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WOCHENAUSBLICK Trumps Handelsstreit hält Anleger weiter auf Trab

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
03.09.2018, 05:50  |  403   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der weiter schwelende internationale Handelskonflikt und die Währungsturbulenzen in Schwellenländern könnten am deutschen Aktienmarkt für einen turbulenten Start in den September sorgen. "Die auf Wochensicht geringen Bewegungen an den Finanzmärkten täuschen darüber hinweg, dass es im Hintergrund weiter ordentlich rumort", sagt Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Bestenfalls lasse sich von einer Atempause sprechen.

So hatten die Grundsatzeinigung zwischen den USA und Mexiko über ein neues Handelsabkommen und diesbezüglich positive Signale des dritten Partners im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen, Kanada, die Anleger zu Beginn der abgelaufenen Woche zunächst optimistisch gestimmt. Für den Dax war es bis auf rund 12 600 Punkte nach oben gegangen. Die Gespräche mit Kanada wurden allerdings am Freitag abgebrochen. Und US-Präsident Donald Trump stellte am Wochenende sogar das das Ende des nordamerikanischen Freihandelsabkommen in den Raum. Zudem wendet sich Trump laut Windt auch wieder China und Europa zu.

Bereits in der neuen Woche könnten die Vereinigten Staaten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg im Streit mit China die nächste Eskalationsstufe zünden und weitere Zölle verhängen. Zudem blitzte die EU mit ihrem Angebot einer gegenseitigen Abschaffung von Autozöllen bei Trump zunächst ab: Die Offerte von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sei "nicht gut genug".

Bei einer möglichen Eskalation der Konflikte fürchten Investoren Belastungen für den Welthandel, wovon Deutschland als Exportnation besonders betroffen wäre. Kein Wunder also, dass die Anleger vorsichtiger wurden. Zum Wochenschluss hin pendelte der deutsche Leitindex wieder um die 12 400 Zähler. So lange der Index in diesem Bereich bleibt, gibt es laut den Experten von Index-Radar zumindest etwas Hoffnung. Erst unter der Unterstützung um 12 335 Punkte drohe ein Rutsch auf die Zwischentiefs von Ende Juni und Mitte August um 12 100 Zähler. Scheitere dort eine Bodenbildung, müsse mit weiteren deutlichen Verlusten gerechnet werden.

Gegenwind könnte aber noch von einer anderen Seite kommen. Die Währungen vieler Schwellenländern standen zuletzt stark unter Druck, was zum Problem werden könnte. Wichtige in US-Dollar gehandelte Rohstoffe werden dann teurer für diese Staaten und Unternehmen könnten Probleme bekommen, ihre Dollar-Schulden zu bezahlen. Die Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte sind noch begrenzt, die Akteure bleiben aber vorsichtig.

Ein weiterer Klotz an den Beinen des Dax dürfte zudem wohl kaum vor der nächsten Quartalsberichtssaison im Oktober verschwinden: Bedenken in puncto Unternehmensgewinne. Der Dax leidet derzeit unter den zuletzt gesunkenen Gewinnerwartungen, sagte Marktstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Besonders habe es dabei Dax-Schwergewichte wie Siemens, Daimler oder Bayer getroffen.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer steht auch in der neuen Woche im Fokus. Wegen der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto legen die Leverkusener ihren Geschäftsbericht für das zweite Quartal später vor als üblich. Neben möglichen Neuigkeiten zum Ausblick inklusive Monsanto interessiert Anleger am Mittwoch vor allem die Höhe möglicher Rückstellungen für Verteidigungskosten für Prozesse zum Unkrautvernichter Glyphosat. Geld für mögliche Schadensersatzzahlungen soll trotz eines Millionenurteils gegen Monsanto und tausender weiterer Klagen nach aktuellen Planungen erst einmal nicht beiseite gelegt werden.

Zur Wochenmitte wird es mit Blick auf die Dax-Index-Familie spannend, die wegen neuer Regeln durcheinander gewirbelt werden dürfte. Künftig erhalten Technologieaktien aus dem TecDax auch Zugang zum Index der mittelgroßen Werte MDax und dem Nebenwerteindex SDax. Die beiden werden daher zum 24. September aufgestockt: MDax von 50 auf 60 Werte und der SDax von 50 auf 70 Werte.

Außerdem gilt es als so gut wie sicher, dass mit der Commerzbank ein Dax-Dino durch den aufstrebenden Zahlungsabwickler Wirecard im deutschen Leitindex ersetzt werden wird.

Auf der Konjunkturseite interessieren in der neuen Woche Daten zur Lage der deutschen und der US-amerikanischen Industrie, bevor am Freitag der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für Bewegung sorgen könnte. Sollte dieser Schwung bei den Löhnen zeigen, könnten Anleger das als Signal einer bald anziehende Inflationsrate werten und ihre Erwartungen hinsichtlich der Zinspolitik der US-Notenbank Fed überdenken./mis/jsl/tos

--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---

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