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Wende beim Goldpreis? 2 Gründe dafür, 2 Gründe dagegen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
06.09.2018, 09:31  |  1384   |   |   

Mein Mitleid mit den Goldkäufern hält sich zurzeit in Grenzen. Etwa 37 % beträgt das Minus bei Gold in US-Dollar seit dem Hoch aus dem Jahre 2011. Da ist man als Aktieninvestor ganz andere Zahlen gewohnt. Die Aktie von Steinhoff (WKN:A14XB9) fiel Ende letzten Jahres innerhalb weniger Tage um mehr als 90 % (Stand für alle Kurse: 03.09.2018). Boom! – und weg ist dein Geld.

Mit diesem Vergleich möchte ich selbstverständlich keinesfalls den Wettbewerb „Wer hat mehr verloren“ zwischen Aktien- und Goldinvestoren eröffnen. Verluste können sicher lehrreich sein. Doch im Allgemeinen interessiere ich mich weniger für die Verluste von gestern als für die Gewinne von morgen.

Bei der Steinhoff-Aktie scheint die Wende vorerst geglückt zu sein. Mit mehreren Preisexplosionen auf niedrigem Niveau verdoppelten Investoren, die zum Julitief eingestiegen waren, ihren Einsatz. Ist jetzt vielleicht das lange vernachlässigte Edelmetall an der Reihe?

Ganz eindeutig ist die Sache für mich nicht. Ich denke, dass sich derzeit viele Gründe dafür und auch viele Gründe dagegen finden lassen.

2 Gründe für die Wende

Die Zahlen aus dem aktuellen COT-Report sprechen meiner Meinung nach eindeutig für einen kurzfristigen Anstieg des Goldpreises. Zur Erinnerung: Der Commitment of Traders Report (kurz: COT-Report) ermittelt jede Woche die Positionierungen verschiedener Akteure an der Terminbörse. Dabei wird alles erfasst, was das Händlerherz begehrt – Aktien, Anleihen und natürlich auch Gold.

Ich werfe gerne hin und wieder einen Blick auf den COT-Report. Vor ein paar Monaten empfand ich die Positionierungen bei Erdöl der Sorte WTI als zu extrem und hielt weitere Preissteigerungen für sehr unwahrscheinlich. Tatsächlich befindet sich der Ölpreis aktuell auf einem ähnlichen Niveau wie damals (Stand: 03.09.2018).

Für Gold liefert der Terminmarkt derzeit geradezu verrückte Zahlen (Stand: 28.08.2018). Erstmals seit fast 20 Jahren wetten die Großspekulanten mehrheitlich auf einen fallenden Goldpreis. Gleichzeitig befinden sich die Absicherungen der kommerziellen Händler auf einem Rekordtief.

Insgesamt scheint der Anteil spekulativen Kapitals bei Gold im Moment nicht sonderlich hoch zu sein. Gold könnte demnach mindestens fair bewertet sein. Da gab es auch schon andere Zeiten. Vor gut einem Jahr wetteten die Großspekulanten mit über 250.000 Kontrakten auf einen Anstieg des Goldpreises. Dazu kam es allerdings erst, als über die Hälfte der Kontrakte nach einem scharfen Preisverfall schon wieder abgebaut waren – so ein Pech.

Ein weiterer Grund, der für eine Wende beim Goldpreis spricht, ist die Inflationsrate. Die wird in den USA dieses Jahr vermutlich auf beinahe 3 % klettern. Das wäre weit mehr als in den Jahren zuvor und könnte ein willkommener Anlass für US-Investoren sein, wieder auf Edelmetalle zurückzugreifen, die als Vermögenssicherung im Allgemeinen einen guten Ruf genießen. Dass es für viele Investoren trotzdem oft nicht so ganz aufgeht mit dem Inflationsschutz, ist ein anderes Thema.

2 Gründe gegen die Wende

Goldfans knirschen jetzt bestimmt mit den Zähnen. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, welche Rendite denn von Gold zu erwarten ist. Gold zahlt keine Dividenden, Gold produziert nichts. Es liegt in den meisten Fällen einfach nur herum und verursacht dazu noch Lagerkosten.

Das hohe Vertrauen in den dauerhaften Wert des Edelmetalls und der potentiell wirksame Inflationsschutz können als Pluspunkt gesehen werden. Doch im direkten Vergleich mit dem Aktienmarkt dürfte jeder Gold-Investor vor Neid erblassen. Alleine in den letzten 3 Jahren konnte sich der US-amerikanische S&P 500 um beinahe 50 % verteuern (Stand: 03.09.2018).

Bei solchen Alternativen wäre ich überrascht, wenn sich derzeit genügend Käufer für Gold finden lassen, um einen spürbaren Anstieg des Goldpreises in die Wege zu leiten.

Nicht nur die Alternativen sind stark. Neuerdings ist auch ein echter Goldkonkurrent mit im Spiel: der Bitcoin. Der explosionsartige Preisanstieg im Jahr 2017 hat der Kryptowährung viel Aufmerksamkeit beschert. Investoren, die sich eingehender mit der Materie beschäftigt haben, könnten darauf spekulieren, dass der Bitcoin zwar nicht zwangsläufig als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen wird, wohl aber durchaus als Wertspeicher geeignet ist.

Auch wenn der ganz große Hype scheinbar verflogen ist, könnten viele ehemalige Goldfans langfristig auf den Kryptozug aufgesprungen sein. Diese Käufer dürften Gold über kurz oder lang fehlen.

Gold ist mir zu kompliziert

Für viele Investoren dürfte die Sache klar sein: Gold wird seit Jahrtausenden gehandelt, begehrt und gegen so ziemlich alles eingetauscht, was man gerne in Wohnzimmer, Palast oder Lehmhütte hätte. Währungen kamen und gingen, Wirtschaftssysteme kamen und gingen – Gold blieb.

Vertrauen und Sicherheit sind die starken Argumente des Edelmetalls, die ich auch auf keinen Fall wegdiskutieren möchte. Ganz im Gegenteil. Ich kaufe gerne Werte, die sich langfristig bewährt haben. Am liebsten noch zu einem fairen oder günstigen Preis.

Trotzdem komme ich mit Gold nicht zurecht. Gold hat keine Zukunftsvisionen, startet keine Technologierevolutionen und veröffentlicht noch nicht einmal Quartalsberichte. Mir fehlt eindeutig das Goldgen. Warren Buffett scheint es ähnlich zu gehen. Vor beinahe genau 20 Jahren sagte er über Gold:

(Es) wird irgendwo in Afrika oder an einem anderen Ort der Erde aus dem Boden gegraben, dann schmelzen wir es ein und graben ein weiteres Loch, um es wieder einzugraben. Dann bezahlen wir Menschen dafür, herumzustehen und es zu bewachen. Es hat keine Anwendung. Sollte sich jemand das Ganze vom Mars aus ansehen, er würde sich am Kopf kratzen.

Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen.

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