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Crash-Barometer Gefahr neuer globaler Finanz-Krise: "Türkei ist nur der Anfang"

04.09.2018, 12:24  |  16024   |   |   

Ökonomen sehen die Gefahr einer globalen Finanzkrise wachsen. Grund seien die Schuldenberge in wichtigen Schwellenländern.

Die Krise in der Türkei könnte der Anfang einer globalen Krise sein. "Die Türkei ist nicht das Ende", sagte Sebnem Kalemli-Ozcan, Wirtschaftsprofessor an der University of Maryland laut "Washington Post". "Die Türkei ist der Anfang", so der Professor.

Noch sprechen nur wenige Ökonomen explizit von einer drohenden globalen Finanzkrise. Aber die Gefahr einer finanziellen Ansteckung, die auch die USA treffen könnte, sollte angesichts einer massiven Zunahme der globalen Verschuldung seit der Krise 2008 ernster genommen werden, sagen Ökonomen, die die "Washington Post" befragt hat. So beträgt die globale Gesamtverschuldung laut dem McKinsey Global Institute 169 Billionen US-Dollar. Vor der Bankenkrise in 2008 waren es "nur" 97 Billionen US-Dollar.

Der Vertrauensverlust der internationalen Investoren in die türkische Lira, die in diesem Jahr mehr als 40 Prozent ihres Wertes verloren hat, ist nur eine Vorschau auf Schuldenprobleme, die Länder wie Brasilien, Südafrika, Russland und Indonesien verschlingen könnten, sagen die Ökonomen. Die argentinische Krise ist dabei ein weiteres Puzzleteil, das in das pessimistische Bild einer globalen Finanzkrise passt. Argentinien hat in der letzten Woche den Internationalen Währungsfonds (WF) um Hilfe gebeten.

Während es bei den früheren Schuldenkrisen um US-Haushalte (Hauskredite) und später verschwenderische europäische Regierungen wie Griechenland ging, geht es diesmal um Unternehmen in wichtigen Schwellenländern, die sich Geld in US-Dollar und Euro geliehen haben. Das beste Beispiel ist die Türkei. Dort haben Unternehmen und Banken in den letzten Jahren Kredite aufgenommen, um Brücken, Krankenhäuser, Kraftwerke und Häfen zu finanzieren.

Adam Posen, Präsident des Peterson Institute of International Economics, hält dagegen. Brasilien, Mexiko, Russland, Indonesien und Indien seien gut positioniert, um in dieser Zeit der Unsicherheit stabil zu bleiben. "Sich über die Höhe der Unternehmensverschuldung an sich aufzuregen, kann irreführend sein. Es gibt nicht so viele gefährdete Schwellenländer", sagte Posen, ein ehemaliges Ausschuss-Mitglied bei der Bank of England. Susan Lund, Mitautorin der McKinsey-Schulden-Studie, meinte, dass die Weltwirtschaft keinen tiefen Abschwung wie in der Rezession 2008-2009 erleiden wird. "Es ist kein allgemeines, weit verbreitetes Problem", sagte sie.

Doch die hohen globalen Schulden auf der einen Seite und die wachsende Unfähigkeit der Kreditnehmer, in US-Dollar und Euro zurückzuzahlen, könnten Brandbeschleuniger für eine globale Finanzkrise sein. "Wir sollten eine Schuldenblase korrigieren", sagte David Rosenberg, Chefökonom bei Gluskin Sheff, einer Vermögensverwaltungsgesellschaft. "Wir haben stattdessen mehr Schulden gemacht", meinte Sheff im Hinblick auf die Zeit, als insbesondere europäische Banken, auf der Suche nach höheren Renditen in der Niedrigzinsphase Unternehmen und Regierungen in Schwellenländern Geld liehen.

Quelle:

McKinsey

Washington Post



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Kommentare

Das ist nichts neues, dass die globale Verschuldung zunimmt, durch die niedrigen Zinsen war das ja klar. Es wird immer mehr Verwerfungen und Verzerrungen geben. Die notwendigen Korrekturen und Marktbereinigungen werden immer weiter rausgeschoben und werden umso heftiger sein.
Und bei den schwächsten bzw anfälligsten Ländern fängt es an, und reißt durch die Verflechtung die anderen Länder mehr oder weniger mit.
Dies wird sich natürlich massiv auf das weltwirtschaftliche Finanzsystem auswirken. Ob die Geldpolitik das noch richten kann bezweifle ich. Dies wird in den Schwellenländern durch den Zusammenbruch schwere Armut erzeugen und zu noch mehr Massenmigration in reichere Länder führen wobei diese dann auch Probleme bekommen werden.

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