DAX+0,37 % EUR/USD-0,07 % Gold+0,05 % Öl (Brent)+0,16 %

Jahresabschlüsse verstehen: Cashflow einfach erklärt

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
01.09.2018, 08:52  |  479   |   |   

Mit der Cashflow-Rechnung im Jahresabschluss eines Unternehmens tun sich einige Leute schwer. Vielen ist der Unterschied zur Gewinn- und Verlustrechnung (kurz GuV) nicht ganz klar, schließlich geht es doch in beiden Rechnungen irgendwie um Geld, das nach Abzug von Ausgaben übrig bleibt. Wir werden heute Unterschiede festmachen und lernen, was uns der Cashflow alles verraten kann. Los geht’s!

Der Aufbau der Cashflow-Rechnung

Beim Cashflow geht es im Grunde darum, aufzuzeigen, wie viel Bargeld das Unternehmen wo verdient und wo ausgibt. Es werden also alle Transaktionen betrachtet, die die Zahlungsmittelposition des Unternehmens in der Bilanz betreffen – also liquide Vermögenswerte wie Bankkonten oder Kassenbestände.

Damit unterscheidet sich der Cashflow vom Gewinn in einem wichtigen Detail: Beim Gewinn geht es darum, wie viel vom Umsatz nach Abzug aller Aufwendungen noch als Gewinn übrig bleibt. Dieser Gewinn ist dann eine Größe, die das Eigenkapital betrifft. Aufwendungen sind in einem Unternehmen aber nicht mit Ausgaben gleichzusetzen! Den Unterschied lernen wir jetzt kennen.

Was steht im Cashflow, was nicht?

Nehmen wir an, ein Unternehmen schafft einen Flammenwerfer für seine Sicherheitsanlage an und bezahlt per Überweisung vom Bankkonto. Dieser Vorgang findet sich in der GuV nicht wieder! Hier handelt es sich nicht um eine Aufwendung für das Unternehmen, da das Geld ja streng genommen nicht weg ist – es ist nur jetzt in anderer Form da, nämlich in Form des Flammenwerfers.

Im Cashflow wiederum findet sich dieser Vorgang wieder, denn wie gesagt bezieht sich der Cashflow auf die Zahlungsmittelposition des Unternehmens. Das Guthaben auf dem Bankkonto gehört zur Zahlungsmittelposition, damit ist der Flammenwerferkauf Cashflow-relevant.

Im Laufe seiner Lebenszeit jedoch verliert der Flammenwerfer immer weiter an Wert – er nutzt sich ab und wenn man ihn verkaufen würde, bekäme man nicht mehr den Neupreis dafür. Unternehmen müssen diesen Wertverlust als Abschreibung erfassen. Diese Abschreibung ist eine Aufwendung und wirkt sich somit negativ auf den Gewinn aus.

In der Cashflow-Rechnung finden sich aber keine Abschreibungen wieder, denn schließlich bezahlt das Unternehmen kein Geld an jemanden für diese Abschreibung. An wen auch? Daher spricht man von einem „nicht zahlungswirksamen Aufwand“.

Wie gliedert sich die Cashflow-Rechnung auf?

Die Cashflow-Rechnung gliedert sich in drei Teile. Den operativen Cashflow (auch: Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit), den Cashflow aus der Investitionstätigkeit und den Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit. Diese drei Einzelrechnungen sehen wir uns jetzt genauer an (aber nur kurz – wir wollen dich nicht langweilen!).

Die Berechnung des operativen Cashflows startet mit dem Gewinn oder Verlust des Unternehmens laut der GuV. Die sogenannten nicht zahlungswirksamen Aufwendungen des Unternehmens (wie zum Beispiel die Abschreibung, die wir kennengelernt haben) werden wieder hinzuaddiert. Außerdem wird die Veränderung des Nettoumlaufvermögens erfasst – ein Vorgang, der sich auf die Cash-Position des Unternehmens auswirkt, aber nicht in der GuV enthalten ist. Am Ende dieser Rechnung haben wir das Geld, das das Unternehmen aus dem reinen Geschäft verdient hat. Wie du dir denken kannst, sollte diese Kennzahl positiv sein!

Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit erfasst alle Vorgänge, die mit dem Investieren von Geld oder mit der Rückzahlung von Investitionen zu tun haben. Hier werden Ausgaben für Sachanlagen, Patente, Flammenwerfer, Rechte und auch Übernahmen erfasst – und zwar negativ, da ja Geld ausgegeben wird. Rückzahlungen etwa von Finanzanlagen werden addiert. Diese Position sollte meistens negativ sein, da das Unternehmen ja darin investieren soll, auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein (oder, um sein Gelände gegen Eindringlinge zu verteidigen)!

Im Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit finden wir alle rein finanziellen Transaktionen wie Kreditaufnahmen und -rückzahlungen, Dividendenzahlungen, Kapitalerhöhungen und Aktienrückkäufe. Zählt man alle drei Einzelrechnungen zusammen, erhalten wir den Betrag, um den sich die Zahlungsmittelposition des Unternehmens erhöht oder vermindert hat.

Was  können wir aus dem Cashflow lernen?

Für die Beantwortung dieser Frage sollten wir eine Kennzahl einführen: den Free Cashflow. Er ergibt sich, wenn man den operativen Cashflow und den Cashflow aus der Investitionstätigkeit addiert.

Ist er positiv, bedeutet das, dass das Unternehmen genug Cash erwirtschaftet hat, um seine Investitionen zu finanzieren. Das übrige Geld kann das Unternehmen entweder einbehalten oder über Dividenden und Rückkäufe an die Aktionäre zurückgeben (das würde man dann wieder im Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit sehen). Unternehmen mit einem hohen Free Cashflow sind meist extrem solide und schütten hohe Dividenden aus.

Ist er hingegen negativ, bedeutet das … nun ja, das Gegenteil. Das Unternehmen hat nicht genügend Geld erwirtschaftet, um seine Investitionen zu finanzieren. Ist der Free Cashflow regelmäßig negativ, braucht das Unternehmen irgendwann frisches Geld als Kredit oder über eine Kapitalerhöhung – auch das sehen wir dann im Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit.

Wie sieht also die ideale Cashflow-Rechnung aus?

Eine Wunsch-Cashflow-Rechnung, wie ich sie gerne bei einem Unternehmen sehe, zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Ein jedes Jahr positiver, möglichst konstanter oder steigender operativer Cashflow.
  • Ein negativer Cashflow aus Investitionstätigkeit, der den operativen Cashflow aber nicht übersteigt (sodass ein positiver Free Cashflow entsteht).
  • Ein negativer Cashflow aus Finanzierungstätigkeit, der auf Dividenden, Aktienrückkäufe oder Schuldentilgungen schließen lässt.
  • Eine stagnierende oder leicht steigende Cash-Position – das Unternehmen soll nicht so viel an mich ausschütten, dass es in Zahlungsschwierigkeiten kommt!

Die Cashflow-Rechnung ist von essenzieller Bedeutung. Man sollte sie genau analysieren, da man hier auf viele wunde Punkte bei seinen Unternehmen stoßen kann. Ein Unternehmen mit einer Cashflow-Rechnung, wie ich sie gerade skizziert habe, macht hingegen schon vieles richtig.

Seite 1 von 2

The Motley Fool GmbH – Disclaimer für Anlageempfehlungen

Disclaimer für The Motley Fool GmbH Research Publikationen Hinweis: Auf diesen Seiten findest du Rechtshinweise und die Veröffentlichungen gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR (Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014) für alle Wertpapieranalysen und Empfehlungen von The Motley Fool GmbH („The Fool“ nachher) bezüglich aller Unternehmen, die gegenwärtig von dieser beobachtet wird.

