gold, die in den letzten sieben Wochen über den Terminmarkt verkauft worden ist. Um diese Zahl einzuordnen lohnt folgender Vergleich: In etwa so hoch war die weltweite Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen im Durchschnitt der letzten Quartalen.

Gold_Commerzbank_4

Die Verkäufe seitens der Spekulanten wurden zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Durch den Goldpreisrückgang wurden weitere Spekulanten zu Short-Verkäufen animiert, was zu einem nochmaligen Abrutschen des Preises führte. Potenzielle Goldkäufer reagierten auf den Preisrückgang mit Kaufzurückhaltung bzw. verkauften sogar ebenfalls, da sich der Goldpreis zuletzt nicht so verhalten hat wie angesichts der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren zu erwarten gewesen wäre. Zusätzlich gebremst wird die Goldnachfrage seit Anfang August durch USSanktionen gegen den Iran, weil diese dem Land den Erwerb von Gold erschweren sollen. Die Goldnachfrage des Iran lag im ersten Halbjahr laut World Gold Council mit gut 40 Tonnen nur knapp unter der in der Türkei. Man könnte daher von einer Vertrauens- bzw. Sinnkrise bei Gold sprechen. Die Meinung einiger Marktbeobachter, Gold sei deshalb kein sicherer Hafen mehr, teilen wir nicht. Anomalien bei der Goldpreisentwicklung hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben. Ein Beispiel ist die Zeit kurz nach dem Ausbruch der großen Finanzkrise im Oktober 2008 (Grafik 5). Der Goldpreis fiel innerhalb von zwei Wochen um mehr als 200 USD auf weniger als 700 USD je Feinunze. Der Goldpreisrückgang ging dabei ebenfalls mit einer kräftigen Aufwertung des US-Dollar einher. Wer damals das Ende von Gold als sicherer Hafen ausgerufen hätte, sah sich schnell eines anderen belehrt. Gold machte nämlich die Verluste bis zum Jahresende 2008 wieder wett und setzte zu einem Höhenflug an. Im Dezember 2009 kostete Gold 1.200 USD je Feinunze, Ende 2010 erreichte der Preis 1.400 USD je Feinunze.

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