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Mehr als Rohstoffe: China läuft dem Westen in Afrika den Rang ab

Nachrichtenquelle: Rohstoffbrief.com
10.09.2018, 11:59  |  2381   |   |   

Während der Westen Afrika vor allem als Heimat von Millionen potenzieller Flüchtlinge und als Absatzmarkt für Waffen sieht, baut China entschlossen seine Wirtschaftsbeziehungen aus. Die Volksrepublik ist inzwischen der größte Handelspartner des Kontinents und hat es nicht nur auf Rohstoffe abgesehen.

60 Mrd. Dollar-Paket beschlossen

Einen bösen Kommentar zur westlichen Afrika-Politik konnte man in diesen Tagen auf Twitter lesen. Während man China vorwirft, nur an die Rohstoffe kommen zu wollen, muss man konstatieren, dass das Land wenigstens dafür bezahlt, während sich Europa einst die Rohstoffe einfach genommen hat. Auch wenn diese Aussage etwas übertrieben wirkt, steckt da doch jede Menge Wahrheit drin. China nimmt die afrikanischen Führer jedenfalls ernst und sieht den Kontinent als riesigen Absatzmarkt. Allein 2017 belief sich das Handelsvolumen zwischen Beijing und dem Kontinent auf satte 170 Mrd. Dollar. Damit waren die Ostasiaten erneut der wichtigste Handelspartner des Kontinents – vor den USA und der alten Kolonialmacht Frankreich. Auf dem China-Afrika-Gipfel in Beijing schnürte man ein neues 60 Mrd. US-Dollar-Paket. Darin enthalten sind 15 Mrd. Dollar als Hilfe und zinsloses Darlehen, eine Kreditlinie von 20 Mrd. Dollar, einen 10 Mrd. Milliarden Dollar schwerer Spezialfonds für die gemeinsame Entwicklung sowie ein 5 Mrd. Dollar schweres Paket, um Exporte aus Afrika nach China zu fördern. Darüber hinaus sollen chinesische Konzerne in den kommenden drei Jahren weitere 10 Mrd. Dollar auf dem Kontinent investieren. Nur mal zum Vergleich: die deutsche Wirtschaft hat jüngst beschlossen, ihre Aktivitäten in Afrika zu verstärken. Im ersten Halbjahr betrug das Volumen glatt 1,09 Mrd. Euro. Deutschland gehört damit nicht einmal mehr zu den Top-10-Investoren in Afrika.

Chinas Konzerne sichern sich den Nachschub

China nimmt Afrika also ernst und sieht es vor allem als riesigen Absatzmarkt an. Auf der anderen Seite ist es der unerschlossenste Kontinent, was Rohstoffe betrifft. Dementsprechend ist es logisch, dass die Chinesen hier derzeit einen Deal nach dem anderen eintüten. China ist seit knapp zwei Jahrzehnten der größte Verbraucher von Industriemetallen auf dem Globus. Inzwischen hat man sogar Kredite im Volumen von mehr als 130 Mrd. Dollar direkt an afrikanische Staaten gewährt. Aktiv sind aber vor allem Staatskonzerne, die sich beispielsweise direkt in Rohstoffunternehmen einkaufen oder Abnahmevereinbarungen treffen. Glencore beispielsweise hat erst im März eine Kobalt-Deal mit dem chinesischen Batteriehersteller GEM abgeschlossen. Demnach werden die Eidgenossen etwa ein Drittel ihrer Produktion der Jahre 2018 bis 2020 an die GEM-Gruppe verkaufen. Der Batteriekonzern kauft konkret 52.800 an Kobalt-Hydroxit (mehr hier).

Im Wettbewwerb mit kanadischen Goldminern

Auch in Burkina Faso sind die Chinesen ein harter Wettbewerber für westliche Unternehmen. Das Land ist zu einem der Hot Spots der Goldproduktion in Westafrika geworden (mehr hier). Es liegt direkt auf dem afrikanischen Grünsteingürtel, auf dem quasi im Jahrestakt neue Goldvorkommen entdeckt werden. Sie zählen zu den ältesten Gesteinen der Erdgeschichte und beherbergen neben Gold oft auch Zink, Kupfer, Blei und Silber. Inzwischen gibt es elf in Produktion oder in der Entwicklung befindliche Goldminen in dem Land. Neben Chinesen und Russen haben sich auch kanadische Miner wie IAM Gold, Nordgold oder Roxgold dort engagiert. Das jüngste Highlight war die Inbetriebnahme der Houndé Mine im Oktober 2017. Für Endeauvour Mining ist sie ein Art Flaggschiff geworden. Geplant wird mit einer Produktion von 235.000 Unzen in diesem Jahr. Hinzu kommen niedrige Kosten mit AISC von 610 US-Dollar je Unze.

Milliardär aufs Einkaufstour

Damit gehört sie zu den günstigsten Goldminen der Welt und ist laut Endeavour in Afrika einer der Top „Cash-Generatoren“. Während der Goldmarkt in Nordamerika sich derzeit wie eine unendliche Horror-Tour anfühlt, sehen afrikanische Investoren das ganz anders. Der Milliardär Nagiub Sawiri hat sich über seine La Mancha Africa Holding zuletzt bei Endeavour eingekauft und allein in den vergangenen Wochen mehr als 6 Mio. CAD in die Firma investiert. Der Ägypter nutzt also die niedrigen Bewertungen am Markt für eine Einkaufstour. Laut einem Bloomberg-Bericht aus dem Frühjahr haben die Sawiris inzwischen die Hälfte Ihres Vermögens in Goldfirmen gesteckt (mehr hier).

Der nächste Kanadier in Westafrika

Drei aussichtsreiche Projekte in Burkina Faso hat sich auch Nexus Gold (0,25 CAD | 0,15 Euro; CA65341L1040) gesichert. Das Unternehmen aus Vancouver konnte hierfür im Frühjahr auch Sandstorm Gold als Großinvestor gewinnen, der nun mit 17,3 Prozent die größte Rolle im Aktionariat spielt. Aktuell fährt Nexus ein Bohrprogramm auf seinen Projekten. Zuletzt konnte man bereits melden, dass man auf dem Dopelprojekt Rakounge/Bouboulou einen 15 Kilometer langen Goldtrend entdeckt hat (mehr hier). Das schob die Aktie kurzzeitig kräftig an. Aktuell warten wir gespannt auf die Bohrergebnisse. Sollten die wie zuletzt gut ausfallen, dürfte das Papier wieder mehr Rückenwind haben. Aktuell wird Nexus Gold mit 11,9 Mio. CAD bewertet. Das entspricht umgerechnet lediglich 7,8 Mio. Euro. Somit bietet das Papier große Chancen für Anleger, die kein Investment in Afrika scheuen.

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