Diese Seiten wurden zuletzt am 18. Apr 2017 aktualisiert.

Rechtshinweis / Disclaimer Die Anlageempfehlungen von The Fool enthalten ausgewählte Informationen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Analysen stützen sich auf allgemein zugängliche Informationen und Daten („die Information“), die als zuverlässig gelten. The Fool hat die Information jedoch nicht auf ihre Richtigkeit oder Vollständigkeit geprüft und übernimmt für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Information keine Haftung. Etwaige unvollständige oder unrichtige Informationen begründen keine Haftung von The Fool für Schäden gleich welcher Art, und The Fool haftet nicht für indirekte und/oder direkte Schäden und/oder Folgeschäden. Insbesondere übernimmt The Fool keine Haftung für in diesen Analysen enthaltene Aussagen, Planungen oder sonstige Einzelheiten bezüglich der untersuchten Unternehmen, deren verbundener Unternehmen, Strategien, konjunkturelle, Marktund/oder Wettbewerbslage, gesetzlicher Rahmenbedingungen usw. Obwohl die Analysen mit aller Sorgfalt zusammengestellt werden, können Fehler oder Unvollständigkeiten nicht ausgeschlossen werden. The Fool, deren Anteilseigner und Angestellte übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen oder Schlüsse, die aus in den Analysen enthaltenen Informationen abgeleitet werden. Sollten wesentliche Angaben unterlassen worden sein, haften The Fool für einfache Fahrlässigkeit. Der Höhe nach ist die Haftung von The Fool auf Ersatz von typischen und vorhersehbaren Schäden begrenzt. Die Anlageempfehlungen stellen weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Es ist möglich, dass Gesellschafter, Geschäftsleitung oder Angestellte von The Fool in verantwortlicher Stellung, z.B. als Mitglied des Aufsichtsrats, in den in Analysen genannten Gesellschaften tätig sind, oder eine Investitionsposition darin haben. Die in Anlageempfehlungen enthaltenen Meinungen können ohne Ankündigung geändert werden. Alle Rechte vorbehalten.

Zusätzliche Informationen für Kunden in den USA Die Anlageempfehlungen sind ein Produkt von The Fool. The Fool ist der Arbeitgeber oder Auftraggeber des jeweiligen Research Analysten, der den Report erstellt hat. Der Research Analyst ist keine mit einem US regulierten Broker-Dealer verbundene Person und unterliegt damit auch nicht der Aufsicht eines US regulierten Broker-Dealer.

Erklärung gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR sowie Delegierter Verordnung (EU) Nr. 2016/958 („DelVO“) Bewertung Die Bewertung, die der Anlageempfehlung für das hier analysierte Unternehmen zugrunde liegt, stützt sich auf allgemein anerkannte und weit verbreitete Methoden der fundamentalen Analyse, wie z.B. Discounted Cash Flow (DCF)-Modell, Terminal Multiple Bewertung, Peer-Gruppen-Vergleich, „Sum of the parts“ Modell oder ein ähnliche, häufige und weit verbreitete fundementale Bewertungsmethode.

Das Ergebnis dieser fundamentalen Bewertung wird als Basis der Empfehlung benutzt, obwohl es auch von der Einschätzung des Analysten bezüglich möglichen Industrieveränderungen, alternativen möglichen Zukünfte, Unternehmensstrategienergebnisse, Wettbewerbsdruck, usw. angepasst. Die letztendliche Meinung des Analysten sollte nicht als einzigen Punkt von Modell betrachtet, sondern eher die überlegt am wahrscheinlichsten Ergebniss der vielen möglichen zukünftigen Auswirkungen.

Unabhängig von der verwendeten Bewertungsmethode besteht das Risiko, dass das Investitionsergebnis nicht erreicht wird, z.B. aufgrund unvorhergesehener Veränderungen der Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens, Änderungen des Managements, der Technologie, der konjunkturellen Entwicklung, der Zinsentwicklung, der operativen und/oder Materialkosten, des Wettbewerbsdrucks, des Aufsichtsrechts, des Wechselkurses, der Besteuerung, usw. Bei Anlagen in ausländischen Märkten und Instrumenten gibt es weitere Risiken, etwa aufgrund von Wechselkursänderungen oder Änderungen der politischen und sozialen Bedingungen.

