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Tencent Der Druck nimmt zu

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07.09.2018, 09:00  |  1036   |   
Chinesische Internetriesen wie Tencent oder Alibaba brauchen sich inzwischen nicht einmal mehr vor der lange Zeit übermächtig erscheinenden US-Konkurrenz zu verstecken. Allerdings bekam insbesondere die Tencent-Erfolgsgeschichte zuletzt deutliche Kratzer im Lack.
Das Unternehmen beschäftigt sich unter anderem mit Online-Spielen, Video-Plattformen, Internetwerbung oder Zahlungssystemen. Besonders beliebt ist zum Beispiel der Messenger-Dienst WeChat. Ein wichtiger Umsatzlieferant sind vor allem die vielen Online-Spiele. Allerdings sind genau diese zuletzt in den Blick der chinesischen Behörden geraten.
Diese haben nicht nur die möglicherweise gewaltverherrlichenden oder pornografischen Inhalte der Spiele im Blick. Es geht auch um die eventuellen Auswirkungen der Spiele auf die Gesundheit von Jugendlichen, unter anderem auf das Sehvermögen. Auf die Anbieter könnten zusätzliche Regulierungen in Bezug auf Altersbeschränkungen, auf die Anzahl der zu veröffentlichenden Spiele einzelner Hersteller oder Maßnahmen in Bezug auf die Begrenzung der Spieledauer unter Jugendlichen zukommen.
Solche Beschränkungen hatten bereits die Tencent-Geschäftsergebnisse im zweiten Quartal 2018 belastet. Das Umsatzwachstum nahm gegenüber dem Jahresanfang deutlich ab, während der Gewinn erstmals seit langer Zeit rückläufig war. Laut Unternehmensangaben vom 15. August 2018 legten die Umsatzerlöse im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 73,7 Mrd. Yuan (umgerechnet 9,4 Mrd. Euro) zu. Im ersten Quartal lag das Plus noch bei 48 Prozent auf 73,53 Mrd. Yuan. Im zweiten Quartal fiel der den Anteilseignern zurechenbare Gewinn um 2 Prozent auf 17,9 Mrd. Yuan. Zudem berichtete das Unternehmen von rückläufigen Umsatzerlösen um 19 Prozent mit Smartphone-Spielen im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres. Die Erlöse mit PC-Spielen fielen um 8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der jüngste Gegenwind im Bereich Online-Spiele hat nicht nur die Tencent-Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal 2018 belastet. Die Aktie des Internetkonzerns musste ebenfalls Federn lassen. Für Anlegerfantasien sorgen derzeit dagegen die Marktspekulationen rund um einen Börsengang der Tencent Musik-Streaming-Sparte. Welche Euphorie in diesem Bereich entfacht werden kann, hat der Börsengang des Partners, aber auch Konkurrenten, Spotify gezeigt. Darüber hinaus sollte Tencent auch im Bereich Online-Spiele wieder für erfreulichere Nachrichten sorgen können. Auch andere Unternehmen müssen es in China den Regulierungsbehörden Recht machen und strenge Vorschriften erfüllen, so dass man bei Tencent auf neue Regulierungen nicht ganz unvorbereitet sein sollte.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Tencent-Aktie erwarten, könnten mit einem klassischen Optionsschein Call der Deutschen Bank (WKN DM9HP7, Laufzeit bis zum 25.06.2019) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Optionsscheins liegt derzeit bei 17,24. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem klassischen Optionsschein Put der Deutschen Bank (WKN DM9HQ0, aktueller Hebel 8,42; Laufzeit bis zum 25.06.2019) auf fallende Kurse der Tencent-Aktie setzen.
 
Stand: 06.09.2018

Disclaimer

Gastautor

Christian-Hendrik Knappe
Produktexperte X-markets, Deutsche Bank AG

Der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirtschaftler ist als Produktexperte von X-markets, Deutsche Bank mitverantwortlich für die Produktpalette und den Vertrieb von Hebelprodukten und Anlagezertifikaten. Er schreibt Kolumnen für verschiedene Finanzportale und vertritt die Deutsche Bank bei diversen Finanzmessen und Börsentagen. Seine berufliche Laufbahn startete er 1999 bei der Börse in Stuttgart als Händler. Seit 2007 gehört Knappe zum X-markets-Team der Deutschen Bank.

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