Target 2 Platzt die Billionen-Euro Bombe?

Gastautor: Markus Richert
10.09.2018, 21:18  |  2235   |   |   

TARGET2 bewegt vor allem in Deutschland immer wieder die Gemüter. Im Juni kletterte die Bundesbankforderung gegenüber anderen Notenbanken der Eurozone auf den Rekord von 976 Milliarden Euro. Es dauert nicht mehr lange und die Billionen Euro Grenze wird erreicht sein. Die Meinungen der Ökonomen, wie diese Salden zu bewerten sind und ob es eine Bedrohung für Deutschland darstellt, gehen dabei sehr weit auseinander. Müssen wir uns also wirklich Sorgen machen?

TARGET2 ist die zweite Generation des Zahlungsverkehrssystems TARGET (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System). Dahinter verbirgt sich ein Verrechnungssystem der Notenbanken in der Eurozone. Als die europäische Währungsunion konstruiert wurde, einigte man sich auf ein zweistufiges System. Neben der großen Europäischen Zentralbank (EZB) im Mittelpunkt des Systems, sollten die nationalen Notenbanken weiter bestehen bleiben. Wenn zwischen zwei Euroländern Geld hin und her fließt, braucht es dafür ein Zahlungssystem der Notenbanken. Gerade Euro-Kritiker und Populisten warnen in regelmäßigen Abständen vor dem Abrechnungssystem. Der damalige Präsident des ifo-Instituts, Prof. Hans Werner Sinn, entdeckte das Thema 2011, schrieb ein Buch darüber und verkündet seitdem den Untergang der Eurozone. Die Mehrheit der Ökonomen steht dem Thema aber wesentlich entspannter gegenüber.

Wie entstehen die Salden bei den Notenbanken?

Wie die positiven und negativen Salden im Einzelnen entstehen, wird an einem einfachen Beispiel deutlich, wie es täglich tausendfach in der Eurozone vorkommt. Kauft beispielsweise ein spanisches Unternehmen eine Ware bei einem deutschen Hersteller, so beauftragt es seine Bank, den Kaufpreis an die Bank des Exporteurs in Deutschland zu überweisen. Die spanische Hausbank bucht den Kaufpreis vom Konto des spanischen Unternehmens ab und reicht den Überweisungsauftrag an die spanische Notenbank weiter. Diese bucht den Betrag vom Zentralbankkonto der spanischen Hausbank ab und überweist ihn an die EZB. Die wiederum schreibt ihn der Bundesbank auf deren Konto bei der EZB gut. Die Bundesbank überweist den Betrag dann an die Hausbank des deutschen Exporteurs, die ihn auf dessen Konto gutschreibt.

Durch die Überweisungen bauen die spanische Zentralbank und die Bundesbank Target-Salden gegenüber der EZB auf. Die Bundesbank erhält eine Forderung gegen die EZB, die spanische Notenbank geht eine Verbindlichkeit ein. Nach Angaben der Bundesbank werden im Laufe eines Jahres über TARGET2 annähernd 90 Millionen Zahlungen im Gegenwert von 450 Billionen Euro abgewickelt. Innerhalb dieses Systems bildet sich immer dann ein Negativsaldo, wenn ein Mitgliedsland kontinuierlich mehr in einem anderen Mitgliedsland kauft oder investiert als umgekehrt, und zwar unabhängig davon, ob es Private, Firmen oder Banken sind, die grenzüberschreitend Geld anlegen oder auf Shoppingtour gehen.

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