Diese Analyse reflektiert die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Eine Änderung der der Bewertung zugrundeliegenden fundamentalen Faktoren kann nachträglich dazu führen, dass die Bewertung nicht mehr zutreffend ist. Ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Aktualisierung dieser Ausarbeitung erfolgt, ist vorab nicht festgelegt worden.

Es wurden zusätzliche interne und organisatorische Vorkehrungen zur Prävention oder Behandlung von Interessenkonflikten getroffen.

Die Ergebnisse der Analysen, sowie die Meinungen der Analysten, sind nicht vor der Veröffentlichung zu den analysierten Unternehmen offengelegt.

Alle Preise von Finanzinstrumenten, die in dieser Finanzanalyse angegeben werden, sind Schlusskurse des dem jeweiligen ausgewiesenen Veröffentlichungsdatums vorangegangen Börsenhandelstages, soweit nicht ausdrücklich ein anderer Zeitpunkt genannt wird.

Bedeutung der präsentierten Anlageempfehlungen Anlageempfehlung: Erwartete Entwicklung des Preises des Finanzinstruments bis zum angegebenen Kursziel, nach Meinung des dieses Finanzinstrument betreuenden Analysten.

Kauf: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren mehr als den passenden Index steigen wird. Halten: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren entweder weniger als den passenden Index steigen wird, oder stabil bleiben wird. Verkaufen:Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren fallen wird.

Handelsregeln und Offenlegungen von Analysten und Dritten in Verbindung mit der Motley Fool GmbH Wenn ein Analyst von Motley Fool über eine Aktie schreibt, von der er oder sie selbst eine Position besitzt oder davon anderweitig profitiert, dann wird dieser Umstand am Ende eines Artikels oder Berichts erwähnt.

Wir haben Aktienempfehlung in unseren kostenpflichtigen Newslettern und wir legen auch diese Empfehlungen offen, wenn wir darüber auf unserer kostenlos zugänglichen Website schreiben (Fool.de). Um unseren zahlenden Mitgliedern gegenüber fair zu bleiben, legen wir diese Empfehlungen mindestens 30 Tage ab der ersten Veröffentlichung der Empfehlung nicht in unserem kostenlosen Content offen. Nach dieser Frist von 30 Tagen werden wir auch diese Empfehlungen offen legen.

Das amerikanische Mutterunternehmen, The Motley Fool, LLC (kurz als „Fool US“ bezeichnet) kann auch Positionen von den Wertpapieren haben, die in unseren Artikeln erwähnt werden. Da wir kein nicht-öffentliches Wissen bezüglich der Positionen unseres Mutterunternehmens haben, werden die Positionen von Fool US auch nicht in unserem kostenlosen oder Premium-Content veröffentlicht. Fool US hat seine eigene Offenlegungsrichtlinien.

Zusätzlich zu den oben erwähnten Anforderungen unterliegen wir unter zusätzlichen Handelsbeschränkungen und Richtlinien. Diese Beschränkungen verlangen, dass die Angestellten von Motley Fool:

- jede Aktie, die sie besitzen mindestens 10 volle Handelstage besitzen müssen. (Daytrading ist nicht zugelassen – als ob wir das überhaupt wollten!) - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen. - unsere Compliance-Abteilung informieren müssen, wenn sie eine Aktie kaufen oder verkaufen, egal ob sie darüber geschrieben haben oder nicht.

Wir arbeiten auch mit freiberuflichen Autoren, die:

- jede Aktie, die sie besitzen und über die sie bei Motley Fool schreiben, mindestens 10 volle Handelstage halten müssen. - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen.


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel